FINANCE-Informationen zufolge sollen die Verhandlungen bei Jack Wolfskin Anfang des kommenden Jahres in die heiße Phase gehen.

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08.12.16
Deals

Blackstone verhandelt Anfang 2017 mit Banken über Jack Wolfskin

Jack Wolfskin ist in der Krise. Nach FINANCE-Informationen sollen Anfang des neuen Jahres die Verhandlungen um den Outdoor-Ausrüster in die heiße Phase gehen. Dabei droht dem Private-Equity-Investor Blackstone der Verlust der Beteiligung.

Private-Equity-Investor Blackstone muss Anfang 2017 mit den kreditgebenden Banken neu über seine Beteiligung am Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin verhandeln. Das hat FINANCE von mehreren mit der Sache vertrauten Personen erfahren. Dabei droht Blackstone im schlimmsten Fall der Verlust der Beteiligung.

Hintergrund: Jack Wolfskin leidet unter schwachen Geschäften, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte sich gegenüber dem bereits kraftlosen Vorjahr im Gesamtjahr 2016 auf rund 30 Millionen Euro halbieren. Schuld ist unter anderem die internationale Expansion, die unter den Erwartungen blieb. Gleichzeitig ächzt der Outdoor-Spezialist unter hohen Schulden. Ein Bruch der Kreditklauseln zum Jahresende ist die absehbare Folge, wie bereits das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete und Experten gegenüber FINANCE bestätigten.

Banken haben Jack-Wolfskin-Kredite an Hedgefonds verkauft

Bevor die Bankverhandlungen beginnen können, benötigt Jack Wolfskin allerdings ein Gutachten mit positiver Fortführungsprognose. Dieses Papier sollen noch in diesem Jahr fertiggestellt werden, dem Vernehmen nach von der Beratung Deloitte. Es bildet dann die Grundlage für die Diskussionen zwischen Gläubigern, Management und Eigentümer Blackstone.

Beobachter gehen davon aus, dass die Kreditgeber auf eine Kündigung des Kredits gegen Zugeständnisse verzichten werden („Waiver“). Die Gläubiger haben kein Interesse, Jack Wolfskin in die Pleite zu treiben. Allerdings hat sich der Gläubigerkreis durch die Krise verändert: In den Kredit sollen sich zu deutlichen Abschlägen bereits Distressed Fonds wie H.I.G Capital und CQS eingekauft haben. Die Kredite sollen zu 50 Prozent des Nominalwerts gehandelt worden sein. Die Hedgefonds könnten ein Interesse daran haben, über eine Wandlung der Schulden in Gesellschafteranteile die Mehrheit an Jack Wolfskin zu übernehmen.

Inzwischen haben die Parteien nach Medienberichten auch ihre Berater in Stellung gebracht: Auf Seiten der Banken sollen nach einem Bericht der Welt die Sanierungsspezialisten von Houlihan Lokey stehen sowie die Anwälte von Kirkland & Ellis. Auf Seiten Blackstones soll PJT Partners beraten.

Hohe Schulden brachten Jack Wolfskin in die Bredouille

Die Misere von Jack Wolfskin führen Beobachter auf den Buy-out von Blackstone im Juli 2011 zurück. „Die Schulden waren von Anfang an zu hoch“, sagt ein Restrukturierungsspezialist gegenüber FINANCE. Schon die Syndizierung der erstrangigen Kredite sei für die Banken damals schwergängig gewesen. Heute ist die Situation durch die allgemeine Branchenkrise der Bekleidungsindustrie noch schwieriger geworden.

Rund 700 Millionen Euro soll Blackstone den Vorbesitzern Quadriga und Barclays Private Equity (heute Equistone) gezahlt haben, fast 500 Millionen Euro davon fremdfinanziert. Damals haben verschiedene Geldhäuser wie die Bank of America Merrill Lynch, IKB, Morgan Stanley und UBS die Übernahmefinanzierung arrangiert. Zu den Krediten zählten laut dem Branchendienst Debtwire ein siebenjähriges Darlehen über 350 Millionen Euro, eine Betriebsmittellinie über 80 Millionen Euro sowie ein Second-Lien-Darlehen über 45 Millionen Euro, das damals mit stolzen 9,5 Prozent (plus Euribor) verzinst wurde.

Blackstone hatte bereits Geld nachgeschossen

Bereits vor rund einem Jahr musste Blackstone intervenieren, um Jack Wolfskin finanziell zu stabilisieren. Dafür hat der PE-Investor tief in die eigenen Taschen gegriffen, rund 75 Millionen Euro soll der Eigentümer von Jack Wolfskin nachgeschossen haben. Das Geld sollte dazu dienen, einen Teil der Kredittranche B zu par zurückzuzahlen. Dazu kam es allerdings erst, nachdem Blackstone seine Offerte nachgebessert hatte. Zunächst hatte der PE-Investor lediglich 25 Millionen Euro bieten wollen, was den Gläubigern als zu gering erschien. Ob Blackstone erneut frisches Kapital zuschießen wird, ist jetzt die große Frage. Dazu äußern wollte sich der PE-Investor gegenüber FINANCE nicht. Allerdings erklärte ein Sprecher des Unternehmens zu dem Fall: „Wir befinden uns in positiven Gesprächen mit allen beteiligten Parteien über eine mögliche Refinanzierung des Unternehmens“. Diese regelmäßigen und konstruktiven Gespräche mit dem Eigner und den wichtigsten Gläubigervertretern hätten kaum Einfluss auf das operative Tagesgeschäft, das weiterhin profitabel und Cash-positiv sei. „Dank des kalten Wetters sehen wir auch einen positiven Trend bei den Verkäufen im Vergleich zum Vorjahr“, fügt der Sprecher hinzu.


Trotzdem könnte Blackstone in Deutschland tatsächlich ein zweiter Fall Klöckner Pentaplast drohen. Vor mehr als vier Jahren musste der PE-Investor den Folienhersteller aus Montabaur nach einem Schuldendrama an den Distressed-Investor Strategic Value Partners (SVP) abgeben. Der Folienhersteller hat sich unter neuer Ägide inzwischen erholt, ein Börsengang in den USA ist angedacht, den der neue CFO Brent Jones vorantreiben soll. Auch ohne IPO gilt Klöckner Pentaplast als eines der besten Investments von SVP in der jüngeren Vergangenheit: Über Dividenden-Recaps soll der Investor seinen Einsatz längst wieder eingespielt haben.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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