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So sieht Investor Relations in Zukunft aus

Social-Media-Kanäle wie Tiktok gewinnen für Investor Relations an Bedeutung. Foto: Aleksei – adobe.stock.com.
Social-Media-Kanäle wie Tiktok gewinnen für Investor Relations an Bedeutung. Foto: Aleksei – adobe.stock.com.

Investor Relations wird in Zukunft anders ablaufen als bisher, glaubt Julia Stötzel. „Für CFOs wird es wichtiger, Linkedin zu nutzen, um die Equity Story zu pushen“, erklärt die Investor-Relations-Beraterin der Firma Junicorn Consulting, die bei Unternehmen wie About You und Delivery Hero tätig war. In diesem Jahr wurde Stötzel – in ihrer Funktion bei About You – im SDax als beste IR-Managerin ausgezeichnet. „Einmal im Quartal die Finanzkennzahlen zu berichten, reicht künftig nicht mehr aus“, meint sie.

Linkedin-Auftritt von CFOs

Finanzchefs könne es helfen, wenn sie eine „Personal Brand“ bei Social Media aufbauen, erläutert Stötzel. „Wichtig ist aber, dass CFOs Linkedin nicht mit einem privaten Facebook-Account verwechseln.“ Auch politische Inhalte sollte man vermeiden, da diese polarisieren können.

Nichtsdestotrotz sei die Faustregel, dass sich Menschen gerade mit anderen Menschen bei Social Media verbinden wollen. „Von Learnings oder auch über Rückschläge zu berichten, kann spannend sein und eine gewisse Nähe zur Community aufbauen“, erläutert die Investor-Relations-Managerin. „Es gibt einige No-Gos, aber das größte ist, Linkedin gar nicht zu nutzen“, ist sich Stötzel sicher.

„Es gibt einige No-Gos, aber das größte ist, Linkedin gar nicht zu nutzen.“

Julia Stötzel, Junicorn Consulting

Neben Linkedin könne man auch Twitter, Facebook oder Instagram zur IR-Arbeit heranziehen. „In asiatischen Ländern haben wir bereits den Einsatz von Tiktok für IR-Arbeit beobachtet.“ Wenn man als Unternehmen nicht dort ist, wo die Investoren von morgen sind, wird man nicht weiter als Informationsquelle wahrgenommen, resümiert Stötzel.

Podcast für Finanzkommunikation

Auch Podcasts können für Investor Relations genutzt werden, meint die ehemalige Delivery-Hero-IR-Directorin – man hat entweder die Möglichkeit, einen eigenen Unternehmens-Podcast zu starten oder kann als Gast bei einem Drittanbieter-Podcast auftreten. „Dabei hängt es von der jeweilig interviewten Person ab, wie viel der- oder diejenige preisgeben möchte,“ bemerkt Stötzel. Sie selbst co-hostet zusammen mit Caroline Jabban seit kurzem einen eigenen Podcast zum Thema Investor Relations namens „Street Tweets“. Genauso seien aber auch monatliche oder quartalsmäßige Newsletter eine Möglichkeit der Finanzkommunikation.

Allgemein sei es wichtig, einen roten Faden beim Social-Media-Auftritt und in der Finanzkommunikation zu haben. Dazu gehöre es, in der Kommunikation konsistent zu sein: „Es empfiehlt sich, etwa mindestens einmal in der Woche Investor-Relations-Content zu posten“, meint Stötzel.

Austausch mit Investoren

Ein weiterer Vorteil: CFOs können durch soziale Plattformen auch in Interaktion mit ihren Investoren treten. „Gerade jüngere Investoren präferieren diese Art der Kommunikation.“ So können Finanzchefs Real-Time-Feedback erhalten. „Aber auch immer mehr institutionelle Investoren informieren sich inzwischen via Social Media.“

Allerdings gebe es unterschiedliche Typen von Investoren: „Einige Investoren lesen natürlich nach wie vor den 300-seitigen Jahresabschlussbericht, andere wiederum wollen diese Inhalte in prägnanterer Form aufbereitet haben“, kommentiert die IR-Beraterin. Generell gebe es ihrer Ansicht nach einen Trend zur „Tiktokification“ von Informationen, das heißt, Menschen wollen immer kürzeren, schnelleren Content in Form von Videos und Audios konsumieren.

Tiktok auch bei Mittelständlern?

Aber für welche Unternehmen eignet sich diese neue Art der Kommunikation? „Am natürlichsten ist diese Art der Kommunikation für solche Unternehmen mit einer jungen, modernen DNA, jungen Kunden, oft im Lifestyle oder allgemein im B2C-Bereich“, meint Stötzel. Gleichwohl seien die neuen Social-Media-Kanäle im Marketing bereits relevant für jegliche andere Unternehmen in konservativeren Industrien wie Banken und Versicherungen sowie im Mittelstand. Die These der Beraterin ist, dass sich dieser Trend auch in der Finanzkommunikation fortsetzen wird.

„Unternehmen, für welche diese Art der Kommunikation (noch) nicht natürlich ist, sollten einmal überprüfen, ob es in anderen Teilen des Unternehmens bereits eine Social Media Communication gibt. Oft wird man in Marketing- oder HR-Teams fündig“, so die Beraterin. Alternativ könne man sich das Wissen natürlich auch von außen einkaufen.

Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.