Börsengänge sind in Deutschland nach wie vor ein schwieriges Geschäft. Trotz eigentlich idealer Rahmenbedingungen versuchen nur wenige Konzerne den Sprung aufs Parkett. Jetzt aber bricht das IPO-Eis auf. Als erstes  trauen sich PE-Investoren erfolgreiche IPOs zu.

Zalando

28.04.14
Deals

Rocket Internet, Zalando, Tele Columbus: Der deutsche IPO-Markt ist in Fahrt

Börsengänge sind in Deutschland nach wie vor ein schwieriges Geschäft. Trotz eigentlich idealer Rahmenbedingungen versuchen nur wenige Konzerne den Sprung aufs Parkett. 2014 gingen Technologieunternehmen wie Zalando, Rocket Internet und SLM Solutions an die Börse. Industrieunternehmen ziehen nach.

Der IPO-Knoten löst sich erst langsam. Trotz stabiler Kapitalmärkte, niedriger Zinsen und attraktiver Bewertungen an der Börse hat es  bis Ende April gedauert, bevor mit dem 3 D-Druckspezialisten SLM Solutions die erste reguläre Neuemission des Jahres an die Pforten der Börse klopfte. 180 Millionen Euro erlöste SLM Solutions und sammelte rund 75 Millionen Euro neues Eigenkapital ein, wie CFO Uwe Bögershausen, der bereits die Börsengänge von Aleo Solar und Derby Cycles begleitete, im Interview mit FINANCE bestätigte.

Börsengänge 2014: Das Eis bricht

Mit Triton hat bereits ein weiteres Private Equity-Haus den Börsengang für ein Portfoliounternehmen geschafft - für den PE-Investor eine Premiere. Der Koblenzer Hersteller von Gasfedern und hydraulischen Schwingungsdämpfern Stabilus ging am 23. Mai an die Börse - das Platzierungsvolumen liegt zwischen 227 und 261 Millionen Euro (Details in der Bildergalerie). Der Ausgabepreis lag mit 21,50 Euro pro Aktie in der Mitte der Preisspanne. Das Private Equity-Haus, das Post-IPO noch 41,3 Prozent hält, erzielte damit im ersten Schritt des Verkaufs bereits 196,4 Millionen Euro. Mit einem ersten Handelskurs von 22,75 Euro je Aktie startete Stabilus über Platzierungspreis in den Handel.

Schon wenige Tage vor SLM Solutions sind Ende April die Aktien der österreichischen Wohnungsgesellschaft Buwog in den Handel gekommen, einer Tochter der österreichischen Immofinanz – allerdings nicht im Wege einer klassischen Neuemission, sondern im Wege einer  Konzernabspaltung (Spin-off), so wie Siemens im vergangenen Jahr auch Osram an die Börse gebracht hatte.

Ende Juni vollzog der Luxemburger Dachpfannen- und Schornsteinhersteller Braas Monier seinen Börsengang. Das Unternehmen, das den PE-Investoren Apollo, Tower Brook und York Capital gehört, musste sich allerdings mit weniger Ertrag zufrieden geben als erhofft (mehr dazu in der Bildergalerie).

Anfang Oktober sorgte Rocket Internet für den größten deutschen Börsengang des Jahres und sammelte bis zu 1,6 Milliarden Euro ein. Der Emissionskurs lag bei 42,50 Euro und damit am oberen Ende der Preisspanne. Die Marktkapitalisierung lag bei Börsenbeginn bei 6,7 Milliarden Euro (Details in der Bildergalerie).

Auch Zalando geht an die Börse

Nach monatelangen Gerüchten der Berliner Modeversender Zalando an die Börse gegangen. An der Frankfurter Börse konnte Zalando  durch einen Ausgabepreis von 21,50 Euro insgesamt einen Erlös von 605 Millionen Euro erzielen. Sowohl der Erlös, als auch der Aktienkurs lagen dabei unter den Erwartungen. Zum Konsortialkreis gehörten die Schweizer Großbank Credit Suisse sowie Morgan Stanley und Goldman Sachs.

Hella kündigt Börsengang an

Vor wenigen Wochen zeigte sich Hella noch „überrascht“ von IPO-Gerüchten, aber jetzt wagt sich der Leuchtenhersteller doch auf das Parkett. Nachdem CFO Wolfgang Ollig bereits mehr als 1 Milliarde Euro über Anleihen eingesammelt hat, soll nun das Eigenkapital gestärkt werden. Der erste Handelstag ist bereits für den 11. November geplant. Mit dem Erlös will das Unternehmen stärker ins Ausland expandieren.

Spekulationen über weitere IPO-Kandidaten

Über weitere Börsenkandidaten wird am Kapitalmarkt wie immer munter spekuliert – wie realistisch und konkret die Pläne sind, hängt aber nicht nur vom Willen der Eigentümer und Emittenten, sondern auch von der Entwicklung der Aktienmärkte in den nächsten Wochen bis zur Sommerpause ab.

Kolportiert, aber noch nicht offiziell ist der Plan von Axel Springer für einen IPO seiner Digitalsparte. Bei der Parfümeriekette Douglas kursieren ebenfalls schon seit Monaten Gerüchte über einen Börsengang. Angeblich will der PE-Investor und Mehrheitseigentümer Advent das Unternehmen jetzt im kommenden Jahr an die Börse bringen.

Auch der österreichische Verpackungsspezialist Constantia Flexibles, der seinen für 2013 geplanten Börsengang auf der Ziellinie wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen absagen musste, gilt 2014 noch als ein Kandidat für einen möglichen zweiten Versuch. Allerdings hat das Unternehmen Ende August bereits die Erwartungen gedämpft. Gegenüber der Nachrichtenagentur APA sprach CEO Thomas Unger von dem IPO lediglich als „eine Option“. Derzeit steht es laut Unger „Kopf an Kopf“ zwischen den beiden Optionen Going-public versus anderer Finanzinvestor.

Wie viele IPOs das Jahr 2014 in Frankfurt insgesamt bringen könnte, ist eine spannende Frage: EY rechnet mit bis zu fünfzehn Börsengängen. Patrick Weiden, Leiter ECM und DCM beim Bankhaus Lampe hält diese Prognose für etwas zu hoch: „Wir sind für das Jahr 2014 ebenfalls optimistisch, rechnen aber mit fünf bis zehn Börsengängen“, sagte er zu FINANCE.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de