Das Management von German Pellets hat derzeit alle Hände voll zu tun, denn im Frühjahr läuft ein 80 Millionen Euro schwerer Bond aus. Bisher ist aber nur die Hälfte sicher refinanziert.

German Pellets

26.10.15
Finanzierungen

German Pellets: Hinter 36 Millionen Euro steht ein Fragezeichen

Creditreform prüft das Rating von German Pellets auf eine Herabstufung, weil die Refinanzierung der im nächsten Frühjahr auslaufenden Anleihe bisher nur zur Hälfte geklärt ist. Hinter mindestens 36 Millionen Euro steht ein Fragezeichen. Und die Uhr tickt.

Die deutsche Ratingagentur Creditreform hat das Rating von German Pellets auf „watch“ gesetzt und begründet das mit der anstehenden Rückzahlung der 80 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe im April nächsten Jahres. „Die Anleihe 2011/2016 konnte bisher nur anteilig refinanziert werden. Die vollständige Refinanzierung befindet sich aktuell in der Umsetzung beziehungsweise Planung“, so die Begründung der Analysten.

Festgezurrt hat German Pellets bisher lediglich 26 Millionen Euro. Diese Mittel konnten aus der Emission einer neuen 100 Millionen Euro schweren Anleihe Ende November vergangenen Jahres für die Rückzahlung der 2016er-Anleihe reserviert werden. Für die verbleibenden 54 Millionen Euro hat das Management des Holzpellet-Produzenten eigenen Angaben zufolge auch bereits einen Plan. Aber das, was bereits dazu bekannt ist, ist lückenhaft.

German Pellets will mit Genussschein seine Anleihe ablösen

Eine Komponente des Refinanzierungsplans ist die Emission eines 15 Millionen Euro schweren Genussscheins, der bei Bedarf auf 25 Millionen Euro aufgestockt werden kann. Davon sollen aber nur 10 Millionen Euro – im Extremfall maximal 18 Millionen Euro – zur Refinanzierung der Anleihe herangezogen werden. Den Rest will das Management ins Marketing stecken.

Den Anleihegläubigern liegt ein Angebot vor,  ihre Bonds eins zu eins in Genussrechte zu tauschen. Schmackhaft will German Pellets das seinen Gläubigern mit einer höheren Verzinsung und einer Barzahlung von 25 Euro pro Anleihe machen.

Die Verzinsung des Genussscheins startet bei 8 Prozent bis zum Jahr 2021 und erhöht sich dann bis 2057 alle achtzehn Jahre um 2 Prozent. Für die Anleihe streichen die Gläubiger bisher jährlich 7,25 Prozent ein. Für einen Zinsaufschlag von 75 Basispunkten würden die Gläubiger indes Fremdkapital gegen Eigenkapital tauschen und im Rang somit nach hinten rutschen. Dies gibt Anlass für Zweifel, dass sich viele Bondholder von dem Umtauschangebot begeistern lassen werden.  

Mindestens 36 Millionen Euro müssen noch refinanziert werden

Selbst wenn German Pellets das Maximalvolumen des Genussscheins tatsächlich platzieren könnte, bliebe eine Lücke von 36 Millionen Euro zu dem fällig werden Rückzahlungsvolumen der Anleihe. Wie genau diese Lücke geschlossen werden soll, möchte German Pellets noch nicht kommunizieren.

Ein Blick in die Halbjahreszahlen zum 30. Juni 2015 lässt jedoch vermuten, dass Handlungsbedarf besteht. Aus der Kasse wird German Pellets die Anleihe kaum zurückzahlen können, denn diese war zum Halbjahr 2015 lediglich mit rund 14,2 Millionen Euro gefüllt. Die Geschäftsführung erwartet für das Geschäftsjahr 2015 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 50 Millionen Euro.

Der Kapitalmarkt traut German Pellets die Refinanzierung zu

Der Bondmarkt ist die zentrale Finanzierungssäule des Mittelständlers aus Wismar. Insgesamt hat German Pellets drei Anleihen mit einem Nennwert von 226 Millionen Euro ausstehen. Bankverbindlichkeiten machten mit 64,5 Millionen Euro zum Halbjahr nur 15 Prozent der Gesamtverbindlichkeiten aus. Nächster wichtiger Termin für die German-Pellets-Investoren ist der 3. November, wenn die Frist für den Umtausch der Anleihe in Genussrechte abläuft.

Der Kapitalmarkt präsentiert sich noch recht zuversichtlich, dass es dem Unternehmen gelingen wird, die noch nötigen Mittel bis zum nächsten Frühjahr aufzutreiben. Die drei Mittelstandsanleihen von German Pellets stehen aktuell bei 97 Prozent (2011/2016), 97 Prozent (2013/2018) und 94 Prozent (2014/2019).

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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