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24.03.20
Finanzierungen

Coronavirus sorgt für Spread-Explosion

Das Coronavirus jagt am Kapitalmarkt die Risikoprämien nach oben. Welche Folgen hat das für Unternehmen wie Cheplapharm, die sowohl Term Loans als auch High-Yield-Bonds am Markt haben?

Das Coronavirus sendet riesige Schockwellen durch die Kapitalmärkte. Das größte Problem ist, dass der endgültige wirtschaftliche Schaden für die meisten Unternehmen nicht absehbar ist. Letztlich hängen die Folgen davon ab, wie lange die einzelnen Shut-Downs in den verschiedenen Ländern anhalten werden.

Das Ausmaß dieser Verunsicherung ist nicht nur bei Aktien und Bonds, sondern auch an der Spread-Entwicklung für institutionelle Kapitalmarktdarlehen (Team Loan B) abzulesen. Als Referenzwert kann hierfür der Index „JPM Loan Indices“ genommen werden, da der europäische TLB-Markt primär ein Single-B-Markt sei, auch wenn dieser zuletzt stärker in den BB-Bereich hineingewachsen sei, wie Investmentbanker berichten. 

Coronavirus treibt Spreads von Term Loans

Und der Spread-Anstieg im Single-B-Bereich ist enorm. Die Renditen für solche Term Loans liegen dem Index zufolge derzeit bei rund 9,3 Prozent – eine glatte Verdoppelung gegenüber dem Jahrestief von 4,1 Prozent, das unmittelbar vor Beginn der Coronakrise markiert wurde. Allein in der vergangenen Woche sind die Renditen um beinahe 300 Basispunkte angestiegen.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch im BB-Bereich. Dort liegen die Renditen mit rund 6,6 Prozent zwar deutlich niedriger, und auch der Anstieg in der zurückliegenden Woche fiel mit 213 Basispunkten etwas weniger dynamisch aus als im Single-B-Bereich. Aber auch im  Doppel-B-Segment haben sich die Renditen im Vergleich zum Jahrestief von 2,9 Prozent mehr als verdoppelt. 

Indes: So heftig der Term-Loan-Markt damit auf das Coronavirus reagiert – die Ausschläge sind nicht so stark wie am deutlich größeren High-Yield-Markt. Dort liegen die Renditen für BB-Papiere dem High-Yield-Index von JP Morgan zufolge derzeit bei 7,1 Prozent – vier Mal so viel wie das Jahrestief von 1,6 Prozent. Im riskanteren Single-B-Bereich trieb das Coronavirus die Renditen von 3,8 auf knapp 12 Prozent nach oben. 

Folgen für Unternehmen wie Cheplapharm

Was bedeutet diese Marktentwicklung nun für Unternehmen wie beispielsweise Cheplapharm? Das Greifswalder Pharmaunternehmen ist mit rund 1 Milliarde Euro ausstehendem Term-Loan-B-Volumen nicht nur einer der größten deutschen TLB-Emittenten überhaupt, sondern hat seit Jahresbeginn zusätzlich auch noch eine 500 Millionen Euro schwere Hochzinsanleihe ausstehen. Deren Kurs steht derzeit bei 75 Prozent. Damit ist Cheplapharm nicht alleine: „Man muss aktuell schon sehr lange suchen, um einen High-Yield-Bond zu finden, der zu par notiert“, berichtet ein Investmentbanker.

„Wenn man es vermeiden kann, geht man derzeit nicht an den Markt.“

Die Folge: An die Emission von neuen Bonds ist derzeit nicht zu denken. „Wenn man es vermeiden kann, geht man derzeit nicht an den Markt“, berichten Investmentbanker. Das dürfte vor allem für TLB-Emittenten gelten, denn bei jeder neuen TLB-Tranche, die am Markt platziert wird, findet ein umfassendes Repricing für alle Tranchen statt. Das kam Unternehmen in Pre-Corona-Zeiten zugute, weil sie dadurch ihre Refinanzierungskosten senken konnten. Doch nun schwingt das Pendel zurück. 

Institutionelle Liquidität ist noch vorhanden

Der Vorteil beim Term Loan B ist dagegen, dass er endfällig und mit sogenannten Covenant-Lite-Strukturen ausgestattet ist. Unternehmen haben also keine Covenants, die getestet werden. Das kommt ihnen in Corona-Zeiten zu Gute und verschafft ihnen Luft zum Atmen. Zudem dürften die TLB-Emittenten zusätzlich noch über Banklinien verfügen, die sie ziehen können. Cheplapharm beispielsweise verfügt über eine Line von 310 Millionen Euro, die der Mittelständler für Zukäufe eingerichtet hatte.

Doch so schwierig die Marktlage auch ist: Stehen demnächst unvermeidbare Refinanzierungen an, findet sich Investmentbankern zufolge aktuell trotzdem eine Lösung – allerdings keine günstige. „Es ist auf keinen Fall so, dass wir Panikverkäufe sehen“, beruhigt ein Investmentbanker. Investoren würden aber sehr genau darauf achten, wo sie ihr Cash jetzt einsetzen. Und tendenziell würden Gelder aus dem TLB-Markt in sicherere Häfen umgeschichtet.

„Es ist auf keinen Fall so, dass wir Panikverkäufe sehen.“

Als Käufer stünden stattdessen opportunistische Fonds bereit, die sich auf solche „Special Events“ fokussieren und nun beispielsweise mit kurzfristigen Betriebsmittellinien bereitstehen. „Diese sind teuer, aber schneller als die Bank“, resümiert der Banker. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de