Der Hamburger Reedereikonzern Hapag-Lloyd will noch dieses Jahr an die Börse gehen.

Hapag-Lloyd

28.09.15
Deals

Hapag-Lloyd will noch 2015 den IPO wagen

Der Reedereikonzern Hapag-Lloyd will nun doch noch 2015 an die Börse gehen. Der langjährige Eigentümer Tui nutzt den IPO, um Anteile zu verkaufen.

 

Die Gerüchte hatten sich in den vergangenen Monaten verdichtet, jetzt ist es offiziell: Der Reedereikonzern Hapag-Lloyd will noch in diesem Jahr den Börsengang wagen. Wie das Unternehmen am heutigen Montag mitteilt, plant Hapag-Lloyd, sich im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notieren zu lassen sowie im regulierten Markt der Hamburger Börse. Wann der Börsengang genau vonstattengehen soll, ließ das Unternehmen offen.

Berenberg, Deutsche Bank und Goldman Sachs sollen bei der Erstnotierung als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners agieren. Als weitere Joint Bookrunners hat Hapag-Lloyd die Credit Suisse, HSBC, Citigroup und UniCredit beauftragt. DZ Bank, ING und M.M. Warburg & Co. werden als Co-Lead Manager agieren.

Hapag-Lloyd-IPO stärkt Eigenkapitaldecke

Der chilenische Hapag-Lloyd-CFO Nicolas Burr, der das Amt im April dieses Jahres von Peter Ganz übernommen hat, steht jetzt vor der Aufgabe, den IPO in einem volatilen Umfeld über die Bühne zu bringen. Der Reedereikonzern hatte bereits 2011 einen Anlauf gewagt, war letztlich aber gescheitert. Seitdem hielten sich die Gerüchte über einen möglichen Gang auf das Börsenparkett jedoch hartnäckig.

Der Hamburger Schifffahrtskonzern will mit seinem IPO umgerechnet brutto 500 Millionen US-Dollar einnehmen. Das entspräche nach dem aktuellen Wechselkurs etwa 447 Millionen Euro. 400 Millionen US-Dollar will Hapag-Lloyd durch die Emission neuer Aktien an institutionelle Investoren und Privatanleger einnehmen. Für den restlichen Betrag haben sich die Ankeraktionäre Kühne Maritime und der chilenische Reedereikonzern CSAV dazu verpflichtet, jeweils Wertpapiere im Wert von 50 Millionen US-Dollar zu zeichnen. CSAV war im vergangenen Jahr mit Hapag-Lloyd fusioniert.

Das frische Eigenkapital würde der zuletzt wiedererstarkten Bilanz von Hapag-Lloyd noch mehr Aufwind verschaffen. Durch den Börsengang sollte das Eigenkapital von 4,7 Milliarden Euro im Halbjahresbericht auf mehr als 5,1 Milliarden Euro anschwellen. Dadurch würde auch die Nettoverschuldung in Relation zum Eigenkapital (Gearing) bezogen auf die Halbjahreswerte von 71,7 Prozent auf etwa 65 Prozent sinken.

Hapag-Lloyd nutzt Synergieeffekte aus M&A-Deal

Trotz der Turbulenzen an der deutschen Börse rund um die Krisen in Griechenland, China und jetzt auch die Vorfälle um Volkswagen, fühlt sich das Management offenbar sicher genug, um die Erstnotierung ein weiteres Mal in Angriff zu nehmen. Wohl auch die Ende August vorgelegten starken Halbjahreszahlen haben ihren Teil zu dieser Entscheidung beigetragen. In der ersten Jahreshälfte 2015 hatten die Hamburger ein deutlich positives Konzernergebnis in Höhe von 157 Millionen Euro bilanziert. Im Vorjahr war dieses noch mit minus 173 Millionen Euro deutlich negativ ausgefallen. Auch der Umsatz legte im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2014 um fast 1,5 Milliarden Euro auf knapp 4,7 Milliarden zu.

Hapag-Lloyd macht für diese Entwicklung positive Synergieeffekte aus dem Zusammenschluss mit CSAV verantwortlich. Die Hamburger streben bis 2017 an, jährliche Nettosynergien im Wert von rund 400 Millionen US-Dollar zu erzielen. Laut Hapag-Lloyd greifen diese zum Teil aber bereits heute. Zudem soll das Sparprogramm „Octave“ ab 2016 die Kosten um jährlich 200 Millionen US-Dollar reduzieren. Diese Turnaround-Story sollte CFO Burr potentiellen Investoren gut verkaufen können.

Ankeraktionäre wollen Aktien weitere zehn Jahre halten

Die Ankeraktionäre CSAV, die Hamburger Beteiligungsgesellschaft HGV und Kühne Maritime unterstützen die Entscheidung zur Erstnotierung: Sie verpflichten sich dazu, über eine Konsortialgesellschaft gemeinsam noch zehn Jahre lang einen Anteil von mindestens 51 Prozent zu halten. Derzeit besitzt die Holding insgesamt mehr als drei Viertel der Hapag-Lloyd-Anteile.

Der frühere Eigentümer nutzt den IPO hingegen zum Ausstieg. Laut Hapag-Lloyd will der Touristikkonzern Tui im Zuge des Börsengangs Aktien aus seinem derzeit noch 14 Prozent schweren Anteil veräußern.

jakob.eich[at]finance-magazin.de