Steinhoff verkauft seine 50-Prozent-Beteiligung an der Billigmöbeltochter Poco an XXXLutz. Der Kaufpreis liegt bei kolportierten 266 Millionen Euro.

Poco

26.04.18
Deals

Steinhoff verkauft Poco-Anteil an XXXLutz

Steinhoff verkauft seine Poco-Beteiligung an den Mitgesellschafter XXXLutz. Damit spart sich Steinhoff ein juristisches Gefecht und bekommt dringend nötiges Geld. Aber der Verlust des Kronjuwels dürfte auch schmerzen.

Der von einem Bilanzskandal gebeutelte Möbelkonzern Steinhoff verkauft weiter sein Tafelsilber. Jetzt veräußert der südafrikanisch-deutsche Konzern seine 50-Prozent-Beteiligung an der Billigmöbeltochter Poco an den Partner XXXLutz, dem bereits die andere Hälfte von Poco gehört.

Der Kaufpreis des 50-Prozent-Anteils beläuft sich auf 266 Millionen Euro. Der M&A-Deal muss von den Wettbewerbsbehörden noch freigegeben werden. XXXLutz übernimmt die über 120 Poco-Filialen samt der fast 8.000 Mitarbeiter, teilten die Österreicher mit. Poco kam zuletzt auf einen Umsatz 1,6 Milliarden Euro und soll als eigenständige Einheit erhalten bleiben. Der Billigmöbelhändler soll darüber hinaus weiter in Bergkamen in Nordrhein-Westfalen sitzen.

XXXLutz kommt zu einem guten Preis zum Zug

Steinhoff und XXXLutz-Eigner Andreas Seifert hatten zuletzt im Clinch gelegen. Am gestrigen Mittwoch hätte ein Gerichtsprozess beginnen sollen, in dem es um die Frage gegangen wäre, wer bei Poco das Sagen hat. Seifert warf dem Steinhoff-Management außerdem vor, die Poco-Beteiligung falsch bilanziert zu haben und strengte zahlreiche Klagen an. Die zentrale Kritik: Steinhoff soll die 50-prozentige Beteiligung an Poco als 100-prozentigen Anteil bilanziert haben. Der Preis, mit dem Seifert aus Poco herausgekauft werden sollte, stand als Eventualverbindlichkeit in der Bilanz, so der Vorwurf. 

Dabei wollte Seifert gar nicht verkaufen – im Gegenteil. Dem Vernehmen nach sahen die Verträge sogar eine Art Vorkaufsrecht vor. Der Kaufpreis von 266 Millionen Euro deutet darauf hin, dass Seifert eine starke Verhandlungsposition hatte.

Auf das gesamte Unternehmen bezogen, wird Poco, das von 2014 bis 2016 im Schnitt einen operativen Gewinn (Ebitda) von 75 Millionen Euro erzielte, mit einem Multiple von 7x Ebitda bewertet. Für das laufende Jahr rechnet Poco nach Angaben der "FAZ" sogar mit einem Anstieg des Ebitdas auf über 80 Millionen Euro. Beobachter aus dem Umfeld von Steinhoff hatten den 50-prozentigen Poco-Anteil mitunter auf deutlich höhere Summen taxiert.

Steinhoff und XXXLutz legen Rechtsstreit bei

Mit dem nun vereinbarten M&A-Deal seien die Rechtsstreitigkeiten einvernehmlich beigelegt, schreibt XXXLutz. Der gestern begonnene Prozess ist damit vorbei, bevor er richtig begonnen hat. Für Steinhoff dürfte dies ein Erfolg sein, da der Konzern einer langwierigen und teuren juristischen Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Zudem fließt mit dem Verkaufserlös noch Geld in die klammen Steinhoff-Kassen.

Die Klage von XXXLutz hatte den Stein um den Bilanzskandal bei Steinhoff mit ins Rollen gebracht, hatte sie doch ein Schlaglicht darauf geworfen, wie aggressiv Steinhoff bilanziert hat. Im Dezember des vergangenen Jahres musste der Möbelhändler eingestehen, dass man Unregelmäßigkeiten in der Bilanz gefunden habe, obwohl man sich zuvor gegen derlei Vorwürfe stets gewehrt hatte.

Seitdem befindet sich Steinhoff in einer schweren Krise. Die Liquidität ist angegriffen. Zudem stieg der Konzern vom MDax in den SDax ab, weil Steinhoff fast 20 Milliarden Euro Börsenwert verloren hat. 

Steinhoff muss Milliarden auf Immobilien abschreiben

Bis heute kann Steinhoff keine Bilanz für das Geschäftsjahr 2017 vorlegen, das im September des vergangenen Jahres endete. Mehrfach musste der Möbelhändler die Veröffentlichung verschieben. Die Zahlen sollen nun Ende 2018 vorliegen. Auch die Bilanz für 2016 zog der Konzern zurück.

Doch die offenbar unrichtigen Bilanzen  sind nur eine der zahlreichen Baustellen, die Steinhoff belasten. Im Januar musste der Konzern einen Notkredit aufnehmen, um das Überleben zu sichern. Später folgten Notverkäufe von Anteilen etwa an der südafrikanischen PSG-Gruppe, um die Liquidität zu stärken, sowie Verhandlungen über Stillhalteabkommen mit Banken. Doch Rückschläge gibt es immer wieder: Anfang dieses Monats musste Steinhoff eine milliardenschwere Abschreibung auf sein Immobilienportfolio ankündigen.

Deutsche Banken im Strudel von Steinhoff

Inzwischen drohen auch deutsche Banken durch die Causa Steinhoff in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Ein niederländischer Investorenverband will die Commerzbank wegen ihrer Rolle bei dem Börsengang des Möbelkonzerns verklagen.

Zudem war im Februar herausgekommen, dass die Commerzbank bei Steinhoff 500 Millionen Euro im Feuer hatte. Auch die BayernLB hatte Kredite im Wert von 200 Millionen Euro an den deutsch-südafrikanischen Konzern ausgereicht. Beide mussten die Darlehen in der Folge mit hohen Abschlägen verkaufen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Der südafrikanisch-deutsche Möbelkonzern kämpft nach dem Bilanzskandal an verschiedenen Baustellen. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der FINANCE-Themenseite zu Steinhoff.