Vom Fonds zur börsennotierten Technologie-Holding: Der Frankfurter Finanzinvestor Brockhaus Private Equity baut radikal um.

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23.10.17
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PE-Investor Brockhaus erwägt Börsengang und sucht CFO

Abkehr vom Fondsmodell: Brockhaus Private Equity wird zur Industrieholding mit Perspektive Börsengang. Neben Gründer Marco Brockhaus mischt auch Ex-Norma-Finanzchef Othmar Belker mit.

 

Das Frankfurter Private-Equity-Haus Brockhaus plant einen radikalen Umbau: Gründer Marco Brockhaus treibt die Abkehr vom bisherigen Fondsmodell voran. Stattdessen soll Brockhaus schon in Kürze zu einer Technologie-Holding werden – mit Perspektive Börsengang.

Zu diesem Zweck firmieren die Frankfurter in Brockhaus Capital Management (BCM) um. Brockhaus sucht bereits nach Investoren, die sich im Rahmen eines Private Placements vorab an der Holding beteiligen möchten. Unter den Interessenten sollen auch zahlreiche bestehende Brockhaus-Investoren sein, die ihr Geld bislang in die drei Fonds des Frankfurter Finanzinvestors gesteckt haben. Zuerst hatte die „Börsenzeitung“ von den Plänen berichtet.

Marco Brockhaus holt Othmar Belker in den Aufsichtsrat

Im Anschluss an die Vorplatzierung plant Marco Brockhaus offensichtlich einen Börsengang, wie einer aktuellen Stellenanzeige zu entnehmen ist. Darin sucht Brockhaus einen CFO für BCM. Der neue Finanzchef soll Brockhaus künftig nicht nur am Kapitalmarkt vertreten, sondern auch die Einführung der IFRS-Bilanzierung überwachen. Gründer Marco Brockhaus ist CEO und CIO (Chief Investment Officer) der neuen Holding. Managing Director ist Brockhaus‘ langjähriger Weggefährte Marcel Wilhelm.

Im neu gebildeten Aufsichtsrat von BCM hat Brockhaus bereits schlagkräftige Unterstützung. Aufsichtsratschef soll der langjährige Norma-CFO Othmar Belker werden. Belker kennt die Private-Equity-Branche. Der Autozulieferer aus Maintal bei Frankfurt befand sich bis zum Börsengang in der Hand des britischen Finanzinvestors 3i. Später übernahm Belker das CFO-Amt bei dem Darmstädter Messtechnikanbieter Schenck Process – ebenfalls ein Private-Equity-finanziertes Unternehmen. Doch Belker kehrte Schenck schon nach wenigen Monaten wieder den Rücken. Seitdem arbeitet er als selbstständiger Unternehmensberater und Interim-Manager.

„Ein Großteil der avisierten 50 Millionen Euro ist bereits von Investoren gezeichnet worden.“

Marco Brockhaus

Marco Brockhaus will 150 Millionen Euro einsammeln

Ein Börsengang könnte Brockhaus deutlich stärker ins Rampenlicht rücken, als dies aktuell der Fall ist. Mit einem verwalteten Vermögen von 285 Millionen Euro gehört Brockhaus zu den kleineren Anbietern im deutschen Private-Equity-Markt. Seit den in diesem Jahr erfolgten Übernahmen der beiden Softwarehäuser Peakwork und Auvesy ist der aktuelle Fonds „Brockhaus III“ nach Angaben des Finanzinvestors voll ausinvestiert. Der Fonds hat ein Volumen von 108 Millionen Euro.

Etwas mehr Geld soll die neue Industrieholding verwalten. In einem ersten Schritt sollen es 50 Millionen Euro werden, Zielvolumen sind 150 Millionen Euro. Das Fundraising läuft noch bis zum 20. November. „Ein Großteil der zunächst avisierten 50 Millionen Euro ist bereits von Investoren gezeichnet worden“, berichtete Marco Brockhaus gegenüber FINANCE. Auch erste Beteiligungsmöglichkeiten für die BCM-Holding habe man bereits im Blick. Zuflüsse aus Ausschüttungen und Gewinnabführungsverträgen der Beteiligungsunternehmen dürften dann die bisherigen Fonds-Management-Gebühren als Einkunftsquelle für das Brockhaus-Management ablösen.

In Summe ließe sich eine ausreichend liquide börsennotierte Dachgesellschaft formen, hofft der Finanzinvestor. Brockhaus zufolge kommen die fünf noch bestehenden Beteiligungen des aktuellen Fonds auf ein operatives Ergebnis von 25 Millionen Euro. Mit Hilfe der gängigen Multiples würde sich daraus ein Börsenwert von 200 bis 300 Millionen Euro ergeben – aber erst, wenn das Portfolio aufgebaut ist.

Wie FINANCE aus Marktkreisen erfahren hat, will Brockhaus den Investoren der neuen Holding auch die Möglichkeit zu Co-Investments einräumen. Viele institutionelle Investoren, von denen einige derzeit bemängeln, dass die Fonds ihre Kapitalzusagen zu langsam abrufen, wünschen sich dies explizit. Die meisten aktuellen Private-Equity-Fonds lassen Co-Investments aber gar nicht oder nur in sehr engem Ausmaß zu.   

Brockhaus Private Equity liefert hohe Renditen

Die Historie, mit der Brockhaus antritt, ist positiv. Obwohl noch nicht alle Beteiligungen realisiert sind, kommt der Fonds III laut eigenen Angaben schon jetzt auf eine jährliche Rendite von 35 Prozent – nach Kosten. Die beiden Vorgängerfonds schlossen ebenfalls mit zweistelligen Renditen ab.

Brockhaus Private Equity gehörte zu den ersten Investoren des Zahlungsabwicklers Wirecard und der Devisenhandelsplattform 360T. Der Investmentfokus auf profitable Technologieunternehmen mit stark skalierbarem Geschäftsmodell soll auch in der neuen Struktur erhalten bleiben.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de