Wegen bei Karlie Flamingo zum Jahresende 2015 ausgelaufener Kredite befand sich das Unternehmen mit den Banken in einem Schwebezustand. Jetzt wurde ein neues Kreditpaket geschnürt und der Eigentümer Perusa schießt frisches Eigenkapital nach. Die Probleme sind damit jedoch nicht gelöst.

Karlie Flamingo

01.03.16
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Karlie: Perusa schießt frisches Eigenkapital nach

Frisches Eigenkapital durch den PE-Investor Perusa und ein neues Kreditpaket: Karlie entgeht vorerst der drohenden Pleite. Gerettet ist das Unternehmen damit aber noch nicht, denn an einem wichtigen Punkt ist das Management gescheitert.

Der Produzent und Händler für Haustierprodukte, Karlie, zieht vorerst seinen Kopf aus der Schlinge – mit Hilfe seines Eigentümers Perusa. Das Münchener Private-Equity-Haus greift dem Unternehmen ein weiteres Mal unter die Arme und schießt über eine Barkapitalerhöhung 2,8 Millionen Euro nach. Auch einige finanzierende Banken haben vorerst eingelenkt und die Ende 2015 ausgelaufenen Kredite der Tochter Karlie Flamingo bis Ende 2017 verlängert. Das teilte das Unternehmen gestern Abend mit.

Für Karlie stand viel auf dem Spiel, denn bei einem Ende des sogenannten „Gentleman Agreements“ mit den Banken hätte dem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit gedroht. Die Verhandlungen mit den Banken müssen zäh gewesen sein, dauerte dieses Stillhalteabkommen doch rund zwei Monate. Für das Management galt es, neben deutschen auch belgische Banken ins Boot zu holen. Diese sitzen laut Karlie auf einem „stärker besicherten“ Lager in Belgien und haben ihre Kredite um 1 Million Euro erhöht. Außerdem soll das Kreditpaket um weitere 0,5 Millionen Euro zur Flankierung der weiteren Sanierung aufgestockt werden.

Karlie kauft sich mit neuem Kreditpaket nur Zeit

Das frische Geld ist für Karlie auch bitter nötig. Entgegen der ursprünglichen Hoffnungen des Managements, im Jahr 2016 in die Gewinnzone zurückzukehren, wird dieser Schritt nun erst für 2017 erwartet. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 geht Karlie von einem Umsatz in Höhe von rund 85 Millionen aus, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegt voraussichtlich zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro – vor Restrukturierungskosten.

Die neue Schonfrist bis Ende 2017 ist folglich nur ein Teilerfolg für das Karlie-Management. Denn über die Verlängerung der Kredite hinaus ist es dem Management „nicht gelungen, ein umfassendes Refinanzierungskonzept abzuschließen“, wie es das Unternehmen erfrischend ehrlich auf den Punkt bringt. Da bisher keine neuen Banken und Finanzierungspartner gewonnen werden konnten, müsse die Geschäftsführung 2016 „intensive Gespräche für eine langfristige Finanzierung der Gesellschaft führen“. 

Perusa erhöht das Investment in Karlie nochmal

Dann wird es für Karlie auch darauf ankommen, sich aus der finanziellen Abhängigkeit von Perusa zu lösen. Denn das PE-Haus ist nicht nur Eigentümer und wichtigster Eckpfeiler der jetzt errungenen Atempause, sondern auch noch Fremdkapitalgeber. Schon bei der enttäuschend verlaufenen Anleiheemission im Juni 2013 griff der PE-Investor seinem wohl bekanntesten Portfoliounternehmen unter die Arme und glich die schwache Nachfrage aus, indem Perusa selbst Bonds im Volumen von mehreren Millionen erwarb.

Da dies auf Dauer keine Lösung sein kann, sind neue Finanzierungspartner wichtig. Das erhöht den Druck auf das Karlie-Management. Der Kapitalmarkt zeigt sich trotzdem erleichtert über den Etappensieg und lässt den Bond um rund 34 Prozent auf 25,50 Prozent steigen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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