Steinhoff muss 11 Milliarden Euro abschreiben.

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02.07.18
Finanzabteilung

Steinhoff muss rund 11 Milliarden abschreiben

Steinhoff muss seine Bilanz einer massiven Korrektur unterziehen. Statt wie erwartet 6 Milliarden Euro muss der skandalgebeutelte Möbelkonzern fast doppelt so viel abschreiben.

Der Möbelriese Steinhoff muss nachträglich 10,9 Milliarden Euro abschreiben. Das haben die Forensiker von PwC herausgefunden, die der unter einem Bilanzskandal leidende Konzern mandatiert hatte, nachdem der Prüfer Deloitte die Zahlen im Dezember 2017 nicht mehr absegnen wollte.

Bisher war das Unternehmen von einer Korrektur um die 6 Milliarden Euro ausgegangen. Wie jetzt aus dem Zwischenbericht des Möbelriesen hervorgeht, muss Steinhoff noch fast 5 Milliarden Euro mehr abschreiben.

Unter anderem schreibt Steinhoff auf Grundstücke rund 1,3 Milliarden Euro ab. Außerdem hatte der Konzern Markenrechte um rund 1,8 Milliarden Euro zu hoch eingeschätzt. Hinzu kommt der 2016 getätigte Kauf des US-Matratzenherstellers Mattress Firm. Damals bezahlte Steinhoff 2,2 Milliarden Euro für die Übernahme, die mit einem Unternehmenswert von 3,4 Milliarden Euro einschließlich Nettoverschuldung in die Bilanz aufgenommen wurde. Wie PwC jetzt festgestellt hat, ist der Unternehmenswert um insgesamt 1,5 Milliarden Euro zu hoch ausgewiesen worden.

Gläubiger gewähren Steinhoff Gnadenfrist

Der Bericht lieferte auch eine Einschätzung dazu, wo der Konzern jetzt steht: In den sechs Monaten von Oktober 2017 bis März verbuchte Steinhoff unter dem Strich einen Verlust von knapp 600 Millionen Euro. Die Gläubiger lassen das gebeutelte Unternehmen trotzdem nicht hängen: Erst vergangenen Freitag konnte Steinhoff eine Stillhaltevereinbarung mit den Gläubigern, die kurz vor dem Ablauf stand, nochmal bis zum 20. Juli verlängern.

Diese Zeit will Steinhoff nutzen, um sich mit seinen Geldgebern auf einen Restrukturierungsplan zu verständigen. Im Mittelpunkt steht der Vorschlag, Kredite über 9,4 Milliarden Euro zu erneuern und einheitlich über drei Jahre laufen zu lassen.

Aktuell hält sich Steinhoff nur durch Notverkäufe über Wasser. So ist die österreichische Möbelkette Kika/Leiner für geschätzte 500 Millionen Euro an den Karstadt-Eigentümer René Benko verkauft worden. Zuvor hat Steinhoff unter anderem auch seine Anteile an der deutschen Billigmöbel-Kette Poco für 266 Millionen Euro an den Mitbewerber XXXLutz verkauft. Dass diese Strategie nicht nachhaltig zur Gesundung des Konzerns beiträgt, räumen auch die Steinhoff-Manager ein.

raphael.warnke[at]finance-magazin.de

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