Die Kapitalmarktkommunikation von German Pellets ist eine einzige Katastrophe. Von leeren Versprechungen, über Widersprüche ist alles dabei. Doch anstatt Fehler zuzugeben tritt das Unternehmen anmaßend auf.

German Pellets

26.01.16
Finanzabteilung

German Pellets – ein einziges Kommunikations-Desaster

Leere Versprechungen, Widersprüche und eine Pressemitteilung voller Anmaßungen: Die Kapitalmarktkommunikation bei German Pellets ist ein einziges Desaster.

„Man muss Vertrauen schaffen, das ist eine ganz wichtige Aufgabe für uns. Wir müssen transparent sein, der Anleger muss wissen, was bei German Pellets  passiert!“ Dies sagte der damalige Investor-Relations-Chef von German Pellets, Carsten Scholz, 2013 in einem TV-Interview bei der Anlegermesse Invest in Stuttgart – anzusehen bei YouTube.

Schöne Worte, die die Firma dann aber anschließend leider mit Füßen trat. Spätestens seit einem halben Jahr gleicht die Kapitalmarktkommunikation des Unternehmens einem Versteckspiel mit Presse und Investoren. Auf Fragen zur Refinanzierung der in diesem April fälligen Mittelstandsanleihe gab das Unternehmen wie ein schlecht programmierter Roboter immer nur folgendes Statement ab: „Verschiedene Maßnahmen zur Refinanzierung der Anleihe befinden sich zurzeit noch in Umsetzung beziehungsweise Planung“. Informationen gab es – wenn überhaupt – dann nur in Form kleiner, nicht verdaulicher Informationshappen

Folgerichtig, dass dieses Versteckspiel bitter endete: Erst zweifelten die Investoren, dann nahmen sie Reißaus. Es kam zu einer Kurslawine, die die Debt Story von German Pellets mit sich riss. Falls das Unternehmen tatsächlich konstruktive Gespräche mit Finanzierungspartnern geführt haben sollte – spätestens ab diesem Moment waren sie zum Scheitern verurteilt.

German Pellets: Eine Kapitalmarktinfo voller Anmaßungen

Und das Management machte es noch schlimmer. Für den Kurseinbruch habe man „keine nachvollziehbaren Gründe“, ließ es verlauten. Ist das noch Eskapismus oder schon Schlimmeres?

Und dann auch noch dies: German Pellets betitelte das Eingeständnis des Scheiterns der Refi-Verhandlungen in einer Pflichtmitteilung mit der Überschrift, dass die im April auslaufende Anleihe „aufgewertet“ werde. Das Management begründet seine These von der „Aufwertung“ mit einer „erstrangigen Besicherung durch 50 Prozent der Gesellschafteranteile an der German Pellets“. Anteile, die im Fall einer Schieflage wohl nicht mehr viel wert wären.

Im eigentlichen Sinne sollen Sicherheiten den Niedergang eines Unternehmens ja überstehen können, um im Krisenfall für die Gläubiger noch verwertet werden zu können. Von Equity-Anteilen eines kriselnden Bondemittenten ist das kaum zu erwarten. Trotzdem sollen die Bondholder wegen der zusätzlichen Sicherheit nun nicht nur die Laufzeit um zwei Jahre verlängern, sondern auch den Zinssatz von 7,25 auf 5,25  Prozent reduzieren. Dass sie das wohl tun müssen, steht außer Frage – aber nicht, weil der Bond sicherer geworden wäre, sondern weil die Rückzahlung ihres Kredits sonst schwer gefährdet wäre

Finanzmanagement for Runaways

Und die Anmaßungen in der Kapitalmarktinfo gehen noch weiter: German Pellets rühmt sich damit, „sich im Rahmen eines strukturierten Finanzmanagementprozesses bereits frühzeitig mit der Rückführung der Anleihe 2011/16 beschäftigt zu haben“. Richtig, im November 2014 wurden von einer neuen 100 Millionen Euro schweren Anleihe 26 Millionen für den jetzt auslaufenden Bond reserviert. Den Rest aber steckte das Management in Wachstum und den Ausbau seiner Fertigung in den USA. Sofern es darüber hinaus bei German Pellets tatsächlich eine Strategie beim Finanzmanagement gegeben haben sollte, so ist sie jetzt ohne Zweifel krachend gescheitert. 

Nicht nur die Bondholder, die jetzt grübeln, ob sie ihr Geld noch weiter in so einem Unternehmen investiert sehen wollen, stellen sich die Frage, ob das Management schlicht keine Kapitalmarktkommunikation kann oder ob es den Ernst der Lage nicht erkannt hat. Denn eines ist klar: Stimmen die Gläubiger den Änderungen der Anleihe nicht zu, droht dem Unternehmen größtes Ungemach.

Trotzdem wird es noch immer Investoren geben, die ihr Investment in German Pellets noch nicht abgeschrieben haben. Bevor diese für die Laufzeitverlängerung stimmen, werden sie versuchen, sich bei dem Unternehmen ein Bild von der Lage zu machen. Wer glaubt, dass German Pellets zumindest in dieser prekären Lage eine professionelle Kapitalmarktkommunikation hinbekommt, täuscht sich: Den ganzen heutigen Vormittag über funktionierte der in der Kapitalmarktmitteilung angegebene Link „zu weiteren Informationen“ auf der Unternehmens-Homepage nicht. Aber das passt einfach ins Bild.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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