Der Green-Bond-Markt hat einen neuen Rekord verzeichnet. Auch die Vorzeichen für das weitere Jahr sind positiv.

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25.07.19
Finanzierungen

Green Bonds weiter auf Wachstumskurs

Der Markt für Grüne Anleihen ist im zweiten Quartal weiter gewachsen. Und jetzt macht die EU auch noch einen großen Schritt hin zu einem einheitlichen Standard. Ist das der Durchbruch?

Der Markt für Green Bonds ist im ersten Halbjahr weiter gewachsen. Insgesamt wurden weltweit nach Angaben des Datenanbieters Refinitiv Anleihen über insgesamt 86,4 Milliarden Dollar platziert, deren Erlös für nachhaltige Projekte verwendet wird. Das ist ein Zuwachs von 26 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr des vergangenen Jahres und ein neuer Rekordwert. Damit liegt der Markt auf gutem Kurs, das Vorjahresvolumen zu übertreffen: 2018 wurden Green Bonds über 132,3 Milliarden Dollar emittiert.

Blickt man auf die regionale Verteilung der Emittenten, dann zeigt sich ein klares Bild: Europa hat mit einem Marktanteil von rund 55 Prozent eindeutig die Nase vorn. Am aktivsten waren die Franzosen, die im Halbjahr satte 13,4 Prozent des weltweiten Marktvolumens stemmten. Etwa 8,1 Prozent entfielen auf deutsche Emittenten, die sieben Transaktionen auf den Weg brachten.

Außerhalb Europas waren die Vereinigten Staaten und China am aktivsten. Mit jeweils etwa 11 und 10 Prozent Marktanteil reihen sie sich hinter Frankreich und vor Deutschland ein.

KfW platziert größten Green Bond des Jahres

Bemerkenswert: Der weltgrößte Green Bond der ersten Jahreshälfte stammt von einem deutschen Emittenten. Die KfW emittierte einen nachhaltigen Bond über 3,4 Milliarden Dollar. Die zweitgrößte Transaktion, eine Staatsanleihe aus Polen, ist mehr als 1 Milliarde Dollar kleiner.

Unter die Top 10 der größten Unternehmenstransaktionen hat es im ersten Halbjahr hingegen kein deutsches Industrieunternehmen geschafft. Allerdings liegt die Landesbank Baden-Württemberg auf Platz 4 mit ihren Green Bonds über rund 1,6 Milliarden Dollar. Refinitiv zählt Geldinstitute in der Analyse als Corporates.

Der größte industrielle deutsche Green Bond kam von der Baywa: 500 Millionen Euro sammelte der Agrarhändler und Projektentwickler im Bereich der Erneuerbaren Energien ein. Es ist nach Angaben des Unternehmens der erste grüne Benchmark-Bond eines ungerateten Unternehmens in Europa. CFO Andreas Helber sprach mit FINANCE-TV über die Hintergründe der Transaktion.

Corporates holen am Green-Bond-Markt auf

Allerdings sind in Deutschland Corporates nach wie vor nur vereinzelt am Markt zu sehen. Auch weltweit dominieren staatliche Akteure und Finanzinstitute. Auf sie entfallen 61 Prozent des Marktvolumens. Im ersten Halbjahr 2018 stellten Banken und Staatsinstitutionen allerdings noch etwa 77 Prozent des Volumens. Das zeigt, dass Corporates langsam aufholen.

Besonders Unternehmen aus dem Energiebereich haben den Markt für sich entdeckt – sie emittierten im ersten Halbjahr 23 Prozent des Gesamtvolumens. Mit sehr deutlichem Abstand folgen der Immobiliensektor mit 6 Prozent und Telekomunternehmen mit 4 Prozent.

Vorschlag für EU-Green-Bond liegt vor

Der Trend hin zu mehr Unternehmensemissionen könnte sich fortsetzen, denn der Druck von Seiten der Politik nimmt zu. Diesen Sommer hat die EU-Kommission unter dem Begriff Taxonomie ein Bewertungsraster für nachhaltige Investments vorgeschlagen und sieben Wirtschaftssektoren genauer unter die Lupe genommen. Für diese Sektoren liegt nun ein Kriterienkatalog vor, anhand dessen Investoren nachhaltige Unternehmensaktivitäten erkennen können. Mehr Details dazu finden Sie bei der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer.

Außerdem liegt nun ein Vorschlag für einen EU-Green-Bond-Standard auf dem Tisch, der in einem nächsten Schritt auch mit der Taxonomie verknüpft werden soll. Hiermit will die EU den Markt vereinheitlichen und die Gefahr des Green Washings reduzieren. Im Grunde lehnt sich der Vorschlag an den bestehenden Marktstandard, die Green Bond Principles an, ist an einigen Stellen aber etwas strenger: Emittenten müssen beispielsweise ein externes Gutachten für den Green Bond einholen. In den Green Bond Principles wird das lediglich empfohlen, aber nicht vorausgesetzt.

Verpflichtend soll aber auch der neue EU-Standard nicht werden – die Arbeitsgruppe „will den Markt nicht stören“, wie sie sagt. Allerdings bekennt sie sich klar zu dem Ziel, Transparenz und Vergleichbarkeit zu erhöhen. Tatsächlich dürfte der Stand für die Marktakteure de facto Pflichtcharakter bekommen, sobald er sich durchgesetzt hat. Viele Emittenten dürften es als Gütesiegel für ihre Emission bezeichnen, wenn sie ihre grünen Anleihen als „EU Green Bonds“ platzieren.

Unicredit hebt Jahresprognose an

Bis es soweit ist, wird es aber noch viele weitere Emissionen nach den bisherigen Standards geben. Dort ist die Dynamik anhaltend hoch. Vor dem Hintergrund des starken Anstiegs im ersten Halbjahr hat die Unicredit ihre Prognose angehoben und erwartet, dass der Markt im Gesamtjahr die 200-Milliarden-Dollar-Grenze durchbrechen wird. Je nach Analyse variieren die Marktzahlen zum Teil deutlich, da unterschiedliche Transaktionen als Green Bonds gewertet werden. Eins ist allerdings klar: Die Bank rechnet mit einem neuen Rekordjahr.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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