Einer der größten Finanzinvestoren verliert seinen bekannten „Managerschreck“. Jens Tischendorf ist nicht mehr Deutschlandchef von Cevian.

sayhmog/Thinkstock/Getty Images

15.01.20
Deals

Jens Tischendorf verlässt Cevian

Deutschlandchef Jens Tischendorf verlässt den aktivistischen Investor Cevian Capital. Er begleitete einen Coup und zwei Fehlgriffe.

Deutschlandchef Jens Tischendorf hat dem schwedischen Investmenthaus Cevian den Rücken gekehrt. Er sei formal schon Ende 2019 gegangen, zitiert das „Handelsblatt“ einen Cevian-Sprecher – allerdings noch nicht ganz: „Herr Tischendorf ist formal bei Cevian ausgeschieden, führt aber seine Geschäfte bei Cevian bis zum Ablauf einer Übergangszeit weiter“, heißt es im Handelsblatt. Cevian bestätigte diese Aussagen gegenüber FINANCE. 

Zu den Feldern, auf denen er nach wie vor für Cevian tätig ist, gehören zwei Aufsichtsratsposten: Seit 2013 vertritt Tischendorf Cevian im Aufsichtsrat von Bilfinger, seit 2015 auch bei ThyssenKrupp. Bei dem kriselnden Stahlkonzern wird er sich nach der Hauptversammlung Ende Januar zurückziehen, seine Nachfolgerin soll Cevian-Partnerin Friederike Helfer werden. Beim Industriekonzern Bilfinger ist Tischendorf bis zur  Hauptversammlung 2021 gewählt, theoretisch könnte ein Wechsel aber auch zur anstehenden HV in diesem Frühjahr erfolgen. Auch hier soll Partnerin Helfer als Nachfolgerin aufrücken. 

Tischendorf landete Coup mit Demag Cranes

Vor seiner Zeit bei Cevian arbeitete der gebürtige Rüsselsheimer acht Jahre lang für die Unternehmensberatung A.T. Kearney. Dort war er verantwortlich für das Management von Projekten zur operativen Verbesserung für mittelständische und multinationale Unternehmen in Europa, den USA und Japan. 2008 stieß er dann zu dem aktivistischen Investor, wo er zuletzt die Positionen Partner und Director für das Deutschlandgeschäft inne hatte.

Sein erstes Investment für Cevian begleitete er 2010, und es wurde ein sehr erfolgreiches. Nur ein Jahr,  nachdem die Schweden 10 Prozent des Kranherstellers Demag übernahmen, kam es zur Übernahme durch den US-Baumaschinenhersteller Terex. Cevian stieg aus, der Einsatz hatte sich in etwa verdoppelt.

Doch nach diesem Coup agierten Cevian und Tischendorf in Deutschland glücklos. Die Schweden beteiligten sich 2013 an ThyssenKrupp mit zunächst 5,2 Prozent und stockten später auf 18 Prozent auf. Nur die Krupp-Stiftung hält heute mehr (21 Prozent). Doch während die Aktienmärkte seitdem deutlich zulegen konnten, steht bei Cevians ThyssenKrupp-Investment ein Buchverlust von rund einem Drittel zu Buche. Auch der Medienberichten zufolge von Cevian mit vorangetriebene Austausch von gleich zwei CEOs – Heinrich Hiesinger und Guido Kerkhoff – änderte nichts an der Misere.

Auch das Bilfinger-Investment läuft nicht gut

Einen weiteren Fehlgriff mussten die Schweden bei Bilfinger verkraften. Dort halten sie derzeit 27 Prozent. Seit dem Einstieg 2011 hat sich der Kurs in etwa halbiert. Auch bei Bilfinger kam es zu zahlreichen Managementwechseln und Spartenverkäufen, doch der Erfolg blieb aus.

Ein ähnliches Muster, wenngleich mit etwas mehr Erfolg, zeigt sich auch bei der dritten noch offenen Beteiligung in der DACH-Region – Cevian hält rund 5 Prozent an dem Schweizer Automatisierungsriesen ABB. Auch dort wechselte der CEO, und mit der Stromnetzsparte wurde ein zentraler Teil des Konzernportfolios verkauft. Über die vergangenen fünf Jahre hat die ABB-Aktie immerhin um rund 17 Prozent zugelegt. Bei Cevian, im Mai 2015 einstiegen, dürften hier zumindest leichte Kursgewinne zu Buche stehen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Aktivisten wie Cevian treten auch in Deutschland immer selbstbewusster und aggressiver auf. Wen sie im Visier haben und wie sie vorgehen, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite aktivistische Investoren.

Mehr zur Krise beim Essener Industriekonzern erfahren Sie unserer Themenseite zu ThyssenKrupp.