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Evotec kassiert Gewinnprognose wegen Cyberangriff

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Der Cyberangriff vom April hat Evotec viel Geld gekostet. Foto: nmann77 - stock.adobe.com
Der Cyberangriff vom April hat Evotec viel Geld gekostet. Foto: nmann77 - stock.adobe.com

Der Cyberangriff im Frühjahr kostet Evotec Millionen an Umsatz und Gewinn. Das MDax-Unternehmen musste deshalb seine Umsatz- und Gewinnprognose deutlich nach unten korrigieren. Wie das MDax-Unternehmen am gestrigen Donnerstagabend nach Börsenschluss mitteilte, erwartet es für das laufende Geschäftsjahr nur noch Umsätze von 750 bis 790 Millionen Euro und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Bereich von 60 bis 80 Millionen Euro.

Ursprünglich hatte Evotec mit einem Umsatz von 820 bis 840 Millionen Euro und einem Ebitda von 115 bis 130 Millionen Euro gerechnet. Die Nachricht schickte die Evotec-Aktie auf Talfahrt. Die Papiere sackten gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 23,80 Euro auf zwischenzeitlich rund 22 Euro und damit um mehr als 7 Prozent ab.

Cyberangriff beeinträchtigte Evotecs Produktivität

Anfang April war Evotec Opfer eines Cyberangriffs geworden. Dieser hatte die Produktivität des Unternehmens während des gesamten zweiten Quartals beeinträchtigt. Als direkte Reaktion hatte Evotec alle Systeme zur Außenwelt gekappt, um Partner und Stakeholder des Unternehmens zu schützen. Das ebenfalls im TecDax notierte Unternehmen nahm den Betrieb Ende April mit deutlich reduzierter Produktivität wieder auf. Im Mai lag sie laut Evotec bei 50 Prozent, im Juni soll sie rund 80 Prozent erreicht haben.

Evotecs Gewinnwarnung zeigt, wie teuer ein Cyberangriff und dessen Bewältigung für betroffene Unternehmen werden kann und wie wichtig deshalb ein hohes Cyberschutzniveau und ein funktionierender Notfallplan sind. Evotec war eigentlich gut ins Jahr gestartet und hatte nach dem ersten Quartal ein Umsatzwachstum von 30 Prozent auf 210 Millionen Euro verkünden können.

Cybercrime hat sich mittlerweile zu einer ernstzunehmenden Bedrohung für die deutsche Wirtschaft entwickelt. Die Zahl der betroffenen Unternehmen nimmt weiterhin zu. Zuletzt wurden Attacken auf die Deutsche Leasing, auf Rheinmetall, SAF-Holland oder Thyssenkrupp bekannt. Angaben des IT-Branchenverbandes Bitkom zufolge ist der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr ein Schaden in Höhe von 203 Milliarden Euro durch Cyberangriffe entstanden. Neun von zehn Unternehmen sind demnach schon Opfer solcher Attacken geworden.

Cyberangriff kostete Evotec die MDax-Notierung

Evotec beziffert die direkten Nettokosten im zweiten Quartal zur Bewältigung des Angriffs mit 25 Millionen Euro. Hinzu kommen rund 70 Millionen Euro an entgangenen Umsätzen, die den Ausblick trüben. Damit waren die Auswirkungen noch negativer als von Warburg Research erwartet.

Der Cyberangriff hatte Evotec zudem kurzzeitig die Notierung im MDax gekostet, da das Unternehmen deshalb den Geschäftsbericht nicht pünktlich veröffentlichen konnte.
Allerdings geht Evotec davon aus, einen Teil der entgangenen Umsätze im zweiten Halbjahr noch erzielen zu können.

Geringere Produktivität belastete Evotec stark

„Die geringere Produktivität während des zweiten Quartals hat unser Finanzergebnis des ersten Halbjahres von 2023 erheblich belastet“, kommentierte Evotec-CEO Werner Lanthaler das Quartalsergebnis. Vorbehaltlich weiterer Analysen und der Überprüfung durch den Wirtschaftsprüfer erwartet das Unternehmen für die ersten sechs Monate Umsätze von rund 370 Millionen Euro.

Evotec kündigte gleichzeitig an, weitere Maßnahmen zur Wertsicherung und zum Schutz vor Cyberangriffen zu ergreifen. Der schneller als ursprünglich erwartete Abschluss der Technologiepartnerschaft mit Sandoz sowie die erheblichen Erweiterungen und Verlängerungen von zwei Kooperationen mit BMS sollen laut Evotec ebenfalls dazu beitragen, einen Teil der Auswirkungen des Cyberangriffs abzumildern.

1 Milliarde Euro Umsatz bis 2025 bleibt das Ziel

Die Anfang 2022 verkündete Unternehmensstrategie „Action Plan 2025“ soll unverändert bestehen bleiben. Evotec strebt weiterhin an, 2025 mehr als 1 Milliarde Euro Umsatz bei einem bereinigten Ebitda von mehr als 300 Millionen Euro zu erzielen. Warburg Research bleibt bei seinen Prognosen für die Jahre 2024 und 2025 und hält die Aktie auf „Buy“.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.