Mit seinem Aufstieg vom CFO zum CEO hat sich BASF-Chef Kurt Bock auch den Zugriff auf die Investor Relations gesichert. BASF ist mit der IR als CEO-Domäne in guter Gesellschaft.

BASF

15.08.16
Finanzabteilung

CFOs verlieren Zugriff auf Investor Relations

Die Investor-Relations-Arbeit ist Aufgabe des Finanzchefs – diese Denkweise ist veraltet. Neue Zahlen zeigen: Die Vorstandschefs ziehen die IR immer stärker in ihren Verantwortungsbereich.

Machtverschiebung in den Vorstandsetagen: Just in einer Zeit, in der viele CFOs in die strategischen Bereiche hineindrängen, verlieren sie zusehends die Kontrolle über die Kapitalmarktkommunikation. Es wächst die Zahl der Großunternehmen, in denen die Investor Relations vom Vorstandsvorsitzenden verantwortet werden.

Die Kommunikationsberatung Mirnock untermauert diesen Trend nun mit neuen Zahlen, die die Machtverschiebung belegen. Aus einer aktuellen Befragung von 31 Unternehmen aus Dax und MDax ergibt sich, dass in 36 Prozent  der teilnehmenden Dax-Konzernen die IR in der Domäne des Vorstandschefs liegt. Bei den MDax-Teilnehmern ist das sogar bei 50 Prozent der Fall.

CFOs steigen zum CEO auf und nehmen die Investor Relations mit

Vor allem die Entwicklung im Dax ist überraschend, denn dort kristallisierte sich der Trend bisher vor allem an der Person Joe Kaeser. Nach seinem Aufstieg vom CFO zum CEO nahm der Siemens-Chef auch die IR-Funktion in seinen neuen Bereich mit. Offenbar ist es aber gerade der zunehmende Schwung in den Karrieren vieler CFOs, der zum Übergang der IR-Funktion in den CEO-Bereich führt. Nicht nur Kaeser, auch eine Reihe weiterer Dax- und MDax-Chefs sind aus dem Finanzressort auf diesen Posten gewechselt, darunter etwa BASF-Chef Kurt Bock, Schaeffler-Retter Klaus Rosenfeld oder in diesem Jahr erst Werner Baumann bei Bayer und Stephan Sturm bei Fresenius.

Bemerkenswert – und zum Teil auch bitter – ist, was Mirnock zum Thema Workload herausgefunden hat. Obwohl sie im IR-Bereich langsam ins Hintertreffen geraten, schultern die CFOs immer noch den Großteil der Arbeit, der durch die Investorenkommunikation anfällt. Finanzchefs sind laut der Umfrage zwischen elf und zwanzig Tagen im Jahr auf Investoren-Roadshows und -Konferenzen. CEOs hingegen verbringen durchschnittlich lediglich neun Tage im Jahr mit IR-Aufgaben. „Das ist ein klarer beleg dafür, dass der CFO nach wie vor die Beinarbeit leistet“, kommentiert Mirnock-Chef Gundolf Moritz dieses Resultat.

bita.mohammadi[at]finance-magazin.de