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Getec-Verkauf: JP Morgan sticht KKR und Blackstone aus

EQT Infrastructure reicht den Magdeburger Energiedienstleister Getec an den nächsten Finanzinvestor. Foto: Epstudio20 - stock.adobe.com
EQT Infrastructure reicht den Magdeburger Energiedienstleister Getec an den nächsten Finanzinvestor. Foto: Epstudio20 - stock.adobe.com

EQT hat einen Käufer für Getec gefunden: Wie der Finanzinvestor mitteilte, veräußert er den Magdeburger Energiedienstleister an IFF, den Infrastrukturarm von JP Morgan. Auch GEH, die Familienholding des Unternehmensgründers Karl Gerhold, trennt sich von ihren Anteilen. Auf EQT entfallen 75 Prozent der Anteile, Gerhold hält die restlichen 25 Prozent. Die Behörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Mit dem Closing rechnet EQT zum Ende des ersten Quartals 2022.

EQT hatte den Verkauf von Getec im März dieses Jahres eingeleitet und dafür die Investmentbank Morgan Stanley mandatiert, berichtete damals die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf mit der Sache vertraute Personen. JP Morgan musste sich bei dem Deal gegen namhafte Konkurrenz durchsetzen: Auch die Finanzinvestoren KKR und Blackstone sowie ein Konsortium um die beiden Pensionsfonds Omers und PGGM sollen Interesse an Getec gehabt und es im M&A-Prozess sogar in die nächste Runde geschafft haben. Das berichtete das „Handelsblatt“ Ende Oktober.

EQT erzielt bei Getec-Verkauf höheres Multiple

Die Bewertung ist beim aktuellen Verkauf nun noch höher ausgefallen als bislang angenommen: Wie verschiedene Medien vor wenigen Wochen berichteten, könnte Getec bei einem Verkauf mit dem Zwanzigfachen des Ebitdas von rund 200 Millionen Euro bewertet werden – das wären etwa 4 Milliarden Euro inklusive Schulden. Wie FINANCE aus Finanzkreisen erfahren hat, liegt die tatsächliche Bewertung beim aktuellen Verkauf aber über dieser Summe.

Was für die hohe Bewertung spricht: Die Ebitda-Margen in der Branche liegen oft im zweistelligen Bereich, besonders bei gut ausgelasteten Geschäften. Unternehmen in dem Segment sind also extrem profitabel. Wie das „Handelsblatt“ heute schreibt, erzielt Getec bei einem Betriebsergebnis (Ebitda) von rund 230 Millionen Euro eine Ebitda-Marge von 15 Prozent.

Zweistellige Multiples beim Weiterverkauf sind daher nicht unüblich. Kleinere, regionale Anbieter in der Heizungsbranche werden aber auch noch für einstellige Multiples gehandelt. In dieser Größenordnung könnte sich Getec beim Einstieg von EQT befunden haben. Details darüber sind jedoch nicht bekannt.

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EQT war 2017 bei Getec eingestiegen

EQT war im Jahr 2017 bei den Magdeburgern eingestiegen, die ursprünglich auf Wärmelösungen für die Wohnungswirtschaft spezialisiert waren. Das Unternehmen entwickelte sich aber stetig weiter und bot immer mehr Leistungen an, darunter Energielösungen für den Industriebereich sowie Energiehandel und grüne Energielösungen. Getec stellt außerdem Netzwerk- und Telekommunikationsdienstleistungen bereit. Gegründet wurde das Unternehmen 1993.

Nach dem Einstieg installierte EQT ein neues Management um CEO Thomas Wagner und CFO Heiko Laubheimer. Seitdem hat Getec nach Angaben von EQT den Vertrieb und das operative Geschäft optimiert, das Anlagenportfolio digitalisiert sowie nachhaltige Energielösungen entwickelt.

Auch M&A war ein Teil der Wachstumsstrategie: So hat Getec sechs größere Add-on-Transaktionen in Europa getätigt, darunter die Übernahme des Energie-Contracting-Spezialisten Apleona Efficiency von Apleona. Dadurch konnten die Magdeburger laut EQT die Marktanteile in der Schweiz, in Italien sowie in den Niederlanden ausbauen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 2.200 Mitarbeiter in neun europäischen Ländern. Während der Halteperiode von EQT haben sich der Umsatz und die Vermögenswerte „mehr als verdoppelt“, die Mitarbeiterzahl habe sich verdreifacht, so Getec-CEO Thomas Wagner.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.