Immer mehr Fintechs bieten Factoring-Finanzierungen an.

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10.08.17
Finanzierungen

Fintechs drängen ins Factoring

Die Zahlen zum Halbjahr zeigen: Factoring wächst in Deutschland weiter. Das ruft immer mehr Fintechs auf den Plan. Sie wollen sich jetzt in der Forderungsfinanzierung positionieren.

Factoring ist in Deutschland so beliebt wie lange nicht. Die Umsätze der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbands sind im ersten Halbjahr 2017 um 8,4 Prozent auf 113,25 Milliarden Euro gestiegen (Vorjahreszeitraum: 104,5 Milliarden Euro). Bemerkenswert ist die Belebung des deutschen Binnenmarkts: Das nationale Factoring ist um rund 8 Prozent auf fast 78 Milliarden Euro gestiegen – im ersten Halbjahr 2016 hatte das Binnenfactoring dagegen nahezu stagniert. Der Verband sieht darin „ein gutes Zeichen für die gesunde Binnenkonjunktur in Deutschland“.

Besonders stark gestiegen ist die Anzahl der Factoring-Kunden: um 70 Prozent auf jetzt 35.300 Kunden. Dieser Anstieg erklärt sich auch durch die Aufnahme neuer Mitglieder in den Verband, der für sich proklamiert, „über 98 Prozent des verbandlich organisierten Factoring-Volumens“ zu repräsentieren. Die Neuzugänge unterscheiden sich allerdings in einigen Punkten von den klassischen Factoring-Anbietern.

Neue Verbandsmitglieder aus dem Fintech-Sektor

Auffallend bei den Newcomern: Sie sind teilweise im kleinteiligeren B2C-Geschäft aktiv, beispielsweise im Medizinsektor, während die meisten Bestandsmitglieder den B2B-Bereich bedienen. Die Finanzierungssummen sind im kleinteiligen Geschäft geringer. Deshalb wächst die Zahl der Factoring-Nutzer durch die Neuaufnahmen deutlich stärker als das Factoringvolumen.

Zudem drängen immer mehr Fintechs in das Factoring. Zuletzt hat der Factoring-Verband das Fintech Billie aufgenommen. Das Berliner Online-Factoring-Startup bietet nach eigenen Angaben Factoring für kleine und mittelgroße Unternehmen sowie Freelancer.

Auch das Berliner Fintech Decimo, das 2014 gegründet wurde, bietet Factoring für Freiberufler, Selbstständige, sowie kleine und mittlere Unternehmen an. Der Verband ist nach eigenen Angaben allerdings wählerisch bei der Aufnahme von Factoring-Fintechs. „Diese müssen über eine Bafin-Zulassung verfügen“, betont Verbandsgeschäftsführer Alexander Moseschus. Zahlreiche Start-ups in dem Bereich seien derzeit aber auch ohne Zulassung oder aus dem Ausland heraus aktiv.

Factoring-Fintechs: Kooperation statt Konfrontation

Tatsächlich führen die Fintechs schon zu einer kleinen Trendumkehr bei den Bafin-Zulassungen von Factoringanbietern. Nachdem die Behörde im Dezember 2008 infolge der Finanzkrise die Aufsicht für Factoringgesellschaften übernommen hat, sank die Zahl der angemeldeten Anbieter zunächst drastisch von 275 (Anfang 2009) auf 186 (2015). Der Hintergrund: Viele kleinere Gesellschaften sehen sich außerstande, die Bafin-Auflagen zu erfüllen. Mit den neuen Anbietern hat sich die Zahl der Factoringanbieter im vergangenen Jahr erstmals seit fast acht Jahren wieder leicht auf 188 erhöht, weitere dürften hinzu kommen.

Auf die Verteilung des Marktvolumens haben die Fintechs momentan allerdings noch nahezu keinen Einfluss. Sie agieren in einem Segment, das die bestehenden Platzhirsche kaum bedienen. Das ermöglicht auch neue Möglichkeiten: Zwischen dem Fintech Billie und Targo Commercial Finance, das zu den Top-Anbietern zählt, besteht bereits eine Kooperation.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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