SKW Stahl fordert Schadensersatz von Ex-Chefin Ines Kolmsee.

FINANCE-TV

08.06.15
CFO

SKW verklagt Ex-Chefin Ines Kolmsee

Ines Kolmsee hat als Chefin der Chemiefirma SKW Geld vernichtet, behauptet der neue Vorstand – und will Schadenersatz. Möglicherweise wurden auch die Ex-CFOs Gerhard Ertl und Oliver Schuster verklagt. Mit Ertl streitet SKW sich ohnehin schon vor Gericht.

Ines Kolmsee hat als Chefin des Chemieherstellers SKW ehrgeizig investiert – und  sich dabei verhoben, behauptet das 1000-Mann-Unternehmen aus dem äußersten Südosten Bayerns. Jetzt, ein Jahr nach ihrem Abgang, verklagt ihr ehemaliger Arbeitgeber Kolmsee auf Schadensersatz.

Kolmsee – heute Technikvorstand bei EWE – kaufte beziehungsweise baute im Schweden und Bhutan Werke, um Grundstoffe für die Endprodukte des Spezialchemiekonzerns herzustellen und den Konzern damit vertikal zu integrieren. Laut SKW habe sie dabei in hohem Ausmaß Geld vernichtet: im Jahresabschluss 2014 berichtigte der neue Vorstand um Finanzchefin Sabine Kauper den Bilanzansatz beider Fabriken auf Null, so ein Unternehmenssprecher. Das schlug mit 84 Millionen Euro zu Buche. Zum Vergleich: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei gerade einmal 17,5 Millionen Euro.

Gegen Ex-CFO Gerhard Ertl läuft ein Rechtsstreit

Das Werk in Schweden ist bereits verkauft, dieses Jahr soll laut eines SKW-Sprechers auch eine Lösung für das Werk in Bhutan gefunden werden. Die Schadenersatzforderung an Kolmsee liegt unterdessen beim Landgericht Traunstein. Dort hat SKW am Freitag nach eigenen Angaben die Klage eingereicht.

Insgesamt sollen sich die Forderungen von SKW laut eines Berichts des Handelsblatts auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Im Interview mit FINANCE-TV Ende 2012 hatte Kolmsee noch einen sehr anderen Ausblick auf die Investments gegeben.

Neben Kolmsee ist offenbar noch mindestens eine weitere Person angeklagt, so der SKW-Sprecher. Offen ließ er, ob es sich dabei um einen der beiden Ex-CFOs Gerhard Ertl und Oliver Schuster handelt. Ertl hat Ende 2011 kurz vor Ablauf seines Vertrags das Unternehmen verlassen. Mit ihm führt das Unternehmen einen zivilrechtlichen Streit, der laut dem SKW-Sprecher immer noch läuft – worum es geht, ist nicht bekannt. Sein Nachfolger Oliver Schuster war Ende 2013 zu Vossloh gewechselt.

Dem neuen Management um Finanzchefin Sabine Kauper und CEO Kay Michel ist es in der Zwischenzeit gelungen, SKW zu stabilisieren, auch wenn die Ausgangslage schwer war. Da nach den millionenschweren Abschreibungen auch die Finanzierung wackelte, musste Kauper mit den Banken zuerst ein Stillhalteabkommen und anschließend eine umfassende Neufinanzierung aushandeln. Der finanzielle Befreiungsschlag gelang SKW im Januar dieses Jahres.  

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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