Aktivisten haben 2019 etwas weniger Kampagnen gestartet. Dafür rücken neue nach.

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22.01.20
Finanzabteilung

Neue Aktivisten ante portas

2019 wurden Unternehmen viel seltener von Aktionärsaktivisten heimgesucht als im Jahr davor. Doch jetzt scheint sich das Blatt wieder zu wenden, denn eine neue Generation von Aktivisten drängt nach vorne.

Unternehmen sind 2019 sicherer vor aktivistischen Investoren gewesen als im Vorjahr: Die Zahl der von Aktivisten-Kampagnen betroffenen Unternehmen ist gegenüber 2018 um 17 Prozent zurückgegangen. Ins Netz sind 187 Unternehmen gegangen, besonders aus dem gehobenen Mittelstand, wie die Investmentbank Lazard, die Unternehmen beim Umgang mit Aktivisten berät, in ihrer Analyse „Review of Shareholder Activism“ zeigt.

Viele Aktivisten starten Mehrfach-Kampagnen

Von den 187 betroffenen Unternehmen kommen 44 aus Europa, was 23 Prozent aller Kampagnen ausmacht. Manche von ihnen wurden gleich zum Ziel mehrerer Attacken – ein Muster, das sich nicht gerade selten zeigt. Viele Aktivisten untermauern ihre Initiativen mit dem Starten mehrerer verschiedener Kampagnen hintereinander.

Massiv mit einem Aktivisten zu tun bekommen hat es im vergangenen Jahr vor allem Scout24. Im Ring standen auf der einen Seite die Internetplattform, auf der anderen der Aktivist Elliott. Es ging um den Verkauf der Sparte AutoScout24. Der Kampf zog sich über fünf Monate, und Elliott übte so vehement Druck aus, bis Scout24 schließlich die Einheit im Dezember an den PE-Investor Hellmann & Friedmann verkaufte. Der Clou dabei und typisch für einen aktivistischen Investor: Kurz danach warf Elliott einen großen Teil seiner Scout24-Aktien auf den Markt.

Auch SAP blieb von Elliott – laut Lazard gemeinsam mit Starboard der rührigste Aktivist 2019 – nicht verschont. Doch bei dem Softwarekonzern spielt sich die Auseinandersetzung – so es denn eine gibt – noch im Verborgenen ab. Nach eigenen Angaben unterstützt der Hedgefonds von Paul Singer seit dem Einstieg im April vergangenen Jahres die Ziele der Walldorfer. Allerdings sagte SAP zu, mehr Aktien zurückzukaufen als ursprünglich geplant. Im Oktober überraschte der Dax-Konzern mit einem Führungswechsel: SAP-Chef Bill McDermott trat zurück, für ihn übernahmen Jennifer Morgan und Christian Klein.

Was wollen die aktivistischen Investoren?

Wegen der rückläufigen Zahlen aufatmen sollten die CEOs und CFOs allerdings nicht, denn die Zahl der Investoren, die aktiv wurden, hat zugenommen. Sie stieg auf den Rekordwert von 147. Darunter sind 43 Fonds, die erstmals als Aktivisten auftraten – und es vermutlich in Zukunft häufiger tun werden.

Die Ziele der 147 Hedgefonds sind laut Lazard sehr unterschiedlich. 35 Prozent machten im vergangenen Jahr Druck auf einen Eigentümerwechsel. So forderte der bekannte Raider Carl Icahn, dass der US-amerikanische PC- und Druckerhersteller HP ein Übernahmeangebot der kleineren Xerox annehmen solle. Dies würde eine potentielle Kosteneinsparung von 2 Milliarden US-Dollar ermöglichen, argumentierte Icahn. Nachdem die HP-Führung die Xerox-Offerte ablehnte, wandte sich Icahn an die Aktionäre und drängte auf ihre Unterstützung.

Fast genauso viele Aktivisten (33 Prozent) forderten die Zerschlagung oder gar Auflösung eines Unternehmens, wie im Fall Scout24. Damit kam es so, wie Lazard schon im Sommer vermutet hatte: Der M&A-getriebene Aktivismus dominierte 2019. Insgesamt gab es im vergangenem Jahr 99 Kampagnen mit M&A-Hintergrund, was 47 Prozent aller aktivistischen Aktivitäten entsprach. 2018 lag der Anteil lediglich bei 35 Prozent.

Manche Manager gerieten aber auch persönlich in die Schusslinie der Aktivisten. Bei 65 Unternehmen drängten die Investoren darauf, Vorstände auszuwechseln. Insgesamt kostete dies 122 Top-Manager ihren Job.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de