Gibt es doch noch eine Zukunft für KTG Agrar? Das Bremer Familienunternehmen Zech kauft einen Großteil des untergegangenen Agrar-Imperiums auf.

KTG Agrar

16.09.16
Wirtschaft

Zech-Gruppe kauft KTG Agrar und KTG Energie

Das Bremer Familienunternehmen Zech übernimmt den Großteil von KTG Agrar und auch die Mehrheitsbeteiligung an KTG Energie. Der überraschend schnelle Eigentümerwechsel könnte das Geschäft wieder zum Laufen bringen. Die Bondholder haben davon wenig.

Überraschende Nachricht vom Firmensitz in Oranienburg: Schneller als erwartet ist es Sachwalter Jan Denkhaus gelungen, einen neuen Eigentümer für den Großteil des untergegangenen Landwirtschaftsbetriebes KTG Agrar zu finden. Käufer ist das Bremer Familienunternehmen Zech.

Zech ist ein branchenfremder Käufer. Das Familienunternehmen hat seine Wurzeln im Baugeschäft und verfügt auch heute noch über zahlreiche Aktivitäten in den Bereichen Baudienstleistungen und Immobilienentwicklung. Zech ist über Tochtergesellschaften aber auch in Industriegeschäften engagiert, zum Beispiel in der Möbelindustrie. Insgesamt beschäftigen die Bremer, die sich als „strategische Managementholding“ bezeichnen, 3.000 Mitarbeiter. In der Landwirtschaft ist Zech bislang nicht aktiv.

Zech bringt Hoffnung zu KTG Energie

Die Bremer kaufen einerseits einen Großteil der Agraraktivitäten von KTG in Deutschland, mit Ausnahme der beiden Standorte Kohlberg und Quesitz. Vor allem aber übernehmen sie den 50-Prozent-Anteil an der Biogastochter KTG Energie. Diese Firma war lange Zeit profitabel und galt als Kronjuwel des KTG-Imperiums. Doch nachdem der Mutterkonzern in die Pleite rutschte, gingen Banken und Lieferanten von KTG Energie auf Distanz. Dies führte zu schweren Versorgungs- und Produktionsproblemen, die das Unternehmen zu verschleiern versuchte. Im August brach die Anlagenauslastung von 95 auf 61 Prozent ein.

Der schnelle Verkauf könnte die Rettung für KTG Energie bedeuten, da mit dem neuen Gesellschafter die finanzierenden Banken wieder eher bereit sein dürften, unkompliziert Kreditlinien für den Substrateinkauf zur Verfügung zu stellen. Gleiches gilt für die Lieferanten der Brennstoffe, zum Beispiel Mais- und Grassilage. Es ist auch damit zu rechnen, dass Zech die Liquiditätsposition von KTG Energie stärken wird.

Unklar ist noch, ob die neuen Eigentümer auf eine Restrukturierung des Mini-Bonds von KTG Energie drängen werden. Das Papier ist in den zurückliegenden Wochen bis auf 25 Prozent seines Nennwerts abgestürzt. Heute jedoch macht der Anleihekurs einen großen Sprung nach oben auf Kurse von über 50 Prozent.

Ebenfalls unklar ist derzeit noch, was mit dem Streubesitz von KTG Energie an der Börse passiert. Die Aktie legt um 60 Prozent auf 3,60 Euro zu. Der Wert des Freefloats beläuft sich damit aktuell auf rund 14 Millionen Euro.

Kein Geld für die Anleihegläubiger von KTG Agrar

Über den Kaufpreis machen weder Denkhaus noch Zech genauere Angaben. Er dürfte allerdings nur wenige Millionen Euro erreichen, da der inzwischen geschasste KTG-Chef Siegfried Hofreiter einen Großteil des einst umfangreichen Landbesitzes in den beiden vergangenen Jahren verkauft hat. Auf Grund der hohen Preise für Ackerland sind die daraus resultierenden Pachtzinsen derart hoch, dass es angesichts der gefallenen Getreidepreise schwer ist, die KTG-Flächen profitabel zu bewirtschaften.

Denkhaus hat die Gläubiger auch schon darauf vorbereitet, dass ihre Aussichten, noch etwas von ihrem Geld wiederzusehen, extrem gering sind. Die größte Gläubigergruppe sind Investoren vom Mini-Bond-Markt. Dort hatte KTG Agrar zum Zeitpunkt der Insolvenz Anleiheschulden in Höhe von 342 Millionen Euro ausstehen.

Zu verwerten sind jetzt lediglich noch die KTG-Beteiligungen in Litauen und Rumänien. Auch dort sind keine nennenswerten Verkaufserlöse zu erwarten. Vor allem die wirtschaftliche Lage mancher KTG-Betriebe in Rumänien war schon weit im Vorfeld der Insolvenz des Mutterkonzerns besorgniserregend.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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