„Dortmund verkauft seine besten Spieler – das würde Bayern nie tun“

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Kenan Karaman (Schalke 04, l.), Ismael Saibari (FC Bayern, m.) und Waldemar Anton (BVB, r.) kämpfen um die Bundesliga-Millionen für ihre Vereine. Foto: FC Schalke 04 / FC Bayern.
Kenan Karaman (Schalke 04, l.), Ismael Saibari (FC Bayern, m.) und Waldemar Anton (BVB, r.) kämpfen um die Bundesliga-Millionen für ihre Vereine. Foto: FC Schalke 04 / FC Bayern.

Am vergangenen Wochenende rollte der Ball wieder in den Stadien der Fußball-Bundesliga. Borussia Dortmund (BVB) und der FC Bayern gewannen ihre Auftaktspiele souverän. Doch hinter den Ergebnissen auf dem Rasen verbergen sich Zahlen, die weit über Tore und Punkte hinausgehen: Sportlicher Erfolg und wirtschaftliche Leistung sind im Profifußball untrennbar miteinander verknüpft.

Grundsätzlich besteht das Geschäftsmodell großer Fußballvereine aus fünf Säulen: Spielerverkäufe, TV-Einnahmen, Ticket-Einnahmen, Merchandising und Sponsoring. Gerade die TV-Erlöse, die einen Großteil der Einnahmen vieler Klubs ausmachen, hängen unmittelbar vom sportlichen Erfolg ab.

Eine Woche vor dem Bundesligastart veröffentlichte Borussia Dortmund seine vorläufigen Geschäftszahlen. Als börsennotierter Bundesliga-Verein ist der BVB verpflichtet, seine Zahlen bekannt zu geben. Für das Geschäftsjahr 2025/2026 weist der BVB einen Umsatz von rund 460 Millionen Euro aus. Das ist ein Rückgang von über 65 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr, der mit dem frühen Ausscheiden aus der ertragreichen Champions League und fehlenden Erlösen aus der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft zu erklären ist, wie der Verein mitteilte. Unterm Strich verbuchte der Verein einen Jahresfehlbetrag von knapp 22 Millionen Euro. Im Vorjahr stand noch ein positives Jahresergebnis von 6,5 Millionen zu Buche.

Nichtsdestotrotz steht das Unternehmen dank eines Eigenkapitals von 300 Millionen Euro finanziell besser da als viele andere Vereine. Eigenkapital ist eine zentrale Kennzahl für Fußballklubs, da mit schwankendem sportlichem Erfolg auch die Einkünfte der Klubs schwanken können. Verluste in sportlich schwächeren Jahren können so besser abgefedert werden. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) schaut genau aufs Eigenkapital: Sie schreibt vor, dass ein negatives Eigenkapital von Saison zu Saison verbessert werden muss. Gelingt dies nicht, drohen Sanktionen bis hin zu Punktabzügen.

Kurs der BVB-Aktie hat sich in fünf Jahren halbiert

„Dortmund hat Transfereinnahmen erzielt, das stabilisiert das aktuelle Ergebnis“, ordnet Peter-Thilo Hasler, Finanzanalyst und Dozent an der FOM München, die jüngsten Zahlen ein. Insgesamt lag das Transferergebnis im vergangenen Geschäftsjahr bei 59,3 Millionen Euro. Insbesondere ohne den Transfer von Angreifer Jamie Gittens zum FC Chelsea für rund 56 Millionen Euro wäre das Ergebnis noch schlechter ausgefallen.

„Aber die Aktie wird sich nicht aufgrund der Finanzkennzahlen positiv entwickeln, sondern durch gewonnene Spiele in wichtigen Wettbewerben“, meint Hasler. Vor fünf Jahren notierte die BVB-Aktie bei 6,27 Euro, seitdem ging es im Trend – mit kleinen Ausreißern nach oben – bergab. Ende August 2026 lag der Kurs nur noch bei rund 3,20 Euro.

Schalke 04 mit negativem Eigenkapital

Ebenso veröffentlichungspflichtig ist Dortmunds Revierrivale Schalke 04, die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 veröffentlicht der Klub Ende Oktober. Nach drei Saisons in der zweiten Liga trennen die Schalker finanziell allerdings Welten von den Dortmundern.

Grundsätzlich attestiert Hasler Schalke 04 in den vergangenen Jahren einen guten Job. CFO Christina Rühl-Hamers übernahm ihren Job im Oktober 2020 und schaffte es, den Personalaufwand von rund 124 Millionen Euro im Jahr 2019 auf rund 59 Millionen Euro in der vergangenen Saison zu senken. Zudem lag das negative Eigenkapital 2022 noch bei 110 Millionen Euro und der Konzernverlust bei rund 20 Millionen Euro. Ein Jahr später erzielte Schalke einen Überschuss von 6,9 Millionen Euro.

Im Geschäftsjahr 2024/25 (zuvor hatte Schalke seinen Bilanzstichtag von Ende Dezember auf Ende Juni verschoben), verbuchte Schalke einen Konzernüberschuss von 5,5 Millionen Euro. Laut den neusten Zahlen für das zweite Halbjahr 2025 konnte das negative Eigenkapital auf nun 96,6 Millionen Euro verringert werden.

Schalke muss Gewinne erwirtschaften

Bei negativem Eigenkapitals fordert die DFL grundsätzlich, dass ein Klub in der Bundesliga sein negatives Eigenkapital jedes Jahr um 10 Prozent senken muss, in der 2. Bundesliga um 5 Prozent. Im Dezember erfolgte zu Schalkes Vorteil eine Regelanpassung: Statt einer jährlichen Betrachtung ist nun auch eine Dreijahresbetrachtung möglich – in Schalkes Fall von 2023 bis 2025. In dem Zeitraum konnte Schalke das negative Eigenkapital im geforderten Umfang senken. Die Schalker entgingen so der Strafe eines möglichen Punktabzugs zum Start der Bundesliga-Saison.

Für die Aufstiegssaison 2026 genügt Schalke auch eine Reduzierung um 0 Prozent, wie Rühl-Hamers auf der Schalker Mitgliederversammlung erklärte. In den Folgejahren sind dann wieder 10 Prozent Reduzierung nötig. Anders ausgedrückt: Schon 2027 muss Schalke zehn Millionen Euro Gewinn erzielen, um einer Strafe durch die DFL zu entgehen.

Für die Lizenzierungsauflagen der DFL ist der hohe Schuldenstand nicht das entscheidende Kriterium. „Viel wichtiger ist der DFL die erwartete Liquidität. Jeder Verein muss darlegen, dass die Einnahmen die Ausgaben übersteigen. Das ‚going concern‘ – das Überleben in der nächsten Spielzeit – muss sichergestellt sein“, ordnet Hasler ein.

„Jeder Verein muss darlegen, dass die Einnahmen die Ausgaben übersteigen“

Finanzanalyst Peter Thilo-Hasler

Anleihen statt Bankkredit bei Schalke 04

Vom Verein aus Gelsenkirchen kann man zwar keine Aktien kaufen, dafür aber Anleihen. Aktuell steht ein Bond mit einem Volumen von 90 Millionen Euro, einer Laufzeit von 5 Jahren und einer Verzinsung von 6,5 Prozent aus. Am 27. November 2025 erfolgte die Notierungsaufnahme am Anleihemarkt. Es war die bereits sechste Anleihe des Fußball-Klubs – er löste damit frühzeitig die Anleihen mit Laufzeit bis 2026 und 2027 ab.

Der Klub aus dem Ruhrgebiet kommt darüber leichter an größere Kapitalsummen. „Banken leihen überschuldeten Unternehmen wie Schalke tendenziell weniger Geld. Die Finanzinstitute müssen das mit so hohem Eigenkapital unterlegen, dass der Kredit zu teuer wird“, sagt Hasler. Die große Schalker Fangemeinde mit 220.000 Mitgliedern sorge für genug Nachfrage nach der Anleihe.

Audi, Adidas und Allianz sind für die Bayern mehr als Sponsoren

Sorgen zu Eigenkapital und Gewinn kennt der FC Bayern München nicht. Im Geschäftsjahr 2024/25 schrammte der Konzernumsatz des Branchenprimus‘ mit 978 Millionen Euro nur knapp an der 1-Milliarde-Euro-Marke vorbei. Der Jahresüberschuss lag bei 27,1 Millionen Euro. Dazu kommt ein beachtliches Eigenkapital von 585 Millionen Euro.

Der FC Bayern sammelt sein Kapital nicht an der Börse ein wie der BVB, finanziert sich aber auch nicht nur aus eigenen Erlösen. „Harry Kane hätten sich die Bayern ohne Audi, Adidas und Allianz nicht leisten können“, sagt Hasler. Alle drei Konzerne halten einen Anteil von jeweils 8,33 Prozent an der FC Bayern München AG.

So zahlte Allianz 2014 110 Millionen Euro für die Bayern-Anteile. Adidas stieg schon 2001 mit 10 Prozent für damals 150 Millionen D-Mark ein. Audi erwarb 2011 für rund 90 Millionen Euro 9 Prozent der Anteile. Durch eine Kapitalerhöhung wurden 2014 die drei Anteile angeglichen. Mit Audi, Adidas und Allianz hat der FC Bayern finanzstarke, langfristige Partner im Rücken, die weit über klassisches Sponsoring hinausgehen.

Können Mannschaften wie der BVB, Bayer Leverkusen oder der VfB Stuttgart, die allesamt finanziell gesund sind, den Bayern auch sportlich gefährlich werden? „Die Bayern machen einen fantastischen Job“, sagt Hasler. „Aber dass die Lücke zwischen Bayern und Dortmund größer geworden ist, liegt an Dortmund.“ Vor allem die Transferpolitik der Schwarz-Gelben sei ein Problem: „Mit seinen Spielerverkäufen macht der BVB einen riesigen Buchgewinn, aber das ist nichts, was den Verein langfristig weiterbringt. Sie verkaufen ihre besten Spieler. Das würde Bayern nie tun“, sagt Hasler.

Nur Schalke geht mit negativem Eigenkapital in die neue Saison

Finanziell besonders gut da steht auch der VfB Stuttgart: Rund 384 Millionen Euro Umsatz sind Rekord, dazu standen zum Ende des Geschäftsjahres 2025 ein Gewinn von 22,5 Millionen Euro und ein Eigenkapital von rund 83 Millionen Euro zu Buche. Ebenso finanzstark ist Bayer Leverkusen, laut DFL-Wirtschaftsreport mit einem Konzernjahresüberschuss von 133 Millionen Euro und einem Eigenkapital von 200 Millionen Euro im Jahr 2025.

Beim Eigenkapital belegt im Geschäftsjahr 2024/2025 die TSG Hoffenheim mit 219 Millionen Euro hinter Bayern und Dortmund Platz drei. Dahinter folgen der seit Jahren solide wirtschaftende SC Freiburg mit einem Eigenkapital von rund 164 Millionen Euro sowie RB Leipzig mit einem Eigenkapital von rund 137 Millionen Euro.

Der Hamburger SV ist nach sieben Zweitligajahren mit einem Eigenkapital von rund 49 Millionen Euro wieder finanziell gesünder. Schalke ist der einzige Verein in der neuen Saison, der ein negatives Eigenkapital aufweist. Dennoch sind die Aufsteiger SC Paderborn und SV Elversberg mit 6,4 Millionen beziehungsweise 1,4 Millionen Euro Eigenkapital in viel niedrigeren finanziellen Dimensionen unterwegs als der Rest der Liga. Je nach Stichtag der Klub-Bilanzen bezieht sich das Eigenkapital der Klubs auf Ende Juni 2025 oder auf Ende Dezember 2025.

Die Bundesliga befindet sich in einem Spagat

Was hält die finanziell ungleiche Liga noch zusammen? „Die Gelder aus den Fernsehrechten, die für viele Vereine einen hohen Anteil der Einnahmen ausmachen, werden relativ fair verteilt“, sagt Hasler. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Dpa erhalten die Bayern für die kommende Saison etwa 92 Millionen Euro aus den TV-Erlösen der DFL, Schlusslicht SV Elversberg immerhin rund 31 Millionen Euro.

Würden die Bayern die Medienrechte an ihren Spielen eigenständig und losgelöst von der DFL verkaufen, würden sie wesentlich mehr Geld einnehmen, sagt Hasler. Eine gewisse Solidarität wirkt also als Gegengewicht zu den finanziellen Fliehkräften der Liga.

Die Fußball-Bundesliga befindet sich ohnehin in einem Spagat: Die Verteilung der TV-Einnahmen soll dem sportlichen Auseinanderdriften der Liga entgegenwirken, Ticketpreise sollen erschwinglich bleiben. Gleichzeitig will die Bundesliga international mit den großen Klubs aus England, Spanien und Italien mithalten.