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Nachhaltigkeit bei Steuern: Liefern die Dax-Konzerne ab?

Wie transparent sind die Dax40 beim Thema Steuern? Foto: stock.adobe.com - Funtap
Wie transparent sind die Dax40 beim Thema Steuern? Foto: stock.adobe.com - Funtap

CFOs sehen Nachhaltigkeit als Werttreiber. Kaum ein CFO, der dies nicht für sich und sein Unternehmen reklamiert. Doch Nachhaltigkeit und Fairness beziehen sich nicht nur auf Ressourceneinsatz und Investitionen, sondern auch auf das unangenehme Thema Steuern. Dort werden die am Kapitalmarkt präsenten Großkonzerne immer stärker dazu angehalten, nicht in Grauzonen zu operieren und ihre Steuerstrukturen offenzulegen. In den nächsten Jahren werden hierzu mit ziemlicher Sicherheit verbindliche Regelungen aufgestellt werden. 

PwC hat nun eine erste Bestandsaufnahme vorgelegt, wie transparent die Dax40-Konzerne im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsberichtserstattung mit dem Thema Steuern umgehen. Die Ergebnisse sind durchaus interessant.

GRI setzt CFOs Standards in Sachen Transparenz

Fast alle Dax40-Unternehmen greifen im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung auf das Rahmenwerk der Global Reporting Initiative (GRI) zurück. 2019 wurde das Rahmenwerk erstmals um einen Standard erweitert, der die steuerlichen Informationen für Transparenzberichte im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung vorgibt.

Für die jetzt von PwC veröffentlichte Studie wurden die Unternehmen anhand eines von der Freien Universität Berlin entwickelten „Tax Sustainability Reporting Scores“ bewertet. Die Qualität der veröffentlichten Informationen wurde nicht bewertet. Auf Basis dieser Studie lassen sich Rückschlüsse auf die generelle steuerliche Transparenz der einzelnen Unternehmen ableiten.

Steuerliche Transparenz: Ein Anfang ist gemacht

Das erste und am leichtesten zu interpretierende Ergebnis: Erst drei Viertel aller Dax40-Unternehmen in Deutschland haben überhaupt schon steuerliche Transparenzberichte erstellt. Auf diesen Berichten ließe sich in Zukunft aufbauen, so der PwC-Report. Am besten bewertet die Studie Adidas, Allianz, Bayer, Eon und Munich Re: Diese Konzerne würden sich durch eine vergleichsweise umfassende steuerliche Transparenzberichterstattung auszeichnen, sagt PwC.

Allerdings wird die steuerliche Transparenz noch nicht bei allen untersuchten Unternehmen groß geschrieben. Die Mehrheit der Unternehmen berichtet nicht einmal die Hälfte der vom Standard geforderten Informationen. Die Gründe für die zögerliche Umsetzung der Vorgaben könnten zum einen mit der Corona-Pandemie zusammenhängen. So war das Berichtsjahr 2020, auf das sich die PwC-Studie bezieht, für die erstmalige Umsetzung des Standards freiwillig – die Unternehmen mussten unter dem Standard noch nicht veröffentlichen. 

Testfall Country-by-Country Reporting

Ein weiterer, kritischerer Grund könnte die im Standard vorgesehenen Veröffentlichung des Country-by-Country Reportings (CbCR) sein. Dies ist bei vielen Unternehmen kritisches Terrain – auch weil die Öffentlichkeit und die Steuerfahnder hinter internationalen Steuerkonstruktionen und Verrechnungspreisen oft zu aggressive Mittel der Steueroptimierung vermuten.

Wenn ein Konzern diese CbCR-Daten veröffentlicht, erhalten nicht nur die Finanzbehörden, sondern auch andere Stakeholder Einblicke in grenzüberschreitende Konzernstrukturen, beispielsweise, in welchen Ländern der Konzern überall ansässig ist, inklusive der Zahl der Mitarbeiter, Gewinne und Steuerzahlungen. Aus diesen Daten lassen sich Steuerrisken oder Hinweise zu potenziellen Steuergestaltungen ableiten. Skeptiker dieser Vorschriften befürchten, dass eine Veröffentlichung der CbCR-Daten zu Wettbewerbsnachteilen und auch zu Reputationsrisken aufgrund von Fehlinterpretationen der Daten führen könnte. Zudem ist die Diskussion um die Pflicht zum öffentlichen Country-by-Country Reporting auch politisch noch nicht abgeschlossen.

Allianz mit dem besten Bericht

Für die Form der steuerlichen Transparenzberichterstattung scheint sich auch noch kein einheitlicher Standard gebildet zu haben. Der Begleittext zur Studie beschreibt eine große Bandbreite hinsichtlich Form und Länge der steuerlichen Berichterstattung. Während wenige Unternehmen, etwa die Allianz oder die Munich Re, ausführliche Berichte anfertigen, finden sich bei anderen Unternehmen lediglich vereinzelte Seiten. Der Tax Transparency Report der Allianz enthielt laut PwC viele Informationen zu freiwilligen Berichtsbestandteilen und schnitt daher am besten ab.

Die Unternehmen berichteten vor allem über die allgemeine Steuerstrategie, das Tax-Compliance-Management-System und den Umgang mit Finanzbehörden. Die Scheu zur Offenlegung des CbCRs zeigt sich auch an dieser Stelle. Nur zwei Unternehmen, die Allianz und die Munich Re, setzten überhaupt ein Country-by-Country Reporting im Rahmen der Berichterstattung um – und das auch nur in Teilen.

Höhere Aktienkurse? Steuerliche Transparenz kann sich auszahlen

Sollte sich auch für 2021 herausstellen, dass nur vereinzelte Unternehmen ihre Steuerstrukturen umfänglich transparent machen, wäre dies bedenklich. Jene, die die Transparenzoffensive vorantreiben, vertreten die Meinung, dass sich die zeit- und arbeitsaufwändige steuerliche Transparenzberichterstattung durchaus auch monetär lohnen könnte, weil sie beispielweise Unsicherheit reduziert (und damit auch Risikoprämien am Kapitalmarkt) und sich positiv auf die Unternehmensreputation wirkt.

„Wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass Unternehmen von geringeren Eigenkapital- und Fremdkapitalkosten profitieren könnten. Gesunkene Kapitalkosten bedeuten einen höheren Unternehmenswert, und der spiegelt sich auch in höheren Aktienpreisen wider“, meint Martin Fochmann von der Freien Universität Berlin und Co-Autor der Studie.

PwC erwartet, dass es zukünftig mehr Steuer-Transparenzberichte geben wird und dass die Qualität der berichteten Informationen steigen wird. Verantwortlich dafür seien aber insbesondere erwartete Entwicklungen auf EU-Ebene, wie beispielsweise das Public CbCR. Im Kern sieht das Public CbCR für bestimmte EU-Unternehmen die Veröffentlichung eines Reports vor, der verschiedene unternehmensbezogene Kennzahlen enthalten wird. Mit Einführung des Public CbCR möchte die EU die Steuertransparenz multinationaler Unternehmensgruppen innerhalb der EU erhöhen. Die 38 Dax40-CFOs, die 2020 noch die Transparenz gescheut haben, werden spätestens dann mehr Einblicke gewähren müssen.

melanie.steinhoff[at]finance-magazin.de

Nachwuchsredakteurin | + posts

Melanie Steinhoff ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg studiert und in Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster promoviert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Steinhoff sechs Jahre in der Big-Four-Beratung.

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