Lars Windhorst pumpt weitere 150 Millionen Euro in den Fußballklub Hertha BSC.

Hertha BSC

01.07.20
Deals

Investor Windhorst schießt bei Hertha nach

Hertha BSC erhält eine erneute Finanzspritze von Lars Windhorst. Damit gehören dem umstrittenen Investor künftig mehr als 50 Prozent des Fußballklubs – trotz 50+1-Regel.

Fresh Money für Hertha BSC: Der umstrittene Investor Lars Windhorst pumpt über sein Anlagevehikel Tennor weitere 150 Millionen Euro in den Fußballbundesligisten, wie der Verein heute bekanntgab. Damit stockt Windhorst seine Anteile von zuletzt 49,9 auf 66,6 Prozent auf. Der Aufsichtsrat und das Präsidium des Vereins sowie der Aufsichtsrat und Beirat der KGaA hätten diesem Schritt einstimmig zugestimmt.

Die Transaktion soll in zwei Schritten erfolgen. Zunächst überweist der Investor 50 Millionen Euro an den Hauptstadtklub, im Oktober fließen dann die restlichen 100 Millionen Euro. Laut Hertha-BSC-CFO Ingo Schiller würde der Deal in Zeiten des Coronavirus helfen, die Zukunft mit „stärkerem Rückenwind“ zu gestalten. 

Dritte Kapitalerhöhung in gut einem Jahr

Windhorst hatte die erneute Geldspritze bereits vor einigen Wochen im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ in Aussicht gestellt. Er betonte damals, sein Engagement bei Hertha sei „für Jahrzehnte“ ausgelegt. Insgesamt summiert sich das Engagement des Investors bei Hertha BSC nun auf 374 Millionen Euro.

2019 investierte Windhorst zunächst 125 Millionen Euro bei dem Fußballklub. Im Zuge einer zweiten Kapitalerhöhung wuchs die Summe auf 224 Millionen Euro. Im Gegenzug erhielt der frühere Start-up-Gründer 49,9 Prozent der Anteile an der Profiabteilung von Hertha BSC. Es war der damals größte Eigenkapital-Deal der deutschen Fußballgeschichte überhaupt.

Tennor besetzt vier Plätze im Aufsichtsrat

Mit dem heute angekündigten Deal wächst Windhorsts Anteil auf 66,6 Prozent. Die „50+1-Regel“ ist davon allerdings nicht berührt. Sie besagt, dass Investoren nicht die Stimmrechtmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen dürfen. Die Mehrheit des Kapitals darf allerdings sehr wohl im Besitz privater Investoren befinden. 

An der Besetzung der Geschäftsführung und des Aufsichtstrats ändert sich derweil nichts: Tennor nimmt weiterhin vier von neun Plätzen im Kontrollgremium von Hertha BSC ein. Neu in den Aufsichtsrat eingerückt sind derweil Jens Lehmann, ehemaliger deutscher Nationaltorwart, und Thomas Werlen, Wirtschaftsanwalt und Partner in der Kanzlei Quinn Emanuel. Sie ergänzen die zwei Windhorst-Vertrauten Stefan Kindler und Tarek Malak im Aufsichtsrat.

Als weitere Personalie verkündet der Klub, dass Marc Kosicke, Gründer und Geschäftsführer der Agentur Projekt b sowie Berater von Trainern und Führungskräften, Tennor künftig beraten wird.

Investor Windhorst löste KKR ab

Mit dem Einstieg im vergangenen Jahr folgte Windhorst auf den Private-Equity-Investor KKR, der im Herbt 2018 seinen Minderheitsanteil an den Klub zurückverkaufte. Laut dem Hertha-BSC-Finanzchef Schiller wurden diese Anteile dann zu einem höheren Preis an Windhorst weitergegeben.

Andere Fußballklubs, zum Beispiel Schalke 04, haben es momentan hingegen schwerer. Der Klub kämpft um seine finanzielle Existenz. Laut einem Handelsblatt-Bericht hat der Klub beim Land Nordrhein-Westfalen eine Landesbürgschaft von 40 Millionen Euro beantragt.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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