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Rodenstock macht erstes Add-on in Spanien

Erster Deal unter neuer Private-Equity-Eigentümerschaft: Rodenstock kauft den spanische Brillenglashersteller Indo Optical. Foto: Wirestock - stock.adobe.com
Erster Deal unter neuer Private-Equity-Eigentümerschaft: Rodenstock kauft den spanische Brillenglashersteller Indo Optical. Foto: Wirestock - stock.adobe.com

Apax Partners kauft das erste Add-on für den Brillenglashersteller Rodenstock nach der Übernahme im März 2021: Indo Optical, ein spanischer Hersteller von Korrektionsbrillengläsern, geht an das Private-Equity-Portfoliounternehmen. Das gab Rodenstock am heutigen Donnerstagvormittag bekannt. Verkäufer des Mehrheitsanteils ist der Finanzinvestor Ergon Capital.

Auch die Minderheitseigner Sherpa Capital und Oquendo Capital veräußern ihre Anteile, berichtet das Branchenportal „Private Equity Wire“. Dem Bericht zufolge hat das Indo-Management im Rahmen der Transaktion in Rodenstock investiert. Den M&A-Deal wollen Apax und Rodenstock im dritten Quartal dieses Jahres abschließen. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Houlihan Lokey beriet Ergon beim Verkauf. Rodenstock erhielt Unterstützung von PwC, WTS, BCG und Uría Menendez.

Rodenstock: Indo Optical wächst „stark und nachhaltig“

Indo Optical wurde im Jahr 1937 gegründet und beschäftigt heute nach eigenen Angaben 440 Mitarbeiter in Spanien, Portugal, Marokko und Frankreich. Die beiden Hauptproduktionsstätten befinden sich in Barcelona und in der marokkanischen Hafenstadt Tanger. Die Spanier sind auf die Herstellung hochmoderner Brillengläser spezialisiert und bieten dazu individuellen Service für die Kunden an. Zudem vertreibt Indo Optical Diagnosegeräte und optische Instrumente für Optiker und Augenärzte.

Dabei setzt das Unternehmen auf eine „enge Partnerschaft“ mit unabhängigen Optikern. Die Spanier sind laut Rodenstock Marktführer in Marokko und haben in Spanien den drittgrößten Marktanteil. In den vergangenen Jahren hat Indo Optical „ein starkes, nachhaltiges Wachstum verzeichnet“ und gewann während der Corona-Pandemie sogar Marktanteile in Spanien hinzu, betont Rodenstock.

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Rodenstock bewertet Indo Optical mit bis zu 200 Millionen Euro

Finanzielle Transaktionsdetails gab Rodenstock nicht bekannt. Nach FINANCE-Informationen wurde Indo Optical bei dem Deal mit 150 bis 200 Millionen Euro bewertet, der Umsatz betrug im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Euro. Daraus errechnet sich ein Umsatz-Multiple zwischen 3x bis 4x – eine stattliche Bewertung, die jedoch das starke Wachstumspotential von Indo Optical einpreisen dürfte.

Was Rodenstock mit Indo Optical plant, steht schon fest: Die Münchener haben sich zum Ziel gesetzt, ihre globale Präsenz auszubauen. Die aktuelle Transaktion soll in dieses Ziel einzahlen, zudem wollen die Münchener neue Kunden erreichen. Auch will Rodenstock Cross-Selling-Potentiale sowie Deal-Synergien heben. Darüber hinaus erhoffen sich Apax und Rodenstock eine Verbesserung der Margen im Brillenglasgeschäft.

Großes Wachstumspotential sieht Rodenstock vor allem im marokkanischen Markt, hier erwarten die Münchener eine jährliche Wachstumsrate von rund 10 Prozent zwischen 2022 und 2027. An diesem Wachstum will Rodenstock mit Indo Optical teilhaben. Etwas geringere, aber dennoch hohe Wachstumsraten prognostiziert Rodenstock für den europäischen Markt, und dort speziell in Spanien und Portugal. Dies sind auch die Kernmärkte von Indo Optical.

Private Equity findet Optiker interessant

Indo Optical und der neue Eigentümer Rodenstock teilen eine Eigenschaft: Beide Unternehmen befinden sich seit vielen Jahren in Private-Equity-Hand. Für Rodenstock ist Apax der vierte Private-Equity-Eigentümer, nach Stationen in den Portfolios von Permira, Bridgepoint und zuletzt Compass Partners. Insgesamt blickt Rodenstock auf 20 Jahre mit einem Finanzinvestor als Hauptaktionär. Bevor Indo Optical im Juni 2018 von Ergon Capital übernommen wurde, gehörte die Firma den beiden Finanzinvestoren Sherpa Capital und Oquendo Capital. Sherpa Capital wiederum hatte Indo Optical 2013 aus der Insolvenz herausgekauft.

Neben Apax Partners haben auch andere Private-Equity-Investoren das Optik-Segment für sich entdeckt. So schmiedet Beyond Capital Partners derzeit eine neue Optikerkette. BCP ist allerdings – anders als der Largecap-Investor Apax – im Small- bis Midcap-Segment unterwegs. Rodenstock ist zudem nicht der einzige deutsche Brillenhersteller, der in Spanien aktiv ist. Fielmann kaufte im Jahr 2020 80 Prozent der spanischen Optikerkette Optica & Audiologia Universitaria für 185 Millionen Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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