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Bondemission: PCC setzt erneut auf Direktvertrieb

Der Mittelständler PCC setzt weiterhin auf Direktemissionen und hat drei neuen Anleihen mit einem Volumen von bis zu 50 Millionen Euro begeben.
PCC

„Ganz am Anfang haben unsere Investoren die Kupons noch ausgeschnitten und PCC zugeschickt“, erzählt Thomas Meuthen, Director Finance & Investor-Relations bei PCC. Seit etwa 17 Jahren emittiert der Konzern, der ein breit diversifiziertes Firmenportfolio in den Tätigkeitsfeldern Chemie, Logistik und Energie aufgebaut hat, Anleihen in Eigenregie. Derzeit sind 18 Anleihen im Umlauf und das Unternehmen emittiert jährlich neue. Im Dezember hat das Unternehmen wieder drei neue Anleihen mit einem Gesamtvolumen von bis zu 50 Millionen Euro begeben. Ein Bond mit einer Laufzeit bis Januar 2017 wird mit 4 Prozent verzinst. Die fünfjährige Tranche hat einen Kupon von 6,25 Prozent.

Die dritte der neuen Anleihen, die PCC begeben hat, weist eine Besonderheit für das Unternehmen auf: „Wir haben zum ersten Mal eine Anleihe mit einer Laufzeit über sieben Jahre begeben“, sagt Meuthen. Der siebenjährige Bond mit einem Kupon von 6,75 Prozent soll das Fälligkeitsprofil von PCC strecken und verstärkt auch kleinere institutionelle Investoren wie zum Beispiel Family Offices oder Vermögensverwalter ansprechen. Bislang platzierte PCC seine Anleihen vornehmlich bei Privatanlegern.

PCC platziert Anleihen ein Jahr lang nach

Erste zarte Früchte dieser Diversifikationsstrategie sieht man bei der aktuellen Emission bereits. Allerdings stellen Privatanleger mit 80 Prozent des Zeichnungsvolumens nach wie vor das Gros der Investoren.
 
Für sie ist auch das neue Papier wieder konzipiert: Ab 5.000 Euro kann man bei PCC Anleihen zeichnen und darüber hinaus in Schritten von 1000 Euro. Im Durchschnitt würden private Investoren bei PCC etwa 30.000 Euro investieren. Laut Thomas Meuthen liegt die Wiederanlagequote zwischen 50 und 70 Prozent. Einen Grund für diese hohe Zahl sieht er im direkten Kontakt zwischen Anlegern und Unternehmen, da keine Bank zwischengeschaltet ist. Zum jährlichen Investorentag kommen laut Meuthen traditionell über 1.500 Anleger zum Austausch mit dem Unternehmen. Außerdem geht das PCC- Management seit etwa drei Jahren deutschlandweit auf Roadshow, um seine Anleger und Interessenten zusätzlich zu informieren.

Das klingt alles nach viel Aufwand und Stress für die eigene Organisation, aber Meuthen weist diesen Eindruck zurück: Auf der Kostenseite mache es keinen großen Unterschied, ob man Anleihen über eine Bank emittiert oder aus dem eigenen Haus heraus. Dafür sei die Flexibilität beim Direktvertrieb höher. „Wir geben einmal im Jahr einen Basisprospekt heraus und emittieren damit etwa ein Jahr lang Anleihen.“ Anders als bei einer Emission über die Bank kann PCC unkompliziert nachplatzieren und den Zeichnungszeitraum beliebig beenden. Der Nachteil ist, dass die Volumina begrenzt sind, bei denen PCC die Emission alleine stemmen kann.

Thomas Meuthen: Die Prokon-Insolvenz haben wir gespürt

Dafür kann sich PCC von breiteren Marktentwicklungen abgrenzen. Eines ist dem mittelständischen Unternehmen wichtig: Es gehört nicht zum angeschlagenen Segment der Mittelstandsanleihen. PCC hat schon lange vor der Existenz der Mittelstandsanleihen Bonds begeben. „Wir sind außerdem nur im Freiverkehr an der Frankfurter Börse gelistet und nicht an den Handelsplätzen von Mittelstandsanleihen“, betont Meuthen.

Dem Sog der schlechten Nachrichten vom Mini-Bondmarkt kann sich das Unternehmen dennoch nicht ganz entziehen. „Die Prokon-Insolvenz haben wir im Absatz gespürt“, sagt Meuthen. Durch die ähnliche Größenordnung der Unternehmen seien einige Investoren durch die Pleite des Windparkbetreibers im vergangenen Jahr verunsichert worden. Anders als PCC hatte Prokon aber keine Anleihen, sondern Genussrechte emittiert.

Gerade für solche Fälle hält Meuthen den persönlichen Kontakt zu den Investoren für einen großen Vorteil. Dennoch ist er nicht blauäugig: „Wir sehen durchaus das Risiko, dass Investoren durch Schocks von außen verunsichert werden. Deshalb werden wir unsere Finanzierungsbausteine verbreitern.“ Mittelfristig wolle das Unternehmen die Eigenkapitalbasis stärken. Die Eigenkapitalquote lag 2013 bei 19,6 Prozent. Auch ein Schuldscheindarlehen sei als Teil der Finanzierungsstruktur denkbar.

PCC will internen Kreditmarkt aufbauen

Ein längerfristiges Ziel der Industrieholding ist der Aufbau eines internen Kreditmarkts. Während die PCC Holding ihren Sitz in Deutschland hat, arbeiten die meisten Beteiligungen in Polen. Dort nutzen die lokalen Einheiten die Bankverbindungen vor Ort und finanzieren sich über Kredite. „Das ausstehende Kreditvolumen im ganzen Konzern liegt bei etwa 90 Millionen Euro“, sagt Thomas Meuthen.

Die PCC Holding vergibt aus den Anleiheerlösen unter anderem Intercompany-Darlehen an ihre Tochtergesellschaften im Ausland. Das soll künftig bankenähnlicher betrieben werden. „Wir möchten erreichen, dass die Lokaleinheiten mit konkreten Projekten zu uns kommen und um die Finanzierung auch mit anderen Tochtergesellschaften konkurrieren“, erklärt Meuthen. Damit will PCC die Eigenverantwortung der Unternehmensteile stärken. Wem die Konditionen unternehmensintern zu teuer sind, der könne ja auch nach „draußen gehen, um sich zu finanzieren“, meint der Finanzer. Bei einem Kupon von 6,25 Prozent für die neueste fünfjährige Anleihe wird das Werben der Tochterfirmen um die Intercompany-Kredite aber vermutlich intensiv ausfallen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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