Grohes China-Tochter Joyou ist Pleite. Für das China-Geschäft bedeutet dies einen herben Rückschlag.

Grohe

22.05.15
Finanzabteilung

Joyou ist pleite, Vorstände sollen büßen

Es ist gekommen wie befürchtet: Nach einem schweren Bilanzskandal ist die chinesische Grohe-Tochter Joyou überschuldet und damit pleite. Jetzt geht es dem Vorstand an den Kragen.

Nachdem der chinesische Badausrüster Joyou am späten Mittwochabend angekündigt hatte, die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu prüfen, herrscht nur einen Tag später Gewissheit: Nicht einmal einen Monat, nachdem der Bilanzskandal um die chinesische Grohe-Tochter Joyou bekannt wurde, reicht die Unternehmensführung beim Amtsgericht Hamburg den Antrag zur Insolvenzeröffnung ein. Verantwortlich für den Insolvenzantrag sei die Vollabschreibung auf die Beteiligung der Joyou Hong Kong. Doch in dieser Gesellschaft, wo offenbar das Epizentrum des Bilanzskandals liegt, hat die Grohe-Tochter noch viel höhere Summen im Feuer: Joyou garantiert mit 300 Millionen US-Dollar für Kredite der Joyou Hong Kong. Beides in Kombination habe zur Überschuldung geführt.

Auch die Wirtschaftsprüfer von Warth & Klein Grant Thornton sehen sich offenbar getäuscht, die WP-Gesellschaft hat  den erteilten Bestätigungsvermerk des Jahres- und Konzernabschlusses 2014 widerrufen. Konsequenz: Der Aufsichtsrat hat die beiden Joyou-Vorstände Jianshe Cai und Jilin Cai mit sofortiger Wirkung von ihrem Posten enthoben, nachdem diese ihre Ämter seit dem Auftauchen der Bilanzunregelmäßigkeiten Anfang Mai bereits ruhen lassen mussten.

Joyou-Skandal schwerer Rückschlag für Grohe in China

Der Aufsichtsrat plant nun „umfassende rechtliche Schritte“ gegen Jianshe und Jilin Cai einzuleiten. Auch dies spricht für die Vermutung mancher Marktbeobachter wie etwa der Analysten von Equinet, dass es sich bei der für das Jahr 2014 deutlich zu positiv dargestellten Vermögens-, Finanz- und Ertragslage nicht um eine geringfügige Manipulation, sondern um einen echten Finanzbetrug handeln dürfte.

Für den deutschen Grohe-Konzern, der 72 Prozent der Joyou-Anteile hält, ist damit ein Verlust in der Größenordnung von rund 200 Millionen Euro kaum mehr abzuwenden. Doch nicht nur finanziell, auch strategisch dürfte die Implosion von Joyou ein schwerer Rückschlag für Grohes China-Geschäft sein. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme kurzfristig nicht zu erreichen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Nicht nur bei Joyou geht es drunter und drüber. Noch mehr Skandale aus dem Reich der Mitte, die deutsche Investoren treffen, finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu China-Aktien.