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Verliert Aurelius Hanseyachts?

Yachtenbauer im Krisenmodus: Hanseyachts, ein Portfoliounternehmen von Aurelius, muss seine Gewinnprognose kassieren. Foto: Mike Higginson – stock.adobe.com
Yachtenbauer im Krisenmodus: Hanseyachts, ein Portfoliounternehmen von Aurelius, muss seine Gewinnprognose kassieren. Foto: Mike Higginson – stock.adobe.com

Kaum ein halbes Jahr nach der vorangegangenen Gewinnwarnung muss Hanseyachts schon wieder die Prognose kassieren: Wie der Yachtenhersteller Ende März mitteilte, erwartet er für das laufende Geschäftsjahr, das von Juli bis Juni läuft, zwar einen „deutlich“ höheren Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr. Jedoch rechnet Hanseyachts mit einem negativen Konzern-Ebitda im höheren einstelligen Millionenbereich und sogar mit einem niedrig zweistelligen Jahresfehlbetrag.

Das ist nicht nur weit schlechter als geplant (minus 2,3 Millionen Euro) – die Zahlen sind auch noch roter als im Coronajahr, als Hanseyachts unter dem Strich bei einem Umsatz von 121 Millionen Euro ein Minus von 9 Millionen Euro bilanzierte. Das sind keine guten Aussichten für den Yachtenbauer und seinen Private-Equity-Gesellschafter Aurelius, der Hanseyachts schon seit August 2011 und damit ungewöhnlich lange im Portfolio hält. Muss der Turnaround-Investor jetzt um sein Portfoliounternehmen bangen?

Corona und Ukraine-Krieg lasten auf Hanseyachts

Als Gründe für das Kassieren der Prognose nennt Hanseyachts zwei Klassiker: die Coronakrise und den Ukraine-Krieg. Am Standort Greifswald verzeichnete das Unternehmen nach eigener Aussage zwischenzeitlich hohe Corona-Inzidenzen in der Belegschaft, was die Herstellung der Boote verzögerte.

Zudem sind die Lieferketten dem Unternehmen zufolge durch den Krieg „zunehmend gestört“ und steigende Fracht-,  Rohstoff- und Energiepreise „bereits jetzt erheblich negativ spürbar“. Einige Lieferanten hätten Preiserhöhungen angekündigt. Zu allem Überfluss wurden auch noch einige ukrainische Mitarbeiter am Standort in Polen zum Militär eingezogen. Auch das verlangsamt die Produktion.

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Hanseyachts-CFO Göbel: „Derzeit kein Nachfinanzierungsanlass“

Und die Bilanz des Schiffbauers ist angespannt. Die Finanzschulden beliefen sich zum Halbjahr 2021/22 auf 27,9 Millionen Euro, nach 28,9 Millionen Euro zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres. Demgegenüber standen flüssige Mittel über rund 11,4 Millionen Euro. Damit erscheint die Liquidität als ausreichend, aber selbst wenn Hanseyachts in absehbarer Zeit wieder in die Gewinnzone zurückkehren würde, wären Nettoschulden von über 15 Millionen Euro recht viel für ein Unternehmen, das seit fast einem Jahrzehnt geschäftlich immer wieder in tiefe Täler segelt.

Doch das Management beschwichtigt. Auf Nachfrage von FINANCE teilte CFO Sven Göbel mit, dass derzeit kein Anlass für eine Re- oder Nachfinanzierung durch Aurelius besteht. Hanseyachts habe zu Beginn der Coronakrise eine internationale Finanzierungslinie über 18,7 Millionen Euro ausgehandelt, deren deutscher Teil zusätzlich mit einer Bürgschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern besichert wurde.

Die Linie, die nur noch eineinhalb Jahre läuft, sei nur zum Teil beansprucht, zu welchem Anteil, gab Hanseyachts auf Nachfrage nicht bekannt. Mit dem Kapital finanziert der Yachtenhersteller den „temporär stark aufgebauten Lagerbestand“, so Göbel. Weil derzeit bedingt durch Lieferschwierigkeiten einige kritische Bauteile noch nicht in den Werften eingetroffen sind, können die Yachten zum Teil nicht fertiggestellt werden. Das verzögert wiederum die Auslieferung und in der Folge auch die Bezahlung der Boote.

Hanseyachts hält Liquiditätspolster für ausreichend

Aus Sicht der Greifswalder ist das ein kurzfristiges Problem. „Der Lagerbestand wird sich nach der Lösung der aktuellen Supply-Chain-Probleme wieder normalisieren, und das derzeit dort gebundene Kapital wird wieder freigesetzt“, hofft Finanzchef Göbel, und ergänzt: „Wenn sich die Liefersituation wieder entspannt, wird Hanseyachts auch sehr schnell wieder profitabel.“ Dazu sollen auch Preiserhöhungen von im Schnitt 33 Prozent beitragen, die für Auslieferungen ab 2024 gelten sollen.

„Wir warten ungeduldig auf die Normalisierung der Märkte.“

Sven Göbel, CFO von Hanseyachts

Obwohl das noch mindestens zwei Jahre hin ist, rechnet Hanseyachts damit, dass das bestehende Liquiditätspolster „für den Rest des Jahres und darüber hinaus“ ausreicht und daher keine weiteren Liquiditätsschwierigkeiten entstehen werden. „Wir warten ungeduldig auf die Normalisierung der Märkte“, gibt sich CFO Göbel optimistisch. Er betont, dass das Unternehmen für die nächsten zwei Jahre „ausverkauft“ sei.

Private-Equity-Investor Aurelius hält sich zurück

Zu der Lage bei Hanseyachts wollte sich Aurelius auf FINANCE-Anfrage nur allgemein äußern: „Die operative Verantwortung liegt hier beim Hanseyachts-Management“, lässt der Private-Equity-Investor ausrichten. Aurelius begleite das Unternehmen lediglich als „langfristiger, verantwortungsvoller Gesellschafter“. Dazu gehöre zwar auch ein „enger Austausch mit der Unternehmensführung“. Einen konkreten Eingriff hält Aurelius derzeit aber offenbar nicht für notwendig.

Ob Hanseyachts frisches Kapital von seinem Gesellschafter braucht, entscheidet Aurelius nach eigener Aussage „anlassbezogen“. Sollten sich die Engpässe bei der Auslieferung der Boote nicht zeitnah legen, könnte in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich Finanzierungsbedarf entstehen, da die entscheidende Kreditlinie des Unternehmens 2023 ausläuft.

Ein Verkaufskandidat ist Hanseyachts in diesem Zustand wahrscheinlich nicht. Vielmehr dürfte Aurelius darauf setzen, dass in einigen Quartalen die Umsätze und Cashflows wieder anziehen und mittelfristig dann auch die starken Preiserhöhungen greifen werden. Spätestens dann aber dürften sich die Investmentmanager Gedanken um einen Exit machen, denn valide M&A-Fenster haben sich seit dem Einstieg bei Hanseyachts vor elf Jahren immer nur für kurze Zeit geöffnet.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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