Sehnsuchtsort England: Aurelius kauft schon wieder auf der Insel zu, gleich zweimal in nur einer Woche.

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09.08.19
Deals

Aurelius platziert Brexit-Wette

Zwei britische Unternehmenskäufe in nur einer Woche: Der Turnaround-Investor Aurelius platziert seine Brexit-Wette. Und die finanzielle Schlagkraft reicht sogar noch für mehr.

Aurelius-Chef Dirk Markus lässt seinen Ankündigungen Taten folgen, sich die unklare Lage der britischen Wirtschaft im Vorfeld des Brexit für weitere Investments zu Nutze zu machen. Heute hat das Private-Equity-Haus den zweiten Kauf eines britischen Unternehmens in nur einer Woche verkündet. Aurelius übernimmt das Geschäft mit Decken und Mineralfaserplatten von Armstrong, einer Tochter des deutschen Familienunternehmens Knauf.

Zwei Carve-outs für Aurelius

Das Zielunternehmen betreibt zwei Fabriken im englischen Team Valley, die Aurelius nun modernisieren will. Außerdem verfügt die neue Aurelius-Tochter über Vertriebsbüros in insgesamt elf europäischen Ländern. Sie plant dieses Jahr mit einem Umsatz von 75 Millionen Pfund (81 Millionen Euro) und ist nach Angaben von Aurelius profitabel. Knauf musste die Tochter im Zuge einer Kartellauflage verkaufen, die in Folge der Übernahme von Armstrong durch Knauf im Jahr 2017 verhängt wurde.

Erst am Montag hatte Aurelius den Kauf des größten gewerblichen Fuhrparkbetreibers Großbritanniens angekündigt, BT Fleet Solutions. Bei beiden Deals steht Aurelius nun die komplizierte Herauslösung der neuen Töchter aus den zwei Mutterkonzernen bevor. Verkäufer von BT Fleet Solutions ist die britische Telekom. BT Fleet Solutions erwirtschaftet sogar Umsätze von über 200 Millionen Pfund.

Während Aurelius bei BT Fleet Solutions mit einem Closing des Deals noch in diesem Jahr rechnet, wagt der Investor zu Armstrong keine Prognose. Auch die Kaufpreise, die fällig werden, nennt Aurelius nicht.

Aurelius blickt auf Rekord-Exit zurück

Die beiden Zukäufe dieser Woche müssen nicht die letzten von Aurelius auf der Insel gewesen sein. Aurelius-Chef Dirk Markus, der den größten Teil seiner Zeit in London verbringt, setzt substanziell auf das Phänomen, dass es am britischen M&A-Markt derzeit stockt. Viele Investoren vermeiden Zukäufe, solange nicht klar ist, wie stark der anstehende Brexit die britische Wirtschaft treffen wird. Gleichzeitig stehen bei vielen britischen Unternehmen die Geldgeber auf der Bremse. „Der M&A-Markt für Sondersituationen wächst in Großbritannien gerade besonders stark“, hatte Markus vor drei Wochen in einem FINANCE-Interview gesagt. Schon in den ersten achtzehn Monaten nach dem Brexit-Votum hatte Aurelius massiv am britischen M&A-Markt zugeschlagen

An Geld für die Einkaufstour auf der Insel mangelt es nicht: Im Frühjahr hat der in München ansässige Turnaround-Investor bei Solidus den größten Exit der Unternehmensgeschichte gestemmt und seinen ursprünglichen Einsatz dort in nur viereinhalb Jahren versechzehnfacht. Mit dem Exit realisierte Aurelius einen Unternehmenswert von 330 Millionen Euro.

Wie viel davon genau als Cash in die Unternehmenskasse fließt, gab das Private-Equity-Haus aber nicht bekannt. Zum Ende des ersten Halbjahres verfügte Aurelius über liquide Mittel von 180 Millionen Euro und insgesamt 20 aktive Beteiligungen.

Aurelius-Aktie kommt nicht in Schwung

Doch obwohl Markus an der Dealfront für viel Wirbel sorgt, sind die Aktionäre noch nicht überzeugt, dass es ihm in der aktuellen Investitionsphase erneut gelingen wird, solche Perlen wie Solidus zu finden – die Aktie tritt seit zwei Jahren auf der Stelle. Eine Shortsellerattacke hatte das Papier im März 2017 um 40 Prozent einbrechen lassen. Obwohl sich keiner der dort formulierten Vorwürfe materialisiert hat, liegt das Papier nach wie vor weit unter den Höchstständen von 66 Euro und sogar noch unter den Kursen, die direkt nach der Short-Attacke markiert wurden.


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