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EZB legt massives Notkaufprogramm auf

Die Europäische Zentralbank begegnet der Corona-Krise mit zunehmender Stärke. Nun hat sie ein enormes Anleihekaufprogramm ausgerufen.
Anastazzo/iStock/Thinkstock/Getty Images

Es ist die viel beschworene Bazooka, die die Europäische Zentralbank in der Nacht vom Mittwoch beschlossen hat: Mit einem Notkaufprogramm über 750 Milliarden Euro will die EZB die von der Corona-Pandemie gebeutelten Märkte stützen, gab Präsidentin Christine Lagarde bekannt. Das Programm mit dem Namen „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) soll bis zum Ende der Krise, mindestens aber bis zum Ende des Jahres laufen. Gekauft werden können Papiere aus dem Spektrum aller bisherigen Programme: Staats- und Unternehmensanleihen sowie Pfandbriefe und ABS-Papiere.

Damit legt die Notenbank enorm nach. In der vergangenen Woche hatte sie bereits einige Maßnahmen zur Stabilisierung beschlossen, darunter auch neue Bondkäufe über 120 Milliarden Euro in diesem Jahr. Diese nach so kurzer Zeit erneute Aufstockung zeigt, wie dramatisch die Zentralbanker die Lage einschätzen. Auch die Kollateralbedingungen, zu denen Banken Sicherheiten bei der Zentralbank hinterlegen, wurden erweitert.

Einschließlich der bereits laufenden Programmen steigt die Summe, die die Bank in die Anleihemärkte pumpen wird, damit auf rund 1,1 Billionen Euro an – Reinvestitionen nicht eingeschlossen. Das ist auf den Monat heruntergebrochen mehr als zu den Hochzeiten der Eurokrise, als die Zentralbank unter Mario Draghi 80 Milliarden Euro pro Monat in den Markt schoss. 

EZB kauft nun auch Commercial Paper von Unternehmen

Zudem sichert sich die Zentralbank größere Flexibilität bei der Auswahl der Papiere. Zum einen kauft sie nun auch griechische Staatsanleihen, die bislang von dem Programm ausgeschlossen waren. Sie betont zudem, dass Käufe unter dem Programm „flexibel“ gehandhabt werden. Sie erlaubt sich damit viel Spielraum für Fluktuationen der Käufe in verschiedenen Assetklassen und Jurisdiktionen.

Zum anderen erweitert sich auch das Spektrum der Corporate-Papiere, die die Bank kaufen kann. Dazu zählen nun auch Commercial Papers von Unternehmen. Mit diesen kurzlaufenden Bonds sichern sich Konzerne kurzfristig Liquidität, was in der aktuellen Krise, in der Cash wieder King ist, enorm wichtig ist.

EZB zu weiteren Schritten bereit

Mit diesem massiven Programm will EZB-Chefin Lagarde die Märkte beruhigen und die Finanzierungskonditionen verbessern. Gerade für Bonds von hoch verschuldeten Staaten sind die sinkenden Renditen eine enorme Entlastung. Und das könnte nicht die letzte Maßnahme sein, macht die Zentralbank deutlich: Sie sei darauf vorbereitet, „das Volumen des Kaufprogramms zu erhöhen und die Zusammensetzung anzupassen, um so viel wie erforderlich und solange wie es notwendig ist“.

Die Märkte reagierten am Donnerstag Vormittag positiv auf die Maßnahmen. Die Renditen der italienischen Staatsanleihen gingen deutlich zurück. Auch die Börsen zeigten sich optimistisch. Der Dax etwa notierte nach Handelseröffnung rund 2 Prozent im Plus. Ob die gute Stimmung von Dauer sein wird, muss sich noch zeigen. Nach dem Ankaufprogramm in der vergangenen Woche war die Wirkung rasant verpufft.

Für einen länger andauernden positiven Effekt spricht die schiere Größe und die Struktur des Programms. „Da die Zentralbank sich nicht auf monatliche Summen festlegt, sondern jederzeit so viel investieren kann wie nötig, sendet sie ein kraftvolles Signal an die Märkte“, kommentiert Ökonomin Evelyn Herrmann von der Bank of America gegenüber FINANCE. „Sie kann genau dort eingreifen, wo es zu Schwierigkeiten kommt, Liquidität fehlt oder Renditen zu stark steigen.“ Das sollte für Ruhe an den Märkten sorgen und den Regierungen Zeit verschaffen. „Die Geldpolitik ebnet mit diesem Programm den Weg für notwendige fiskalpolitische Maßnahmen“, betont die Expertin.

„Die EZB kann genau dort eingreifen, wo es zu Schwierigkeiten kommt.“

Evelyn Herrmann, BofA-Ökonomin

Bafin und KfW reagieren auf Corona-Epidemie

Nicht nur die Zentralbank arbeitet daran, die Banken und Unternehmen bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen. Auch die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat reagiert: Eigentlich sollten Geldinstitute ab Juli mehr Eigenkapital unterlegen. Der geplante sogenannte „antizyklische Kapitalpuffer“ wird nun erst einmal auf Null gesetzt. Das berichtete am gestrigen Mittwoch das „Handelsblatt“.

Auch bei den Hilfsgeldern der Bundesregierung, die über die Förderbank KfW fließen sollen, könnte es noch weitere Veränderungen geben. Laut dem „Handelsblatt“ gibt es Erwägungen, die Bedingungen für diese Hilfsmaßnahmen noch weiter zu lockern. Möglich wäre das etwa über eine verstärkte Haftungsübernahme durch den Staat.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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