Continental

22.08.18
Finanzabteilung

Continental schockt mit zweiter Gewinnwarnung

Der Automobilzulieferer Continental kassiert schon zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Umsatz- und Gewinnziele. In allen Bereichen soll es schlechter laufen als vor drei Wochen prognostiziert. Die Investoren reagieren verärgert.

Kurssturz bei Continental: Die Aktie des Autozulieferer und Reifenkonzern hat am heutigen Mittwoch 15 Prozent an Wert verloren und notiert derzeit bei 160 Euro. Damit zerstörten die Hannoveraner binnen einer Stunde 5,4 Milliarden Euro an Börsenwert.

Auslöser der Verkaufswelle war eine überraschende Gewinnwarnung, die Conti am Vormittag veröffentlichte: So senkte der Dax-Konzern seine Umsatzerwartung für das laufende Geschäftsjahr um 1 Milliarde auf 46 Milliarden Euro. Für die bereinigte Ebit-Marge peilt Conti-CFO Wolfgang Schäfer nun nicht mehr als 10 Prozent, sondern lediglich mehr als 9 Prozent an. Ursprünglich waren sogar 10,5 Prozent avisiert.

Gewinnwarnung schürt Zweifel an Continental

Die Gewinnwarnung dürfte die Investoren vor allem aufgrund des Timings geschockt haben: Denn erst vor drei Wochen hatte Continental seinen alten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bestätigt, schreibt NordLB-Analyst Frank Schwope. 

FINANCE-Köpfe

Wolfgang Schäfer, Continental AG

Von 1984 bis 1986 absolviert Schäfer ein internationales Trainee-Programm bei der Robert Bosch GmbH und arbeitet anschließend als Assistent der Geschäftsführung im Bereich Power Tools. Zwischen 1988 und 1989 ist Schäfer als Berater und Teamleiter bei Bain & Co. in München tätig. Anschließend kehrt er in die Unternehmenswelt zurück und leitet zwischen 1990 und 1995 die Finanzen und das Controlling der Westig GmbH.

Die folgenden sechs Jahre ist Schäfer Mitglied des Vorstands und CFO der Vorwerk Elektrowerke Stiftung. 2001 geht Schäfer zurück in die Automobilbranche und wird CFO des Autozulieferers Behr, wo er bis 2009 die Geschäftsbereiche Finanzen, Controlling, IT, Personal, Einkauf, Recht, Logistik und M&A verantwortet. Zeitgleich leitet er ab 2005 sämtliche Deutschlandaktivitäten als CEO von Behr.

Im Januar 2010 beruft Continental Schäfer zum CFO. Der Autozulieferer leidet unter einer hohen Verschuldung, weil das vorherige Management kurz vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise für mehr als 10 Milliarden Euro den Konkurrenten Siemens VDO übernommen hat. Gemeinsam mit CEO  Elmar Degenhart gelingt es Schäfer, Continental langfristig zu refinanzieren und den Großkonzern zunächst in ruhiges Fahrwasser und anschließend wieder in Dax zu führen.

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Dass die Hannoveraner ihre Ziele innerhalb kürzester Zeit kassieren müssen, wirft kein gutes Licht auf die Prognosequalität des Konzerns. Zumal der Automobilzulieferer erst im April seine Ziele für das laufende Jahr gesenkt hatte. Die damalige Gewinnwarnung erfolgte ebenfalls nur sechs Wochen nach Veröffentlichung des Ausblicks für das laufende Jahr.

Damals kappte Conti wegen negativer Wechselkurseffekte die Prognose für seine Reifensparte. Statt rund 15 Prozent erwartete Conti nur noch eine bereinigte Ebit-Marge von 14 Prozent. Im Rahmen der heutigen Gewinnwarnung senkten die Hannoveraner den Margenausblick sogar auf 13 Prozent.

NordLB sieht weitere Risiken für Continental

Anders als im April ist dieses Mal aber auch die größere Automotive-Sparte von der Korrektur betroffen. Hier erwartet Finanzchef Schäfer aufgrund von Währungseffekten 500 Millionen Euro weniger Umsatz als bisher geplant (28 Milliarden Euro insgesamt) sowie eine um 1,5 Prozentpunkte geringere Ebit-Marge.

NordLB-Analyst Schobe wies zudem auf weitere Risiken hin: So könne Conti in den nächsten Monaten im Zuge der neuen Abgasmessverfahren Probleme bekommen. Der für Neuwagen verbindliche Abgasteststandard WLTP greift ab September und hat bereits einige Hersteller dazu gezwungen, ihre Verkäufe einzuschränken. Das drückt den Umsatz. Auch die zunehmenden weltweite Handelskonflikte – Stichwort US-Protektionismus und Brexit – sieht der Analyst als Herausforderung für den Dax-Konzern.

Entsprechend zog die Gewinnwarnung die gesamte deutsche Autohersteller- und Zuliefererbranche mit in die Tiefe. Die Aktien von Daimler und VW verloren zwischenzeitlich 2 Prozent, Zulieferer wie Schaeffler, Leoni oder Hella gar teils über 6 Prozent.

Continental-Aktie stürzt ab

Unsicherheit über Continental-Strategie

Beobachter führen die heftige Kapitalmarktreaktion aber auch auf die generelle Unsicherheit im Hinblick auf die anstehende Umstrukturierung von Continental zurück. Der Dax-Konzern hatte Mitte Juli angekündigt, sich eine Holding-Struktur zu geben und die Antriebssparte im kommenden Jahr an die Börse zu bringen.

Die Ankündigung sorgte für Spekulationen, ob auch das Reifengeschäft künftig eigenständig würde agieren können. Continental erteilte dem keine Absage: Zwar sei eine Abgabe von Minderheitsanteilen „derzeit nicht geplant“, aber eine denkbare Option für die Zukunft. 

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