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07.04.16
Finanzabteilung

EU verärgert deutsche CFOs mit Steuertransparenz

Für Konzerne in der EU wird es ernst: Bereits für das laufende Geschäftsjahr sollen sie ihre globalen Gewinnströme und Steuerzahlungen detailliert aufschlüsseln. Die Transparenzauflagen für Unternehmen scheinen weiter zu gehen als von der BEPS-Initiative geplant.

Die EU drückt bei der Umsetzung der OECD-Initiative „Addressing Base Erosion and Profit Shifting“, kurz BEPS, weiter auf das Gaspedal: Schon für das laufende Geschäftsjahr 2016 sollen in der EU ansässige Unternehmen über ihre globale Gewinnverteilung Auskunft geben. Darauf haben sich die EU-Finanzminister verständigt und damit den Weg frei gemacht für das sogenannte Country-by-Country-Reporting innerhalb der EU. Die Transparenzvorschrift ist zentraler Bestandteil der BEPS-Initiative, um Steueroasen auszutrocknen.

Die finale Verabschiedung der Richtlinie wird für Mai erwartet, anschließend haben die EU-Mitgliedsstaaten zwölf Monate Zeit, die Vorgaben in nationales Recht umzusetzen. Doch so lange dürfte es nicht dauern: „Es wird erwartet, dass der Gesetzgeber das Country-by-Country-Reporting bis Ende dieses Jahres in deutsches Recht gießen wird“, sagt Sven-Eric Bärsch, Steuerexperte bei der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg. Für deutsche CFOs wird es damit ernst: Sie müssen die notwendigen Finanzinformationen bereits jetzt sammeln.

Neue Details zum Country-by-Country-Reporting

Der zusätzliche Reporting-Aufwand für die Finanzchefs ist immens: Aufgeschlüsselt nach EU-Staaten müssen sie den Steuerbehörden künftig eine Reihe von sensiblen Unternehmensdaten offenlegen. Dazu gehören die Zahl der Mitarbeiter, Nettoumsatz, Gewinn beziehungsweise Verlust vor Steuern, die für das laufende Geschäftsjahr zu erwartende Einkommensteuerforderung sowie die faktisch gezahlte Einkommensteuer für das letzte relevante Geschäftsjahr. „CFOs sollten sich Definitionen der einzelnen Posten genau anschauen“, rät Bärsch. So sind etwa die Umsatzerlöse anders definiert als unter HGB.  Für die genauen Details des Country-by-Country-Reporting müssen deutsche Finanzchefs aber das deutsche Gesetz abwarten, die EU-Richtlinie gibt nur den Rahmen vor.

Die Zeit drängt, denn die geplante EU-Richtlinie definiert auch das Timing: „Die Unternehmen haben nach Ablauf des Geschäftsjahres zwölf Monate Zeit, um die Daten an das Finanzamt zu übermitteln“, sagt Steuerexperte Bärsch. Die nationale Finanzbehörde teilt diese Informationen dann mit allen EU-Mitgliedsstaaten, in denen das Unternehmen tätig ist. Mit diesen Informationen ausgestattet, können die Steuerbehörden künftig besser prüfen, glaubt die EU. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Zahl der Betriebsprüfungen steigen dürfte.

Deutsche CFOs hinken bei BEPS-Vorbereitungen hinterher

Diese Transparenzpflicht gilt für alle Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro. Während sich viele Großkonzerne bereits auf das Country-by-Country-Reporting vorbereitet haben, hinken vor allem Mittelständler noch hinterher. Ende 2015 planten laut der European Tax Survey erst rund 42 Prozent der befragten deutschen Unternehmen konkrete Aktionen im Rahmen von BEPS.

Unternehmen in anderen Ländern wie beispielsweise den Niederlanden waren zum damaligen Zeitpunkt schon deutlich weiter. Dort, aber auch Großbritannien und Spanien, gibt es bereits ein Gesetz zum Country-by-Country-Reporting. In Deutschland war die Diskussion dagegen zuletzt etwas erlahmt. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe arbeitet seit Monaten an einem entsprechenden Gesetz, bislang aber ohne nennenswerte Resultate. Die EU-Pläne zwingen Deutschland nun zum Handeln.

CFOs droht Offenlegungspflicht über Gewinne und Steuern

Und Brüssel hat noch weitere für CFOs wenig erfreuliche Pläne: Es zeichnet sich ab, dass die EU-Kommission das Country-by-Country Reporting nicht nur den Finanzbehörden, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich machen will. „Darüber wird derzeit noch debattiert“, sagt Steuerexperte Bärsch. Die Konzerne wären dann verpflichtet, die darin enthaltenen Informationen auf ihrer Homepage zu veröffentlichen. Klarheit dürfte es am 12. April geben, dann will die EU-Kommission die Richtlinie dem Vernehmen veröffentlichen.

Gäbe es tatsächlich eine Offenlegungspflicht, würde die EU deutlich über die Empfehlungen der BEPS-Initiative hinausgehen. Das ist nicht unwahrscheinlich, war die EU doch auch bei ihrem vor zwei Monaten vorgelegten Gesetzespaket zur Bekämpfung von Steuervermeidung zum Teil deutlich strenger als BEPS. Damit zeichnet sich immer klarer ab: Aggressive Steuergestalter haben es in der EU künftig schwer. Für alle anderen erhöhen sich zumindest der Arbeitsaufwand und das Fehlerrisiko.

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