Private-Equity-Investoren sollten jetzt in die Baubranche investieren, meint die Unternehmensberatung Munich Strategy – vor allem aus einem Grund.

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28.04.20
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Darum sollte Private Equity in die Baubranche investieren

Fertigbau, Infrastruktur, Erdkabel – das klingt schnöde? Auf Private-Equity-Investoren warten dort aber interessante M&A-Ziele.

Lange hatte die Baubranche bei Geldgebern mit einem schlechten Image zu kämpfen: Das Geschäft sei zu zyklisch, die Margen nicht nachhaltig. Das hat auch Private Equity trotz des jahrelangen Baubooms davon abgehalten, in die Baubranche zu investieren. Doch jetzt verstärken Finanzinvestoren wie Lone Star oder auch EQT ihr Engagement in Segmenten, die vom Ausbau der Infrastruktur leben.

„Auch Equistone, die DBAG und DPE sind in dem Segment vertreten“, berichtet Constantin Greiner, Bauexperte bei dem Beratungshaus Munich Strategy. Doch was reizt die bekannten PE-Größen an Investments in Baudienstleister – und wieso sollten andere Finanzinvestoren gerade jetzt nachziehen?

Baubranche lebt von langfristigen Trends

Vor allem eine Eigenschaft der Branche ist für Private Equity äußerst spannend, glaubt Greiner: „In der Baubranche gibt es sehr wenige kurzfristige Trends.“ Materialsubstitutionen, der demographische Wandel oder das Thema Nachhaltigkeit fordern neue Lösungen von der Industrie, prägen die Nachfrage aber für viele Jahre.

Das passe gut zum Anlagehorizont von Private-Equity-Investoren, meint Greiner: „Das Investment erwirtschaftet nicht nur während der ersten Haltedauer ordentliche Renditen, sondern auch darüber hinaus.“ Dies erleichtere nach fünf bis sieben Jahren im eigenen Portfolio die Suche nach einem Käufer für das Unternehmen immens.

Das Coronavirus ändert an dieser Situation nichts, findet der Experte: „Die deutsche Bauzulieferindustrie wird – im Vergleich zu anderen Branchen – eher glimpflich davonkommen.“ Trotzdem wird Corona auch auf dem Bau, wo die Bauunternehmen mit vollen Auftragsbüchern und hoher Preissetzungsmacht in die Krise hinein gegangen sind, Spuren hinterlassen. Deshalb sollten potentielle Käufer ihre Targets dahingehend prüfen, ob das Geschäftsmodell auch bei einer Auslastung von 80 Prozent noch dieselben Margen erwirtschaften kann, rät Greiner.

Attraktive Targets in Fertigbau und Infrastruktur

Von allen baunahmen Unternehmen, die dieses Kriterium erfüllen, hält Greiner vor allem Mittelständler in zwei Subsegmenten für interessant: „Im Bereich Fertigbau sehen wir die Portfoliounternehmen, die sich mit am besten entwickeln.“ 

In diesem Segment, in dem unter anderem fertige Module für Häuser hergestellt werden, beobachtet Greiner eine Verschiebung der Wertschöpfung von der Baustelle in die Fabrik. Die Unternehmen setzen immer häufiger auf industrielle Serienfertigungen, und das ist etwas, das viele Private-Equity-Häuser exzellent beherrschen. Diese wissen, dass bei solchen Geschäftsmodellen Skaleneffekte locken.

Ein Blick lohnt sich auch in den Bereich Infrastruktur, meint Greiner: „Der Breitbandausbau – ein klassisches Infrastrukturprojekt – ist aktuell in vollem Gange, und der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen.“ Auch dies sei ein langfristiges Projekt, das die nächsten Jahre für volle Auftragsbücher bei Infrastrukturunternehmen sorgen dürfte und demnach auch Finanzinvestoren anlockt.

Das Gleiche gilt für den Ausbau der Stromleitungen im Zuge der Energiewende. Dort hat vergangenes Jahr die Industrieholding MBB gleich zwei Spezialisten für die Verlegung von Stromkabeln übernommen und in einer Buy-and-Build-Strategie zu einem Unternehmen zusammengelegt, das mit 1.200 Mitarbeitern schon jetzt einen Umsatz von über 200 Millionen Euro erwirtschaftet. 

Bauexperte: „Es gibt viele starke Bauunternehmen“

Noch interessanter für Private Equity: Nach Jahren des Aufschwungs, verbunden mit einem hartnäckigen Desinteresse vieler Finanzinvestoren, herrscht in der Baubranche an attraktiven Targets kein Mangel. „Es gibt in der deutschen Baubranche eine große Anzahl an starken Leuchtturm-Unternehmen mit einzigartigen Kompetenz und bester Reputation“, findet Greiner. Deshalb rät der Berater auch, nach ganz bestimmten Unternehmen Ausschau zu halten.

„Private-Equity-Investoren sollten nach angesehenen Unternehmen aus der Bauwirtschaft suchen, die ein überlegenes Marktmodell in Deutschland haben, aber noch nicht im Ausland vertreten sind.“ Mit ihnen könnte ein Investor dann die Expansion vorantreiben. Wichtig sei aber die Managementqualität, die in der Baubranche tendenziell noch heterogener ist als anderswo.

„Private-Equity-Investoren sollten nach angesehenen Unternehmen suchen, die noch nicht im Ausland vertreten sind.“

Constantin Greiner, Leiter Geschäftsbereich Bau, Munich Strategy

Multiples in Baubranche über 9x Ebitda

Gänzlich unerfahren sollten sich Finanzinvestoren aber nicht in die Baubranche stürzen. Der Markt ist von mittelständischen Unternehmen geprägt, daher seien Erfahrungen mit dem Mittelstand unerlässlich. „Außerdem müssen die Investoren die komplette Wertschöpfungskette sowie die Marktmechanik in der Baubranche im Blick behalten“, fügt Greiner hinzu. Denn in der Branche spiele das Vertrauen zwischen Kunde und Zulieferer eine wichtige Rolle. „Wer dieses Vertrauen durch eine falsche Entscheidung verspielt, wird sich umschauen müssen.“

Dass Finanzinvestoren mit dem nötigen Vorwissen in ihre Bau-Investments gehen, ist noch aus einem anderen Grund relevant: „Richtig günstig sind die Targets nicht mehr, trotz Corona“, stellt Greiner fest. Für echte Leuchtturm-Unternehmen der Bauindustrie werden aktuell immer noch Ebitda-Multiples von etwas mehr als 10x bezahlt, der Branchendurchschnitt liegt jedoch deutlich unter 10x.

olivia.harder[at]finance-magazin.de