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22.11.17
Deals

Aurelius verkauft Studienkreis an IK Investment Partners

Exit nach erfolgreichem Turnaround: Aurelius hat sein Investment in Studienkreis nahezu verzwölffacht. Ungewöhnlich für ein Turnaround-Investment ist der Käufer.

Der Turnaround-Investor Aurelius hat den Anbieter von Schüler-Nachhilfe Studienkreis an IK Investment Partners verkauft. Das gaben die PE-Häuser in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt. IK Investment hat demnach über seinen Fonds IK Small Cap I 71,7 Millionen Euro für Studienkreis bezahlt. In einer Präsentation von Aurelius wird der Transaktionswert sogar mit 76,5 Millionen Euro beziffert.

Dass es sich bei dem Käufer um einen klassischen Private-Equity-Investor handelt, ist ungewöhnlich. Normalerweise verkaufen Häuser wie Aurelius ihre Portfoliounternehmen nach gelungener Sanierung an  strategische Käufer. Dies liegt daran, dass die Unternehmen auch nach einer gelungenen Sanierung meist nicht überdurchschnittlich cashflow- und ertragsstark sind und damit außerhalb des Fokus von klassischen Private-Equity-Häusern liegen. Für Industriekäufer lohnt sich eine Übernahme meist wegen der damit verbundenen strategischen Logik, die auch dann greift, wenn das Target nur eine überschaubare Ertragskraft aufweisen kann.

Sofern die Kartellbehörden keine Einwände gegen die Transaktion haben, wird mit einem Abschluss des Deals noch im Dezember gerechnet. Bei der Veräußerung wurde Aurelius von der M&A-Beratung Raymond James unterstützt.

Aurelius investierte Millionen für den Turnaround

Aurelius übernahm Studienkreis 2013 von der Franz Cornelsen Bildungsgruppe. Damals schrieb das Unternehmen einen Umsatz von 53 Millionen Euro. Seit der Übernahme hatte der Investor nach eigenen Angaben jährlich Millionenbeträge in die Restrukturierung und den Umbau von Studienkreis investiert. Später seien die Mittel dafür dann teilweise auch von Studienkreis selbst erwirtschaftet worden, erklärte Aurelius.

Aurelius schaffte mit seinen Investitionen schließlich den Turnaround. Laut Angaben des Investors konnte der Umsatz seitdem zwar nur um gut 20 Prozent gesteigert werden, aber der operative Gewinn (Ebitda) des Studienkreises soll sich mehr als verfünffacht haben. Unter der Regie von Aurelius eröffnete der Studienkreis 140 neue Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, zum Teil im Rahmen eines Franchise-Konzepts.

2017 wird Rekordjahr für Aurelius

Die Veräußerung von Studienkreis ist der dritte große Exit des Finanzinvestors im Jahr 2017. Mit dem Verkauf des Informations- und Kommunikationsdienstleisters Getronics konnte Aurelius 220 Millionen erlösen – der größte Exit der Unternehmensgesichte. Auch der anfänglich zähe Verkauf des Kompressorenherstellers Secop bewegte sich mit einem Erlös von 185 Millionen Euro in ähnlichen Sphären. 

Aurelius-Chef Dirk Markus erwartet für 2017 nun „ein absolutes Rekordjahr und das beste Jahr unserer Unternehmensgeschichte“. Mit dem Investment in Studienkreis erwirtschaftete Aurelius eigenen Angaben zufolge auf das eingesetzte Eigenkapital einen Money Multiple von 11,6. Das Kapital wurde also in den vier Jahren Haltezeit nahezu verzwölffacht.

IK Small Cap ist auf Einkaufskurs

Vor Aurelius hatte auch schon die Deutsche Beteiligungs AG eine hohe Rendite mit einem Investment in den Bildungsmarkt eingefahren. Das Frankfurter Private-Equity-Haus verkaufte im Frühjahr die Schülerhilfe – vor Studienkreis der Marktführer im deutschen Nachhilfemarkt – an den britischen Finanzinvestor Oakley. In etwas mehr als drei Jahren dürfte die DBAG ihren Eigenkapitaleinsatz deutlich mehr als verdoppelt  haben.

Der neue Eigentümer des Studienkreises – IK Small Cap – befindet sich mitten in der Investitionsphase und hat damit in diesem Jahr nun schon den dritten Zukauf im deutschen Mittelstand getätigt. Zuvor hatten die Schweden schon den Finanzdienstleister Debitor-Inkasso und den Hotelzulieferer Messerschmitt Systems erworben.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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