Rickmers

07.09.17
Deals

Zeaborn erhält Zuschlag für Rickmers

Der Verkauf der insolventen Reederei Rickmers ist entschieden: FINANCE-Informationen, nach denen der Schiffskonzern Zeaborn des Unternehmers Kurt Zech sich in einem Bieterwettstreit durchgesetzt hat, sind inzwischen bestätigt. Er übernimmt zunächst das Shipmanagement, weitere Einheiten sollen folgen.

Der Investor Kurt Zech hat den Zuschlag für die ersten Teile der insolventen Reederei Rickmers erhalten. Diese Informationen, die FINANCE am Vormittag aus Verhandlungskreisen erfahren hatte, hat die Reederei inzwischen bestätigt.

Ein Konsortium um Zeaborn übernimmt zunächst die weltweiten Shipmanagementaktivitäten der Rickmers Gruppe mit den Hauptstandorten in Hamburg, Singapur und Zypern für einen nicht näher bezifferten Kaufpreis in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe. Doch dabei soll es nicht bleiben: Es sei beabsichtigt, dass das Konsortium  „im Rahmen einer Gesamtlösung“ auch die restlichen Geschäftseinheiten der Rickmers Gruppe im Wege eines Insolvenzplans übernehme, teilte Rickmers mit.

Auch der Hamburger Reeder und Unternehmensgründer Bertram Rickmers bleibt an Bord, er ist Teil des Käuferkonsortiums. Details zu dem jeweiligen Engagement der Konsortiumsmitglieder wurden allerdings nicht genannt.

Zech und Advent buhlten offenbar um Rickmers

In den vergangenen Tagen waren die Verkaufsverhandlungen nach Informationen der F.A.Z. auf einen Zweikampf hinausgelaufen: Neben Zech soll zuletzt noch der britische Schiffsmanager V. Group, der mehrheitlich dem Private-Equity-Investor Advent gehört, um das Hamburger Unternehmen gebuhlt haben. Die V. Group hatte dem Bericht zufolge mit Advent zusammen geboten. Am gestrigen Mittwoch hat der Gläubigerausschuss über die Vorschläge der beiden Interessentengruppen beraten.

Das Zech-Angebot galt auch als Favorit der Anleihegläubiger, da sie der F.A.Z. zufolge bei seinem Modell von einer Werterholung profitieren könnten. Details hierzu gibt es bislang allerdings noch nicht. Die Gläubiger sind bei Rickmers mit 275 Millionen Euro engagiert.

Zech hat bei Rickmers schon einmal zugeschlagen

Der nun zum Zuge gekommene Investor Zech ist für Rickmers kein Unbekannter: Bereits vor einigen Monaten hat er über seine 2013 gegründete Zeaborn-Gruppe die Schwergutgesellschaft Rickmers-Linie übernommen. Zech ist riskanten Investments gegenüber nicht abgeneigt: In der Vergangenheit kaufte er unter anderem einen großen Teil des Agrarkonzerns KTG und stieg bei dem Baukonzern Imtech ein. Durch einen erneuten Zukauf kann Zech nun seine Zeaborn-Gruppe stärker etablieren. Sein Wettbewerber V. Group hätte dagegen durch die Übernahme den deutschen Markt stärker in Angriff nehmen können.

Seit Dienstag läuft das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Rickmers. Der Vorstand bleibt weiterhin im Amt und wird von Rechtsanwalt Christoph Morgen aus der Sozietät Brinkmann & Partner als „Chief Insolvency Officer“ unterstützt. Rechtsanwalt Jens-Sören Schröder aus der Sozietät Johlke Niethammer & Partner ist wie im vorläufigen Verfahren als Sachwalter bestellt.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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