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Feinbäckerei Heberer will neue Anleihen platzieren

Die Wiener Feinbäckerei Heberer will zwei neue Anleihen platzieren. Mit dem frischen Geld will das Familienunternehmen bestehende Verbindlichkeiten tilgen.
Wiener Feinbäckerer Heberer

Die Wiener Feinbäckerei Heberer zapft erneut den Bondmarkt an. Wie das Unternehmen am heutigen Montag mitteilte, wollen die Hessen zwei neue Mittelstandsanleihen mit einem Gesamtvolumen von zusammen bis zu 7,5 Millionen Euro platzieren.

Bei neuen Anlegern will die Bäckerei 3,5 bis 4 Millionen Euro platzieren. Als Verzinsung offeriert das Familienunternehmen  5 Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Bis spätestens Ende März des kommenden Jahres will die Feinbäckerei das Geld der neuen Investoren einnehmen. Heberer preist den Bond seinen Kunden auch wieder in den hauseigenen Filialen mittels eines Flyers an, der Interessierte unter anderem an eine telefonische Hotline verweist.

Auch Alt-Anleger können ab Anfang August ihre vorhandene Anleihe in den neuen Bond umtauschen und bekommen dafür einen Zinsbonus von 0,25 Prozent – sie erhalten also 5,25 Prozent. „Ein großer Teil der Altanleihezeichner ist bereit, sich wieder zu engagieren“, gibt sich Geschäftsführer Alexander Heberer zuversichtlich, ohne allerdings zu erläutern, warum er diesen Eindruck hat.

Heberer muss auslaufende Mittelstandsanleihe refinanzieren

Der Zeitpunkt der Emission ist nicht zufällig gewählt: Die Feinbäckerei hatte bereits 2011 mit einer Anleihe-Emission nach eigenen Angaben 8,5 Millionen Euro eingenommen. Ursprünglich hatte Heberer sogar 12 Millionen Euro angestrebt. Das mit 7 Prozent verzinste Papier wird Anfang August dieses Jahres zur Rückzahlung fällig. Heberer erntete damals von Kapitalmarktspezialisten schwere Kritik, weil sie das Papier aus ihren Filialen heraus speziell an Kleinanleger vertrieb, diesen aber gleichzeitig keine reguläre börsliche Handelbarkeit ihrer Papiere ermöglichte. Auch Pressemitteilungen zum nicht immer einfachen Geschäftsverlauf lasen sich mitunter abenteuerlich. Den Zinszahlungen kam die Feinbäckerei jedoch stets pünktlich nach.

Der jetzt fällig werdende Betrag ist im Vergleich zur Unternehmensgröße erheblich, zumal das Heberer-Geschäft in Folge einer Restrukturierung stark rückläufig ist: Die Feinbäckerei machte 2015 nur noch 69 Millionen Euro Umsatz. 2012 hatte der Erlös noch bei 116 Millionen Euro gelegen. Heberer hat in den vergangenen Jahren die Anzahl der Filialen stark reduziert, zum Teil auch durch den Verkauf eines größeren Filialpakets mittels eines M&A-Deals. Auch Produktions- und Logistikstandorte wurden dicht gemacht. Immerhin: Der Vorsteuergewinn war mit 10 Millionen Euro Unternehmensangaben zufolge im vergangenen Jahr deutlich positiv. Geld für die anstehende Refinanzierung soll in jedem Fall vorhanden sein: Ein Unternehmenssprecher sagte gegenüber FINANCE, die Rückzahlung der alten Anleihe sei durch die vorhandenen liquiden Mittel gesichert. Das Eigenkapital lag zuletzt bei 13 Millionen Euro.

Feinbäckerei Heberer hat mit Anleihe-Geld viel vor

Aber nicht nur für die Refinanzierung möchte Heberer das frische Geld nutzen: Offiziell will die Bäckereikette das frische Kapital zum Ausbau des Filialnetzes, zur Modernisierung der Filialen und zur Optimierung der Logistiksysteme nutzen. Auch die Produktion soll ausgebaut und erneuert werden. Die Ablösung bestehender Verbindlichkeiten wird erst an letzter Stelle genannt.

Doch speziell das wird dringend nötig sein: Neben der 8,5 Millionen Euro schweren Anleihe läuft laut Anleiheprospekt eine Mietavallinie über 560.000 Euro Ende Juni dieses Jahres aus. Eine weitere in Anspruch genommene Linie in Höhe von fast 2 Millionen Euro läuft im November „vertragsgemäß“ aus, die erforderliche Rückdeckung wird ebenfalls Ende Juni zur Zahlung fällig. Weitere Verbindlichkeiten im Gesamtwert von knapp 3,5 Millionen Euro werden während der Anleihelaufzeit, also bis 2021, fällig.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.