Der neue Standard für Leasingbilanzierung würde vor allem die Unternehmen treffen, die ganze Flotten leasen.

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23.03.15
Finanzabteilung

Leasing-Bilanzierung: Das Ende des Off-Balance

Nach der großen Kritikwelle hat der Standardsetzer IASB den Entwurf zur Leasingbilanzierung überarbeitet. Die Zeiten von Off-Balance sind weitgehend vorbei.

Der neue Standard zur Leasingbilanzierung ist in greifbarer Nähe. Seit fast zehn Jahren haben Standardsetzer, Leasinggeber und Leasingnehmer jetzt schon über die neue Ausgestaltung diskutiert. Da es um grundlegende Sachverhalte geht, die die Branche im Kern treffen, wurde die Diskussion mitunter sehr emotional geführt – besonders der Standardsetzers IASB sah sich nach den bisherigen Entwürfe immer wieder harscher Kritik ausgesetzt. Geht das Papier nach dem derzeitigen Stand der Dinge durch, sieht es im Vergleich zum letzten Entwurf aus dem Jahr 2013 einige Erleichterungen vor.

Doch im Vergleich zur derzeitigen Bilanzierung nach IAS 17 würde der neue Standard eine deutliche Verschlechterung für Leasingnehmer mit sich bringen. „Die Verpflichtungen aus dem Leasing können nicht mehr bilanzneutral behandelt werden, sondern müssen in die Bilanz – da führt kein Weg mehr dran vorbei“, erklärt Wolfgang Laubach, Wirtschaftsprüfer bei KPMG, den größten Einschnitt. Denn bisher sah die Lage so aus: Abhängig davon, ob es sich um ein Finanzierungsleasing oder ein Operating-Leasing handelte, tauchte das Leasingobjekt in der Bilanz auf – oder eben nicht.

Verschuldung steigt, Eigenkapitalquote sinkt

Das Finanzierungsleasing, das eher den Charakter eines „Kaufs“ hatte, musste als Vermögenswert in den Aktiva und als Leasingverbindlichkeit in den Passiva auftauchen. Das Operating-Leasing hingegen, das eher einer „Miete“ glich, galt als schwebendes Geschäft und tauchte daher in der Bilanz gar nicht auf. Diese Unterscheidung soll es jetzt nicht mehr geben – und das ist für viele Leasingnehmer problematisch, denn bei dem überwiegenden Teil der Verträge handelte es sich um Operating Leasing, so Laubach. Und das betrifft fast alle Unternehmen: Vom Einzelhändler, der eine Immobilie mietet, über die große Fluggesellschaft, die Flotten mietet, oder ein Unternehmen, das so die IT mietet.  

Das Problem: Wenn künftig Verpflichtungen aus Leasingverhältnissen in der Bilanz ausgewiesen werden müssen, wird die Verschuldung steigen, erklärt Marijan Nemet, Wirtschaftsprüfer bei Deloitte. „Dadurch wird letztendlich die Eigenkapitalquote sinken, das kann die Covenants gefährden und die Refinanzierung erschweren“, so Nemet.

Immerhin: Es gibt auch positive Effekte in der GuV, denn dadurch, dass in Folge der Tilgung der Zinsaufwand sinkt, verbessern sich Ebit und Ebitda. Welcher dieser Effekte überwiegt, hängt von mehreren Faktoren wie dem Geschäftsmodell ab.

Immerhin: Es gibt Ausnahmen

Doch der neue Entwurf sieht auch Erleichterungen vor: Zum einen müssen Leasingverhältnisse, die weniger als zwölf Monaten dauern, nicht in die Bilanz. Das haben die Kritiker durchgesetzt, da Kosten und Nutzen sonst nicht im Verhältnis zueinander gestanden hätten. Und es gibt sogenannte Small-Ticket-Leases: Bei kleineren Objekten wie beispielsweise PCs müssen Unternehmen nicht jeden einzelnen Vertrag prüfen und bilanzieren, sondern können sie in einem Portfolio zusammenfassen, erklärt Leasingspezialist Nemet von Deloitte. Und auch die Leasing-Geber können mit dem überarbeiteten Entwurf aufatmen: Gegenüber der bisherigen Bilanzierung ist die Umsetzung machbar.

Die Änderungen treffen besonders die Leasingbranche, in der sich ohnehin seit Jahren eine Konsolidierung vollzieht. Das Leasing-Geschäft dürfte nach den Neuerungen für viele Unternehmen nicht mehr so attraktiv sein. „Immerhin hat die Branche davon gelebt, dass Verpflichtungen nicht zwingend in der Bilanz angesetzt werden mussten“, gibt Wolfgang Laubach von KPMG zu bedenken. Und auch die attraktive Möglichkeit von Sale-und-Lease-Back, die ebenfalls bilanzneutral behandelt wurde, fällt jetzt weg.

Die Branche muss jetzt umdenken

Die Branche wird sich daher etwas Neues einfallen lassen müssen. Spielraum gebe es beispielsweise bei der Frage, wie viel in der Bilanz abgebildet werden muss. Denn je nachdem, wie lange ein Vertrag läuft oder ob es um fixe beziehungsweise variable Zinszahlungen handelt, könnten die Verpflichtungen unterschiedlich hoch angegeben werden. „Da ist sicher noch Strukturierungspotential“, glaubt Laubach.

Und es gibt auch offene Fragen: Diese ergeben sich zum Beispiel durch eine unklare Abgrenzung zwischen Leasing- und Service-Verträgen. Letztere werden nicht in der Bilanz als Verbindlichkeit erfasst. „So gesehen haben sich Abgrenzungsschwierigkeiten nur verlagert: Hatte man vorher die Wahl zwischen Finanzierungs- und Operating-Leasing, besteht jetzt die Unterscheidungsschwierigkeit zwischen Service und Leasing“, sagt Marijan Nemet von Deloitte.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Seit 2006 wird über einen neuen Bilanzierungsstandard für Leasing diskutiert, der IAS 17 ersetzen soll. Er soll Bilanzen von Unternehmen transparenter machen, weil darin auch die  Verpflichtungen aus dem Leasing sichtbar werden. 2010 legte das IASB einen ersten Entwurf vor, der massiv Kritik einstecken musste. Dem Entwurf vom Mai 2013 erging es nicht viel besser. Kritisiert wurde vor allem, dass die neue Bilanzierung nicht praktikabel sei. Zudem sah die ganze Leasingbranche ihr Geschäftsmodell gefährdet.

Mit der aktuellen Veröffentlichung ist der IASB vielfach auf die Kritik eingegangen, doch vor allem für Leasingnehmer ändert sich viel. Noch ist zwar keine endgültige Entscheidung gefallen. Aber der Wegfall einer Unterscheidung zwischen Finanzierungs- und Operating-Leasing, sowie Erleichterungen durch Kurzläufer oder Small-Ticket-Leases, bleiben bestehen, vermuten Bilanzierungsexperten. Der endgültige Standard soll noch 2015 kommen.

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