Schock für die Aktionäre von Aurelius: Gotham City Research setzt das Kursziel für die Beteiligungsgesellschaft auf 8,56 Euro.

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28.03.17
Finanzierungen

Shortseller tritt Kurslawine bei Aurelius los

Der Shortseller Gotham City Research attackiert Aurelius und wirft der Beteiligungsgesellschaft in einem Bericht Bilanzungereimtheiten vor. Die Folge ist der größte Kurssturz in der Geschichte des Finanzinvestors.

Nächste Shortseller-Attacke auf ein deutsches Unternehmen: Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius ist ins Visier des Shortsellers Gotham City Research geraten. In einem am heutigen Dienstag veröffentlichten Papier greift der Hedgefonds Aurelius an und hat damit eine regelrechte Kurslawine losgetreten. Notierte die Aurelius-Aktie am Vortag noch bei rund 65 Euro, brach das Papier am heutigen Vormittag in der Spitze um über 30 Prozent auf rund 47 Euro ein. Aktuell steht der Kurs wieder bei rund 51 Euro. Zur Stunde wurden die Aktien etwa zwanzigmal so stark gehandelt wie an einem durchschnittlichen Handelstag.

Gotham City selbst hat laut Daten des Bundesanzeigers Short-Positionen auf 0,61 Prozent des Grundkapitals von Aurelius aufgebaut. Shortseller leihen sich Aktien, um diese gleich wieder zu verkaufen. Fallen in der Folge die Kurse, kann sich der aktivistische Investor am Markt später günstiger mit Aktien eindecken und die geliehen Aktien zurückgeben. Die Differenz streicht der Shortseller als Gewinn ein.

Für Gotham City Research hat sich das Geschäft bereits gelohnt. Laut Bundesanzeiger notiert die Leerverkaufsposition vom Freitag, den 24. März. Damals stand die Aktie noch bei über 65 Euro. Nach dem Kurssturz von heute könnte sich Gotham City Research deutlich günstiger mit den Aktien wieder eindecken.

Gotham City Research unterstellt Aurelius Bilanzungereimtheiten

In seinem Bericht setzt Gotham City Research das Kursziel für die Aurelius-Aktie auf 8,56 Euro fest. Auf insgesamt 68 Seiten nimmt der Hedgefonds Aurelius in die Mangel. Schon der Titel des Research-Berichts lässt erahnen, dass sich die Vorwürfe um Bilanzmanipulation drehen: „Aurelius: The next Arques AG or the next Philip Green?“. Arques war ein ebenfalls börsennotierter, in München ansässiger Turnaround-Investor, der in die Kritik geraten war, da er hohe Erträge aus der Aktivierung von „Badwill“ generiert hatte. Dieser negative immaterielle Firmenwert entsteht dann, wenn der Kaufpreis von Distressed-Unternehmen unterhalb des Buchwerts liegt. Arques hat sich inzwischen in Gigaset umbenannt und das Beteiligungsgeschäft aufgegeben.

Gotham City Research sieht bei Aurelius ein „identisches“ Geschäftsmodell wie seinerzeit bei Arques. Als Indiz führen die Amerikaner an, dass Aurelius-CEO Dirk Markus laut Gotham City früher als Finance Executive bei Arques tätig war. Gotham City Research behauptet, man könne den Großteil der bei Tochterunternehmen ausgewiesenen Gewinne nicht nachvollziehen. Die Ergebnisse seien je nach Beteiligung zu hoch ausgewiesen.

Und die Vorwürfe gehen weiter: Der Shortseller moniert, dass 60 Prozent der Portfolio-Unternehmen von Aurelius in die Insolvenz gegangen seien, nachdem Aurelius sie verkauft hatte. Ein „gutes Zuhause für Unternehmen“ sehe anders aus. Der von Gotham City geschätzte Net Asset Value von Aurelius läge um 80 bis 90 Prozent unter der Schätzung des Unternehmens.

Zudem hätten Aurelius-Vorstände im Dezember vergangenen Jahres mindestens 40 Prozent ihrer Anteile zum Preis von 52,50 Euro pro Aktie verkauft, weit unter dem damaligen Börsenkurs. Gotham City wirft deshalb die provokante Frage auf, ob die „Ratten das sinkende Schiff verlassen“. Aurelius weist die Vorwürfe zurück und kündigt neben der Prüfung rechtlicher Schritte gegen Gotham auch ein neues Aktienrückkaufprogramm an.

Auch Ströer und Wirecard wurden von Shortsellern angegriffen

Aurelius ist nicht das erste deutsche Unternehmen, das aggressiv über einen Research-Report von Shortsellern angegangen wurde. Auch Wirecard musste im Februar 2016 herbe Kursverluste hinnehmen, nachdem die bis dato unbekannte Research-Firma Zatarra Betrugs- und Geldwäschevorwürfe erhoben hatte.

Bei Ströer fiel der Kurs im vergangenen Jahr, nachdem Muddy Waters heftige Vorwürfe angebracht hatte. Der US-Hedgefonds warf Ströer unter anderem Täuschung, Bilanzmanipulation und Insidergeschäfte vor.

Hintergründe zu der Attacke auf Aurelius und zu anderen Kampagnen der Leerverkäufer in Deutschland gibt es auf unserer FINANCE-Themenseite zu Shortseller-Attacken.