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5 Antworten zur D&O-Versicherung

Mit einer D&O-Versicherung können Manager ihr Haftungsrisiko verringern. Doch die D&O-Police greift nicht in allen Fällen.
Jirsak/iStock/Thinkstock/Getty Images

Wie funktioniert eine D&O-Versicherung?

Versicherungsnehmer ist nicht der Manager selbst, sondern das Unternehmen. Dieses schließt die D&O-Versicherung (Kurzform für Directors-and-Officers-Versicherung, im deutschen auch als Managerhaftpflichtversicherung bekannt) für seine Organe und Führungskräfte ab. Versichert sein können der Vorstand einer AG oder die Geschäftsführung einer GmbH, aber auch Mitglieder des Aufsichtsrats oder Beirats sowie weitere leitende Angestellte wie beispielsweise Prokuristen.

Wofür braucht man eine D&O-Versicherung?

Unterläuft einem Geschäftsführer, Vorstand oder Aufsichtsrat ein Managementfehler, haftet er vom Grundsatz her unbegrenzt für den entstehenden Schaden. Für die Haftung kann auch  das Privatvermögen herangezogen werden, und oftmals geht es bei Haftungsfällen um Summen, die existenzbedrohend sein können. Im Dezember 2013 hatte das Landgericht München den inzwischen verstorbenen früheren Siemens-CFO Heinz-Joachim Neubürger zu einem Schadensersatz in Höhe von 15 Millionen Euro verurteilt. Neubürger legte Berufung ein und einigte sich mit dem Industriekonzern letztlich auf den Vergleich, den Rechtsstreit gegen eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro zu beenden.

Fordert ein Unternehmen Schadenersatz, kann die D&O-Versicherung den Manager schützen. Laut Marcel Roeder vom Versicherer Aon Risk Solutions sind die Summen, um die gestritten wird, zuletzt deutlich gestiegen. Entsprechend hätten auch Industriekonzerne die abgedeckten Summen in den Versicherungspolicen angehoben. In Konzernen mit 1 Milliarde Umsatz lägen diese oftmals bei 100 Millionen Euro und mehr. 

Wie können Manager ihr persönliches Risiko senken?

Das Problem: Ein Risiko birgt im Grunde jede Entscheidung, die ein Vorstand trifft, ohne die Details selbst geprüft zu haben – ein Berufsrisiko, dass sich in der Praxis kaum vermeiden lässt.  Als haftungsrelevant können sich zum Beispiel M&A-Deals entpuppen, die per se voller Risiken stecken. So kündigte kürzlich der Konzern SKW Stahl-Metallurgie an, seine frühere CEO Ines Kolmsee auf Schadensersatz verklagen zu wollen. Unter ihrer Führung kaufte SKW in Schweden zu und gründete ein Werk in Bhutan. Laut SKW soll dabei Geld vernichtet worden sein.

Transaktionen mit Kapitalmarktbezug wie Börsengänge oder die Emission von Anleihen können ebenfalls hohe Haftungsrisiken für die Vorstände mit sich bringen, die dann womöglich im Nachgang die D&O-Versicherung beschäftigen. Auch Compliance-Verstöße oder Schadensfälle durch Cyberrisiken sind mögliche Auslöser für einen Haftungsfall.

Um sich im Nachhinein gegen Vorwürfe wehren zu können, sollten Vorstände ihre Entscheidungen, die sie im Rahmen größerer Transaktionen fällen, immer sorgfältig dokumentieren. Wichtig ist es, die Gründe für das eigene Handeln zu erläutern: Wer vermerkt, auf Basis welcher Kenntnisse und aus welchem Grund er seine Annahme getroffen hat, kann dies im Nachhinein auch für andere besser nachvollziehbar darlegen.  

Was tun, wenn das Unternehmen einen Verstoß erkannt haben will?

Zunächst sollte der Manager einen Blick in seine D&O-Police werfen und Kontakt zu seiner D&O-Versicherung aufnehmen. Die Versicherung zahlt nicht nur bei berechtigten Forderungen gegen den versicherten Manager, sondern sie hilft auch, etwaige unberechtigte Schadensersatzforderungen abzuwehren.

Einige Versicherungen bieten zudem Leistungen an, die den versicherten Managern schon in frühen Phasen eines Haftungsstreitfalls helfen können. So bieten manche Policen bereits eine Kostendeckung, wenn ein Ermittlungsverfahren zu möglichen Haftungsvergehen anläuft. Andere leisten in dieser frühen Phase eine erste Beratung für die Versicherten. Über die spätere Verteidigungsstrategie sollte das Unternehmen sich in jedem Fall mit der D&O-Versicherung absprechen.

In der Praxis enden viele Streitigkeiten mit einem Vergleich: Versicherungsexperte Marcel Roeder geht davon aus, dass dies bei mehr als 80 Prozent der Haftungsstreitfälle der Fall ist.

Wann zahlt die D&O-Versicherung nicht?

Wer vorsätzlich gegen seine Pflichten verstoßen hat, der hat im Zweifel bei seiner D&O-Versicherung schlechte Karten: „Wissentliche Pflichtverletzungen sind das Einfallstor für Versicherungen“, sagt Marcel Roeder von Aon Risk Solutions. Wie fast immer im rechtlichen Rahmen lässt sich im Zweifelsfall auch bei D&O-Versicherungen trefflich streiten, was im konkreten Gesamtkontext des Streitfalls als „wissentliche Pflichtverletzung“ zu werten ist und was nicht.

Darüber hinaus muss zu dem Zeitpunkt, in dem die Ansprüche erhoben werden, Versicherungsschutz durch die D&O-Versicherung bestehen. Passierte der Verstoß im Jahr 2012 und wird erst 2014 aufgedeckt, kann eine Versicherung, die Ende 2012 ausgelaufen ist, die Zahlung verweigern. Manager sollten daher eine Nachmeldefrist vereinbaren.

Auch wichtig: Viele D&O-Versicherungen schließen einzelne Haftungsanlässe aus. Führungskräfte sollten sich daher mit den Vertragsdetails vertraut machen. Häufig findet sich zum Beispiel der Dienstleistungsausschluss: Er zieht eine Grenze zwischen Dienstleistungen, die der versicherte Manager im Rahmen der operativen Tätigkeit unmittelbar selbst erbracht hat (nicht versichert) und Handlungen, die er im Rahmen seiner gesellschaftsrechtlichen Funktion als Organ des Unternehmen vorgenommen hat (versichert).

Klassisches Beispiel ist die Bank: Würde ein Vorstand persönlich den Kredit mit einem Kunden abschließen, so wäre dies kein organschaftliches Handeln. Sollte der Kredit ausfallen, weil der Vorstand die Bonität des Kunden nicht ausreichend überprüft hat, könnte die D&O-Versicherung mit diesem Argument die Zahlung verweigern.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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