Schon wieder gibt es neue Entwicklungen in der Bilanzaffäre rund um den Düsseldorfer Konzern Gerresheimer: Wie der Verpackungshersteller am gestrigen Dienstagabend in einer Pflichtmitteilung bekannt gab, muss die Veröffentlichung des Jahres- und des Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2025 in Absprache mit dem Abschlussprüfer KPMG von Ende März auf voraussichtlich Juni 2026 verschoben werden – mit wohlmöglich weitreichenden Konsequenzen.
So müssen in der Folge nicht nur die für April geplante Quartalsmitteilung und die für Juni angesetzte Hauptversammlung ebenfalls verschoben werden, sondern der Gerresheimer-Aktie droht gleichzeitig der Ausschluss aus dem SDax.
Und damit nicht genug. Auch die Finanzierung des Verpackungsherstellers scheint durch die verspätete Bilanzveröffentlichung unter Druck zu geraten. Wie Gerresheimer in der Ad-hoc-Mitteilung bekannt gab, haben die Düsseldorfer bereits Gespräche mit ihren Kreditgebern aufgenommen, um eine Verlängerung der in den Finanzierungsverträgen festgelegten Vorlagepflichten des testierten Jahres- und Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2025 zu vereinbaren.
Verzögerung kündigte sich bereits an
Dass es zu einer Verschiebung des Jahresabschlusses des Verpackungsherstellers kommen würde, zeichnete sich bereits vor knapp einem Monat ab. Nachdem Gerresheimer erstmals im September 2025 aufgrund der falschen Buchung von Bill-and-Hold-Umsätzen ins Visier der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geraten war, sahen sich die Düsseldorfer nach weiteren Entdeckungen schon Anfang Februar gezwungen, die Verschiebung des Jahres- und Konzernabschlusses für 2025 auf unbestimmte Zeit anzukündigen und dem bis dahin einzigen Wirtschaftsprüfer KPMG einen weiteren Prüfer an die Seite zu stellen.
Wie Gerresheimer gegenüber FINANCE mitteilte, handelt es sich bei dem zweiten Prüfer um das Next-Seven-Haus Grant Thornton und bei der Untersuchung um eine forensische Prüfung. Diese geht weiter als eine gewöhnliche Abschlussprüfung und deutet auf ernsthafte Bedenken bezüglich der finanziellen Integrität oder der Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften hin.
In der nun offiziellen Ad-hoc-Mitteilung zur verspäteten Veröffentlichung der Bilanz heißt es als Begründung, „die derzeit laufenden Untersuchungen einer zweiten externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Blick auf Geschäftsvorgänge im Geschäftsjahr 2024 und 2025 und die Aufbereitung für die Abschlussprüfung erforderlichen Unterlagen“ würden länger als erwartet dauern.
Bafin weitet Prüfung aus
Und nicht nur die Prüfung durch den zweiten Wirtschaftsprüfer dürfte die Veröffentlichung des Jahresabschlusses verzögern. Denn wie vor rund zwei Wochen bekannt, und am gestrigen Dienstag offiziell bestätigt wurde, weitet auch die Bafin ihre Prüfung aus. Die im vergangenen Herbst eingeleitete Prüfung des Konzernabschlusses und des zugehörigen Konzernlageberichts für das Geschäftsjahr 2023/2024 wird demnach um den Halbjahresbericht des Geschäftsjahres 2024/2025 erweitert.
Damit spitzt sich die Lage um Gerresheimer immer weiter zu. FINANCE-Informationen zufolge vermutet Gerresheimer inzwischen sogar, dass die Bilanzfehler „teilweise bewusst“ geschehen sein könnten.
Lea Teckentrup ist Redakteurin bei DerTreasurer und FINANCE. Zuvor arbeitete sie als Wirtschaftsjuristin im Bereich Debt Capital Markets in einer internationalen Großkanzlei. Sie hat Wirtschaftsrecht im Bachelor und im Master an der Universität Osnabrück sowie an der Universität Siegen studiert.
