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Industrie-CFOs gehen in den Sparmodus

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Auch aus der Siemens-Zentrale am Wittelsbacher Platz in München wurden Sparmaßnahmen angekündigt.
Siemens

Nach zwei Jahren, in denen sich die Finanzabteilungen mit der Wachstumsfinanzierung beschäftigen konnten, sind sie nun wieder in ihrer Kernfunktion gefragt: als Sparmeister im Konzern. Sie müssen die einbrechende Konjunktur und verschlechterten Zukunftsaussichten ihrer Unternehmen möglichst gewinnneutral verdauen. Das geht nur mit Kosten- und Investitionskürzungen. Dabei kämpfen die CFOs an unterschiedlichen Fronten.

Den ersten Schritt bewältigt hat bereits Daimler-CFO Uebber,  im Sindelfinger Daimler-Werk konnte die ärgste Konfrontation abgewendet werden. Die strittige Produktion der S-Klasse wurde auf eine Schicht verkürzt. 10.000 Wagen oder 15 Prozent weniger werden nun produziert – „für einige Montate“, wie der Konzern hofft. Der Gang vor die außerbetriebliche Einigungsstelle konnte vermieden werden. Die Mitarbeiter sollen nun deutlich flexibler eingesetzt werden und auch die C-Klasse montieren. So können die Mitarbeiter den Schichtrhythmus beibehalten und ihr monatliches Gehalt (inklusive Schichtzulagen) sichern. Daimler hingegen begrenzt die Zusatzkosten und bekommt mehr Flexibilität in die Belegschaft. Künftig wird Daimler keine Zuschläge für Mehrarbeit mehr bezahlen, solange sich die Arbeitskonten der Belegschaft im Minus befinden.  Beobachter rechnen damit, dass die Sindelfinger Einigung zur Blaupause für andere Mercedes-Werke wird und am Ende sogar zu einer umfassenden Weiterentwicklung des Produktionskostenmanagements bei Daimler führen könnte.

Daimler-Werksdirektor Willi Reiss wertet das Ergebnis als Erfolg für das Management: „Wir konnten uns in wesentlichen Punkten durchsetzen.“ Doch das allein reicht nicht: Noch nicht offiziell von Konzernseite bestätigt ist die Verabschiedung des Sparprogramms „Fit for Leadership“, das ab 2013 greifen und wohl Ersparnisse von über 3 Milliarden Euro einbringen soll.

Auch Siemens kürzt

Siemens hat im Juli bereits ein Sparprogramm angekündigt, ohne bisher Details zu nennen. Spätestens zur Vorlage der Jahreszahlen am 8. November wird mit Details zum Stellenabbau gerechnet. 4 Milliarden gelten in Analystenkreisen als eine notwendige Größe, um das Gewinnniveau halten zu können. Siemens hat Probleme im Energie- und in seinem Infrastrukturbereich und gilt zumindest in diesen Sparten als restrukturierungsreif. Auch in anderen Unternehmensbereichen leiden die Münchener darunter, dass immer noch ein großer Teil des Geschäfts in Europa gemacht wird, mehr als zum Beispiel beim US-Wettbewerber General Electric, bei dem sich Umsatz und Gewinn im Moment deutlich besser entwickeln als bei Siemens. Der Dax-Konzern hat seit 2011 stark Personal aufgebaut, was jetzt zu einer Schieflage der Kostenseite führt.

Leiharbeit wird abgebaut

Die Führung von SMA Solar in Niestetal bei Kassel muss noch heftiger auf die Bremse treten, nachdem der Konzern als einer der letzten Solarkonzerne im kommenden Jahr in die roten Zahlen stürzen wird, wie CEO und Noch-CFO Pierre-Pascal Urbon Ende vergangener Woche eingestehen musste. In Kassel müssen 450 der 5.000 Beschäftigten gehen – mindestens. Damit soll der Sprung zurück in die Gewinnzone gelingen. Die Neubesetzung des Finanzressorts mit der Ex-Siemens-Managerin Lydia Sommer ist ein klares Signal, dass das Controlling stärker gefragt sein wird. CEO Pierre Pascal-Urbon braucht angesichts des massiven Umsatzeinbruchs Verstärkung und hat offenbar eingesehen, dass jetzt nicht die richtige Zeit ist, um sich neben den strategischen Aufgaben nebenbei auch noch um den CFO-Bereich zu kümmern.

Auch beim Stahlhändler Klöckner & Co. wird CEO/CFO Gisbert Rühl Anfang kommenden Jahres die Doppelfunktion aufgeben, Ex-Schuler-CFO Marcus Ketter wird neuer Klöckner-CFO werden und dabei eine Reihe von Spar- und Effizienzprogrammen auflegen, die Rühl in den vergangenen Monaten als Reaktion auf das schwache Stahlgeschäft angestoßen hatte.

Kurzarbeit steht an

Wie schnell sich die Lage zuspitzt, erkennt man daran, dass Industrie und Gewerkschaften gemeinsam die Wiedereinführung des Kurzarbeitergelds fordern. Geht es nach Rainer Dulger, dem neuen Chef des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, soll das Kurzarbeitergeld ausgeweitet und bis zu zwei Jahre lang bezahlt werden.

Eins scheint deutlich: Die Konzerne werden und müssen – wie zum Beispiel Daimler – ihre Interessen künftig wieder härter als zuletzt gegen die Belegschaft vertreten, da die Spielräume kleiner werden. Es wird wieder ungemütlich – auch für die CFOs, die obersten Controller.
 
marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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