Investoren machen ihre Abstimmungsrichtlinien zur Managervergütung immer konkreter und transparenter.

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25.08.20
Finanzabteilung

Managervergütung: Darauf achten die Investoren

Investoren machen ihre Abstimmungsrichtlinien zur Managervergütung immer transparenter, zeigt eine aktuelle Studie. Besonders Deka Investment und Union Investment schneiden im Ranking gut ab. Welche Anforderungen stellen sie an die Konzerne?

Managervergütung – das Thema sorgt auf Hauptversammlungen immer wieder für Diskussionsstoff, wenn Aktionäre Kritik an der Höhe oder der Struktur der Vergütung von CEO, CFO und Co. ausüben. Eine Gesetzesänderung verschafft ihnen künftig mehr Mitsprache: Der Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II) zufolge müssen Aktiengesellschaften künftig regelmäßig über die Vorstandsvergütung abstimmen lassen.

Das Problem: Oft wissen Unternehmen überhaupt nicht, welche Anforderungen ihre Investoren überhaupt an die Managervergütung stellen. Zwar soll das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung größtmögliche Zustimmung erhalten, doch die Abstimmungsrichtlinien der Investoren waren in der Vergangenheit oft ungenau und hinterließen in den Investor-Relations-Abteilungen der Unternehmen viele Fragezeichen.

Doch es gibt Hoffnung: Wie die Studie „Vorstandsvergütung als Herausforderung für Investoren 2020“ der Personalberatung hkp Group mit dem Investor-Relations-Verband Dirk und der Universität Göttingen zeigt, haben sich sowohl die Qualität als auch die Quantität der Vorgaben in den Abstimmungsrichtlinien („Proxy Voting Guidelines“) der in Dax30-Unternehmen engagierten Investoren verbessert (mehr zur Methodik der Studie finden Sie im Infokasten).

Deka und Union Investment erzielen besten Score

Die transparentesten Abstimmungskriterien lieferte der Auswertung zufolge der institutionelle Investor Deka Investment, der mit rund 8,4 Milliarden Euro im Dax investiert ist. Der Asset Manager erhielt für einen sehr detaillierten Kriterienkatalog, der wenig Interpretationsspielraum offen lässt, die Bestnote A. Maßgeblich für die Auswertung waren die drei Faktoren Vergütungshöhe, Vergütungssystem und Transparenz. Je detaillierter der Investor seine Erwartungen an diese Faktoren darlegt, umso besser wurde er benotet.

Auf Platz zwei landete der US-Investor Blackrock, mit einem Dax-Investitionsvolumen von 86,2 Milliarden Euro ein echtes Schwergewicht. Auch Blackrock erhielt die Bestnote A. Den dritten Rang sicherte sich ein weiteres deutsches Haus: Union Investment, mit rund 9,9 Milliarden Euro im Dax investiert, erzielte ebenfalls ein A-Rating. Ebenfalls gut schnitten auch die einflussreichen Stimmrechtsberater Glass Lewis (A) und ISS (B) ab, an deren Empfehlungen sich viele Investoren orientieren.

Trotz aller Verbesserungen bleibt jedoch bei vielen Investoren noch Luft nach oben: Demnach erhielten insgesamt nur vier Investorengruppen ein A-Rating. Eine B-Bewertung erzielten diejenigen Investoren, die zwar allgemein verfasste Anforderungen an die Managervergütung formuliert hatten, deren Anforderungen aber noch Interpretationsspielraum offen ließen. Acht Investoren erreichten diesen B-Score, darunter auch Allianz Global Investors und DWS, die ebenfalls in den Top 10 der transparentesten Investoren rangieren.

Investoren fordern klare Vergütungsstruktur

Doch worauf achten die Investorengruppen an, die bereits eine konkrete Erwartungshaltung an die Vergütungssysteme formuliert haben? Die Studie führt mehrere Beispiele an: So verlangt Deka Investment von den Dax-Unternehmen, dass die Vergütungsstruktur auf eine langfristige und nachhaltige Unternehmensentwicklung ausgelegt ist und „nicht zum Eingehen unangemessener Risiken verleiten darf“.

Diese Anforderungen untermauert die Deka mit konkret formulierten Kriterien: Der Vermögensverwalter fordert, dass die Festvergütung die variable Vergütung an der Ziel-Gesamtvergütung nicht übersteigen soll. Außerdem solle bei der Gesamtvergütung die langfristige variable Vergütung über der kurzfristigen variablen Vergütung liegen. Zuletzt verlangt die Deka, dass der kurzfristig zur Auszahlung kommende Vergütungsteil (das ist die Summe aus der Festvergütung und dem einjährigen Bonus) 60 Prozent der Ziel-Gesamtvergütung nicht überschreitet.

Union Investment nennt Kriterien für Clawback und Malus

Als weiteres positives Beispiel führt die Studie Union Investment an, die Kriterien für Clawback- (Zurückfordern der Vergütung) oder Malus-Fälle (Kürzung der Vergütung) liefert. Demnach muss das Vorstandsmitglied Teile seines Gehalts zurückzahlen oder eine Kürzung hinnehmen, wenn es sich grob pflicht- und sittenwidrig verhält, die Sorgfaltspflichten erheblich verletzt oder gegen Compliance- und Governance-Richtlinien verstößt.

Zudem legen die sehr gut bewerteten Investoren Wert auf einen offenen Dialog zwischen Unternehmen und Aktionär. So „befürwortet“ Allianz Global Investors jährliche Abstimmungen über die Bezahlung des Vorstands und erwartet von allen Unternehmen, bei denen die Vorschläge zur Vergütung auf „erhebliche Ablehnung“ gestoßen sind, das Thema zu adressieren. Der Investor sei sogar dazu bereit, „gegebenenfalls gegen den Vorsitzenden und die Mitglieder des Vergütungsausschusses zu stimmen“, sollte ein Unternehmen nicht auf Bedenken reagieren.

Die Hälfte der Investoren erhielt mangelhaftes Rating

Zahlreiche Investorengruppen sind von konkreten Vorgaben aber noch weit entfernt und müssen ihre Abstimmungskriterien noch deutlich schärfen. Das Gesamturteil aller analysierten Investorengruppen liegt gerade einmal bei einer schwachen C-Bewertung. Investoren mit der Bewertung C greifen Abstimmungsrichtlinien zwar grundsätzlich auf, aber nicht mit dem nötigen Detailgrad, so die Studienautoren. Insgesamt erhielten zwölf Investoren die Note C.

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Die Barclays Bank nennt sogar gar keine Proxy Voting Guidelines für die Vorstandsvergütung. Immerhin ist sie der einzige Investor, der keine Guidelines anführt.

Die hintersten Plätze belegen die Investoren Harris Associates, Franklin Templeton Investments und Causeway Capital Management. Sie alle erhielten die Note D, weil sie das Thema Managervergütung in ihren Abstimmungsrichtlinien gar nicht erwähnen oder keine anwendbaren Informationen liefern. 16 Investoren wurden mit D bewertet. Insgesamt erhielt damit rund die Hälfte der Investoren (28) ein mangelhaftes Rating von C oder D.

Die Unterschiede sind also enorm – und die Herausforderungen für die Investor-Relations-Abteilungen bleiben. Selbst namhafte internationale Investoren zählen der Studie zufolge derzeit nicht zu den „Leuchttürmen in der Kommunikation zur Vorstandskommunikation“.

Die Studie untersucht Richtlinien zur Managervergütung der 40 relevanten Investorengruppen im Dax mit einem Gesamtinvestment von über 300 Milliarden Euro. Zusätzlich wurden auch die Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis untersucht.

Wie andere Unternehmen mit der Vergütungspolitik umgehen, lesen Sie auf unserer Themenseite Managervergütung.