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Lanxess muss mehr als eine halbe Milliarde Euro abschreiben

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Der Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess korrigiert Firmenwerte. Auch bei der Minderheitsbeteiligung Envalior werden Wertanpassungen fällig. Foto: Lanxess
Der Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess korrigiert Firmenwerte. Auch bei der Minderheitsbeteiligung Envalior werden Wertanpassungen fällig. Foto: Lanxess

Der Spezialchemiekonzern Lanxess kämpft mit der Nachfrageschwäche in der chemischen Industrie. Im abgelaufenen Geschäftsjahr müssen die Kölner voraussichtlich insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euro abschreiben. Betroffen sind Firmenwerte von Zukäufen sowie die Minderheitsbeteiligung am Kunststoff-Joint-Venture Envalior.

Schwache Nachfrage dämpft Geschäft von Lanxess

Bei den Lanxess-Einheiten „Flavors & Fragrances“ sowie „Polymer Additives“ wird demnach eine Wertminderung in Höhe von 413 Millionen Euro auf den Goodwill fällig, der im Rahmen von Zukäufen entstanden war. Begründet wird das mit einer schwächeren Nachfrage als erwartet. Diese soll auch im aktuellen Jahr 2024 anhalten. Genauer begründet Lanxess die Abschreibung nicht, der Jefferies-Analyst Chris Counihan geht jedoch davon aus, dass diese auf die Übernahme von IFF im Jahr 2021 für rund 1 Milliarde Euro zurückzuführen ist.

Lanxess hatte bereits im November einen unerwartet schwachen Start ins vierte Quartal 2023 gemeldet. Zusätzlich, so hieß es damals, belasteten ein beginnender Lagerabbau bei Agrar-Kunden und lieferantenbedingte Produktionseinschränkungen bei „Flavors & Fragrances“ am Standort in Botlek (Niederlande) das Unternehmen. Die Prognose für den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) vor Sondereinflüssen für 2023 wurde damals bereits auf 500 bis 550 Millionen Euro heruntergeschraubt. Zuvor lautete die Prognose 600 bis 650 Millionen Euro.

Wertminderung beim Joint Venture Envalior

Zudem wird beim Kunststoff-Joint-Venture Envalior, an dem Lanxess 40,94 Prozent hält, eine materielle Wertminderung fällig. Diese werde sich, so Lanxess, „aller Voraussicht nach auf einen niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belaufen“.

Envalior war im April 2023 durch die Zusammenlegung von Lanxess High Performance Materials mit DSM Engineering Materials entstanden. Bereits im dritten Quartal 2023 hatte Lanxess den Wert von Envalior in seinen Büchern auf rund 1,06 Milliarden Euro gesenkt. Zum Ende des zweiten Quartals waren es noch 1,14 Milliarden Euro gewesen.

Analysten rechnen mit Verlust bei Lanxess

Die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr veröffentlicht Lanxess am 14. März. Die Wertminderungen seien nicht zahlungswirksam und hätten keine Auswirkungen auf das Ebitda vor Sondereinflüssen, betont der Chemiekonzern. Das Ebitda vor Sondereinflüssen werde sich voraussichtlich im Rahmen der Analystenerwartungen bewegen, die im Schnitt bei 510 Millionen Euro liegen und damit am unteren Ende der aktuellen Guidance.

Auch wenn durch die Abschreibungen kein Cash abfließt, dürfte sich im fortgeführten Geschäft für 2023 ein hoher Verlust ergeben, vermuten Analysten. Immerhin: Die Eigenkapitalquote von Lanxess ist mit 53,2 Prozent zum Ende des dritten Quartals auf einem soliden Niveau.

Aktienkurs von Lanxess gerät unter Druck

Die Aktionäre reagierten daher verschnupft – womöglich auch angesichts des weiterhin hohen Schuldenbergs von Lanxess über 2,5 Milliarden Euro zum Ende des dritten Quartals 2023: Der Aktienkurs von Lanxess rutschte am heutigen Mittwochmorgen zwischenzeitlich bis auf rund 23 Euro ab. Das ist ein Minus mehr als 4,5 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag von 24,11 Euro. Bitter: Innerhalb eines Jahres hat die Lanxess-Aktie bereits fast die Hälfte ihres Wertes vernichtet.

Insgesamt sind es also keine leichten Zeiten für den neuen Finanzchef Oliver Stratmann, der den CFO-Posten bei Lanxess erst seit einem halben Jahr innehat. Geerbt hatte er ihn von Michael Pontzen, den es zu dem niederländischen Carlyle-Investment Nobian gezogen hatte. Immerhin kennt Stratmann das Unternehmen und dessen Finanzen seit 20 Jahren: Über die Jahre hatte der Diplom-Kaufmann diverse Führungspositionen in der Finanzabteilung von Lanxess inne, ab 2015 war er Head of Treasury & Investor Relations.

Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.