Der Private-Equity-Gigant sucht nach kleinen deutschen Mittelständlern.

Ingram Publishing/iStock/ThinkStock/Getty Images

20.01.17
Deals

Private-Equity-Riese Carlyle durchkämmt kleinen Mittelstand

Carlyle ist für Milliardendeals bekannt. Doch jetzt hat der Private-Equity-Gigant sich in die Mittelstandsholding KAP eingekauft. Carlyle und KAP schauen nun nach Zukaufszielen – und müssen Turnarounds auf den Weg bringen.

Deutsche Investorenkonferenz 2017

Private Equity fließt immer mehr Geld zu. Die Folge: Die Konkurrenz um Zukaufsziele wird schärfer. Das treibt Kaufpreise und Leverage-Grade in die Höhe und macht es den Private-Equity-Häusern damit immer schwerer, den Wert ihrer Beteiligungen über die Haltedauer hinweg zu steigern. Wie die Branche damit umgeht, diskutieren namhafte Fondsmanager auf der Deutschen Investorenkonferenz am 13. November in Frankfurt. Hier geht es zu Programm und Anmeldung »

Ankündigung zur 14. Deutschen Investorenkonferenz

Carlyle ist unter die Mittelstandsinvestoren gegangen. Im November vergangenen Jahres hat der Private-Equity-Riese den Ausstieg eines Altgesellschafters genutzt, um die Mehrheit an der Fuldaer Holding KAP Beteiligungs AG zu kaufen. Jetzt drängt Carlyle bei der 13 Firmen starken Holding auf weitere Zukäufe – und wahrscheinlich auch auf scharfe Restrukturierungen.

Für 53 Prozent der Aktien der KAP hat der Finanzinvestor nach FINANCE-Informationen 69 Millionen Euro bezahlt. Damit liegt der Preis für jeden der 6,62 Millionen Anteilsscheine bei 19,71 Euro – weniger als der Buchwert, der zum Ende des ersten Halbjahrs 2016 laut Geschäftsbericht 21,92 Euro betrug. Zum Eigenkapital kommen Schulden und Rückstellungen, die Carlyle übernehmen muss. Zum Ende des ersten Halbjahrs 2016 betrugen diese gut 177 Millionen Euro.

Carlyle hat den KAP-Aktionären ein Umtauschangebot gemacht. Der Finanzinvestor dürfte aber maximal an weitere 17 Prozent der Aktien kommen, weil Ankeraktionär und Aufsichtsratsmitglied Fried Möller die übrigen 30 Prozent über seine Beteiligungsgesellschaft hält und nach FINANCE-Informationen keinen Verkauf plant.

Carlyle „beobachtet deutsche Smallcaps schon lange“

„Wir beobachten deutsche Smallcaps schon seit geraumer Zeit“, sagt Ian Jackson, Co-Chef des auf Restrukturierungen und Sondersituationen konzentrierten Fonds Carlyle Strategic Partners, aus dessen vierter Generation KAP gekauft wurde. Der Deal habe es Carlyle „ermöglicht, in nur einer Transaktion ein relativ hohes Investment zu tätigen“, so Jackson weiter. Mit anderen Worten: Alle Firmen einzeln aufzusammeln, wäre zu teuer und mühsam gewesen.

Jetzt sucht Carlyle über die neue Tochter nach kleinen Mittelständlern. Der Investor habe mit KAP „eine gute Plattform für weitere Akquisitionen in diesem Bereich“, erklärt Jackson. Gelegenheiten gebe es in dem Bereich viele, sagt der Investmentmanager.

KAP-CEO geht mit Carlyle-Kapital auf die Suche nach Zukäufen

Er spielt damit auf den entscheidenden Vorzug des Smallcap-Segments an, der neben Neugründungen wie Beyond Capital Partners auch etablierte Midmarket-Häuser wie IK Investment anlockt: Die Bewertungen sind bei Firmen mit einem Enterprise Value von unter 50 Millionen Euro deutlich moderater als bei größeren Mittelständlern. Wächst die Beteiligung während der Haltezeit über diese Schwelle hinaus, bekommt der Finanzinvestor beim Verkauf fast schon automatisch ein höheres Multiple auf den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Zu dieser so genannten Multiple Expansion kommt bei einem erfolgreichen Investment die Tatsache, dass das Ebitda selbst steigt. Die Kombination der beiden Faktoren ermöglicht theoretisch Jahresrenditen, die im Midcap-Segment schwer zu erreichen sind.

Carlyle betrachtet die KAP-Holding nicht als Restrukturierungsfall. So kehrt der Finanzinvestor nicht auf Vorstandsebene aus, wie es in solchen Situationen üblich ist, sondern schickt den CEO auf die Jagd nach kleinen Mittelständlern – mit der Firepower eines der größten Private-Equity-Häuser weltweit. „Stefan Geyler und sein Management Team kennen sich sehr gut bei deutschen Smallcap-Unternehmen aus“, sagt Jackson. „Ich glaube, dass uns die Verbindung dieser Kenntnisse mit dem Kapital und der Expertise von Carlyle ermöglichen wird, attraktive Deals zu angemessenen Preisen zu finden“, kündigt Jackson an.

Carlyle muss bei KAP Turnarounds auf den Weg bringen

Auch wenn die KAP Holding selbst kein Turnaround-Fall ist – einige der Beteiligungen sind es durchaus. So etwa der Mittelständler Mehler Engineered Products aus Fulda, der Fäden und andere Konstruktionen herstellt, um Kautschuk zusammenzuhalten. Abnehmer sind  etwa Reifenhersteller. Die Restrukturierung von Mehler dauert länger als geplant, was KAP zuletzt die Umsatz- und Ertragsprognose gekostet hat.

Nach FINANCE-Informationen gibt es bei KAP neben Mehler Engineered Products noch zwei bis drei weitere Restrukturierungsfälle. Investmentmanager Ian Jackson ist ein ausgewiesener Turnaround- und Sanierungsexperte, das Thema hat er vor seiner Zeit bei Carlyle schon bei der Deutschen Bank bearbeitet. Zu erwarten ist, dass Jackson und sein Team die Umbauten bei den Underperformern im KAP-Portfolio rigoroser angehen, als die Fuldaer Holding es in der Vergangenheit in Eigenregie getan hat.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Carlyle steht vor dem gleichen Problem wie alle anderen Finanzinvestoren: Geld ist im Überfluss da, aber die Zukaufsziele sind deutlich teurer geworden. Lesen Sie alles über die Branche auf der Themenseite Private Equity.