Der Möbelriese Steinhoff bittet um mehr Zeit bei Gläubigern.

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28.06.18
Finanzierungen

Steinhoff bittet Gläubiger um noch mehr Geduld

Bereits zum zweiten Mal bittet der angeschlagene Möbelriese Steinhoff seine Gläubiger um mehr Zeit. Die Restrukturierung der Milliardenschulden dauert länger als gedacht.

Steinhoff sendet erneut ein SOS an seine Gläubiger und bittet sie noch einmal um Aufschub für die Rückzahlung der Kredite. So steht es in einer Börsenmitteilung von Steinhoff mit dem Titel „Dringende Bitte um Unterstützung“, die der angeschlagene Möbelkonzern am gestrigen Mittwoch veröffentlicht hat. Im Fokus stehen die Gläubiger der Steinhoff Europe AG und der Steinhoff Finance Holding, über die sich weite Teile des Europa-Geschäfts finanzieren.

Ursprünglich hatte Steinhoff sich mit den Gläubigern bereits auf einen Aufschub bis zum 30. Juni geeinigt. Bis dahin sollten Restrukturierungsmaßnahmen stehen, um den milliardenschweren Schuldenberg anzugehen. Diese Frist hat offenbar nicht gereicht. Steinhoff betont aber, dass man schon „erhebliche Fortschritte“ in den Verhandlungen gemacht habe und nur noch mehr Zeit bräuchte, um alles unter Dach und Fach zu bringen.

Als neue Deadline ist der 20. Juli vorgesehen, die Gläubiger bittet Steinhoff bis zum morgigen Freitag um 10 Uhr morgens um ihre Zustimmung. Als besänftigende Geste bietet Steinhoff eine Prämie von 0,15 Prozent auf die jeweiligen Ansprüche für die Gläubiger, die dem Appell folgen.

Außerdem verlangt Steinhoff von seinen drei wichtigsten Hausbanken die Verlängerung der Dispositionskredite. Laut Steinhoff könnten ohne deren Zustimmung 50,1 Prozent der relevanten Kreditgeber ihre Kredite kündigen.

Steinhoff ist auf Gläubiger angewiesen

Bei der letzten Einigung auf einen Zahlungsaufschub vor wenigen Wochen unterschrieb eine knappe Mehrheit von 61 Prozent den sogenannten „Support Letter“. Im aktuellen Aufruf wendet das Unternehmen sich nochmal gezielt an die Kreditgeber, die dem ersten Hilfegesuch nicht nachgekommen sind. Steinhoff bittet sie „freundlichst“ darum, dem ersten Schreiben nachträglich zuzustimmen, um dann im Anschluss auch den neuen „Amended Support Letter“ zu unterzeichnen.

Zu den vorangegangenen Unterstützungsmaßnahmen zählt ein Stillhalteabkommen, zudem soll keiner der Gläubiger auf eine Insolvenz drängen oder diese selbst einleiten.

Verkauf von Poco und Kika/Leiner brachte Geld

Bisher holte sich der Konzern, der seit Dezember in einen Bilanzskandal verwickelt ist, das dringend benötigte Geld über den Verkauf diverser Beteiligungen und Tochterunternehmen, auch in Europa. Im April verkaufte Steinhoff seinen 50-Prozent-Anteil an der Billigmöbeltochter Poco für 266 Millionen Euro an den Wettbewerber XXXLutz.

Die österreichische Tochter Kika/Leiner ist Mitte Juni von Immobilieninvestor und Karstadt-Eigentümer René Benko für geschätzte 500 Millionen Euro gekauft worden. Die Möbelkette war durch die Schwierigkeiten bei der Mutter selbst in Bedrängnis geraten und verlor den Schutz der Kreditversicherer. Vor zwei Tagen vermeldete das angeschlagene Möbelhaus aber, in Euro Delkredere einen neuen Warenkreditversicherer gefunden zu haben.

Ein Bilanzskandal erschüttert den Möbelgiganten Steinhoff. Banken, Anleihe- und Schuldscheingläubiger bangen um ihr Geld. Alle Entwicklungen finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Steinhoff.