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Nach Bilanzskandal: Mifa beruft erstmals CFO

Hero Cycles will über seine Tochtergesellschaft OPM Global in zwei einzelnen Barkapitalerhöhungen zunächst im Rahmen einer Kapitalerhöhung über 10 Prozent neue Mifa-Aktien zeichnen.
Mifa

Bilanzskandal bei den  Mitteldeutschen Fahrradwerken (Mifa): Im Zuge der Erstellung des Jahresabschlusses hat das Unternehmen festgestellt, dass Vorräte und Materialaufwand falsch verbucht worden sind. Als Grund gibt die Mifa die Einführung eines neuen Buchungssystems im zweiten Quartal 2013 an. Dadurch seien die Materialkosten in den Q2-und Q3-Abschlüssen zu gering ausgewiesen worden. Hinzu kommen überhöhte Umsatzerwartungen. Deshalb rechnet das Unternehmen für 2013 jetzt mit einem Jahresfehlbetrag von 15 Millionen Euro. Den Jahresabschluss wird die Mifa allerdings nicht wie geplant im April, sondern erst im Juni vorlegen können.

Die Investoren sind erschüttert: Der Aktienkurs brach um mehr als 30 Prozent ein, die Mittelstandsanleihe im Volumen von 25 Millionen Euro ebenfalls. Das im Frankfurter Entry Standard notierte Papier, das bis heute Morgen als solide galt, rutschte bis zum Mittag von 106 auf 71 Prozent ab. Die Mittelstandsanleihe wurde erst im Oktober 2013 begeben – mehrere Monate, nachdem die Fehlbuchungen begonnen hatten.

Die Ratingagentur Feri, die das Papier bewertet, hat am späten Nachmittag das Mifa-Rating von BBB- unter Beobachtung gesetzt und das Unternehmen aufgefordert, weitere Informationen zur Verfügung zu stellen.

Mifa bereitet sich auf Covenantbruch vor

Jetzt soll der Wirtschaftsprüfer Hans-Peter Barth retten, was zu retten ist. Barth wird nicht nur mit sofortiger Wirkung zum ersten CFO der Unternehmensgeschichte berufen, sondern ersetzt auch den langjährigen Mifa-Chef Peter Wicht, der „krankheitsbedingt derzeit nicht zur Verfügung steht“, wie das Unternehmen mitteilt. Barth erhält zunächst einen Vertrag bis zum Jahresende.

Die Lage, in der sich Deutschlands absatzstärkster Fahrradhersteller befindet, scheint gefährlich zu sein. „Es ist nicht auszuschließen, dass mehrere der in den Anleihe- und Kreditbedingungen festgehaltenen Financial Covenants nicht eingehalten werden können“, warnt die Mifa. Daraus könne ein Sonderkündigungsrecht der Anleger resultieren. Für diesen Fall kündigt die Mifa bereits jetzt die Einberufung einer Gläubigerversammlung an, um die Anleihebedingungen zu ändern. Auch „weitere Refinanzierungsmöglichkeiten“ würden geprüft.

Zur schnellen Hilfe hat sich bereits der strategische Partner des Unternehmens, der indische Fahrradhersteller Hero Cycles, bereit erklärt. Vorbehaltlich einer Due Diligence wollen die Inder 15 Millionen Euro frisches Eigenkapital in die Mifa einschießen. „Für das laufende Geschäft verfügt das Unternehmen über ausreichend Liquidität“, beteuert die Mifa.

Die Mifa ist ein über hundert Jahre alter Fahrradhersteller mit Produktionsstandort in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt). Seit Mai 2004 ist der Konzern börsennotiert. Die Aktien werden im Prime Standard der Frankfurter Börse gehandelt.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Die ganze Geschichte zu dem Bilanzskandal bei dem Fahrradhersteller gibt es auf unserer Themenseite zu Mifa. Welche Unternehmen noch Schwierigkeiten haben, erfahren Sie auf unserer FINANCE-Themenseite Bilanzskandale.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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