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Bühler Leybold Optics: Wie Big Data Kapital freisetzt

Der COO von Bühler Leybold Optics, tätig im Bereich der Glasbeschichtung, berichtet von seinen Erfahrungen mit Big Data Analytics.
RGtimeline/iStock/Thinkstock/Getty Images

Im Jahr 2012 hatte die Krise der Solarbranche viele deutsche Unternehmen hart getroffen. Nicht nur die Hersteller von Solarzellen hatten zu kämpfen – auch andere Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette machten eine schwierige Zeit durch. So auch Bühler Leybold Optics, ein Unternehmen, das im Bereich Glasbeschichtung tätig ist. Die Tochter des großen Schweizer Konzerns Bühler hatte seinerzeit auch Photovoltaikanlagen beschichtet und stand daher vor großen Restrukturierungsaufgaben.

Im Jahr 2014 konnte der COO und ehemalige CFO Domenic von Planta auf einen erfolgreichen Turnaround zurückschauen. „Jetzt war ein neuer Cashbedarf da, um neue Investitionen zu tätigen“, erinnert sich von Planta. Doch woher sollte das Geld kommen? Working Capital Optimierung war damals das Stichwort. Die Methode war jedoch außergewöhnlich: Bühler Leybold Optics wollte sein Working Capital mithilfe von Big Data Analytics freisetzen. Wie genau Domenic von Planta dabei vorgegangen ist und welche Tipps er für CFOs anderer Unternehmen hat, darüber hat er kürzlich in einem FINANCE-Webinar (Videomitschnitt verfügbar) berichtet.

Transparenz und Handlungsmöglichkeiten durch Big Data Analytics

Das Thema Big Data beschäftigt viele Unternehmen, wie eine Umfrage unter den Zuhörern des Webinars gezeigt hat – doch Erfahrungen haben erst wenige. Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt Big Data Analytics zur Optimierung von Working Capital zwar noch nicht, will es aber ausprobieren. Rund ein Viertel der Befragten nutzt Big Data Analytics, es spielt aber noch keine zentrale Rolle beim Working Capital Management. Jeder Vierte erhofft sich, bessere Einblicke ins Unternehmen zu bekommen oder neue Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt zu bekommen, zeigt die Umfrage. Überraschend: Mit einer Zeit- oder gar Kostenersparnis rechnet niemand.

Das mag wohl daran liegen, dass gerade zu Beginn größere zeitliche und finanzielle Investitionen anstehen, wenn Unternehmen sich an Big Data Analytics versuchen wollen. Der COO von Bühler Leybold Optics entschied sich für eine Software des IT-Unternehmens Trufa. Früher glich die Analyse für das Working Capital Management – wie bei vielen anderen Unternehmen auch – einem Blick in den Rückspiegel, erinnert er sich: „Wir haben zwar versucht auf Basis der Berichterstattung Schlüsse für die Zukunft zu ziehen, doch am Ende war unsere Analyse schon sehr stark rückwärtsgerichtet.“

Korrelationsanalysen können beim Working Capital Management helfen

Der neue Weg, den das Unternehmen nun beschreiten wollte, war die prädiktive Analyse: Wie verändert sich beispielsweise die DIO, also die Days Inventory Outstanding (Lagerdauer in Tagen), wenn ich meine Lieferperformance verbessere? Und welchen Einfluss hat das auf die finanziellen Aspekte? „Wenn ich das weiß, dann kann ich besser meine Aktionen priorisieren und in den Dialog zwischen Finanzseite und Operationsseite treten“, so der COO. Möglich machen soll das die Software. Sie durchsucht die Daten aus dem ERP-System des Unternehmens und kann Ursache-Wirkungskorrelationen finden, die bei der Entscheidung nach konkreten Maßnahmen helfen sollen, erklärt der Gründer und COO von Trufa, Ralph Treitz.

„In vielen Unternehmen sind Ideen zur Verbesserung des Working Capitals vorhanden, doch die müssen verifiziert werden“ erklärt er im Webinar. „Nur eine grobe Idee darüber, wo Verbesserungspotentiale liegen könnten, hilft nicht weiter. Da muss man mit Korrelationsanalysen arbeiten, und damit den Wertetreibern auf die Spur kommen.“ Vor allem seien keine Data-Scientists für die Analyse nötig – die Software sei für Mitarbeiter mit betriebswirtschaftlichen Hintergrund geschrieben worden, betont Treitz.

Die Zuhörer dürften das gerne hören, immerhin sehen 40 Prozent das fehlende Know-How ihres Personals als größte Herausforderung bei der Nutzung von Big Data Analytics. Aber auch den Widerstand der Mitarbeiter, hohe Investitionskosten oder schlicht die Unklarheit darüber, was das ganze überhaupt bringen soll, sehen die Befragten als problematisch an.

Info

Welche Herausfoderungen COO Domenic von Planta bei der Working Capital Optimierung durch Big Data Analytics sieht, welche Voraussetzungen Unternehmen erfüllen sollten und welche Rolle der CFO dabei hat, können Sie in voller Länge im Webinar nachhören.

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Julia Schmitt ist Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung, Controlling und Bilanzierung. Julia Schmitt hat einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre und Publizistik und arbeitete während ihres Studiums unter anderem in der Online-Redaktion der ZDF heute.de-Nachrichten.

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