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Laurèl muss Mittelstandsanleihe restrukturieren

Schwere Zeiten für Laurèl: Das Modehaus muss seine Mittelstandsanleihe restrukturieren. Weniger Zinslast bei längerer Laufzeit lautet der Plan.
iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Russlandkrise zwingt das bayerische Modehaus Laurèl in die Knie. Für den 31. August hat Laurèl seine Geldgeber zu einer Gläubigerversammlung eingeladen, bei der eine Restrukturierung der noch bis November 2017 laufenden Mittelstandsanleihe beschlossen werden soll. Das Papier hat ein Volumen von 20 Millionen Euro, der Kurs lag zuletzt bei 29 Prozent des Nennwerts.

Die Bondholder werden eine Reihe von Zugeständnissen machen müssen, um das Modeunternehmen zu retten. Das Management schlägt eine Verlängerung der Laufzeit um drei Jahre vor, außerdem sollen die Anleihegläubiger auf die diesjährige Zinszahlung verzichten. Bei einem Kupon von 7,125 Prozent würde dies Laurèl gut 1,4 Millionen Euro sparen. Für die drei anschließenden Zinsperioden soll der Kupon gesenkt werden – auf welches Niveau, scheint offenbar noch Verhandlungssache zu sein. Diese Gespräche wird künftig wohl ein gemeinsamer Gläubigervertreter führen, den die Bondholder ebenfalls am 31. August wählen sollen.

Anleiheschulden von Laurèl nicht mehr tragbar

Die Anleiheschulden sind für Laurèl nicht mehr tragbar, wie die heute Morgen vorgelegten Zahlen für das am 30. April abgelaufene Geschäftsjahr zeigen. Demnach hat sich in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres die Lage noch weiter eintrübt. Konnte Laurèl im ersten Halbjahr noch ein Umsatzplus von 8,8 Prozent und ein positives Ebitda von 0,1 Millionen Euro erreichen nach einem Ebitda-Verlust von 0,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, reduzierte sich das Umsatzplus bis zum Geschäftsjahresende auf 3,5 Prozent. Bei Erlösen von 40,8 Millionen Euro belief sich das Ebitda auf minus 2 Millionen Euro nach minus 2,2 Millionen Euro im Vorjahr.

Das laufende Jahr wird keine wesentliche Verbesserung bringen: Laurèl erwartet konstante Umsatzerlöse von 40 Millionen Euro bei einem Ebitda-Verlust von 0,8 Millionen Euro.

Creditreform stuft Laurèl-Rating auf „C“ herab

Während das Deutschlandgeschäft offenbar erfreulich verläuft und solide Umsatzzuwächse verzeichnet, ist Laurèl das wichtige Russlandgeschäft praktisch weggebrochen. In der Spitze erzielte Laurèl in Russland 30 Prozent seines Umsatzes, mit hohen Margen und stattlicher Wachstumsdynamik.

Der Einbruch dieses Marktes hat offenbar auch die Liquidität des Unternehmens schwer belastet. Wie FINANCE erfahren hat, sollen die russischen Kunden zuletzt nur 70 Prozent der vorbestellten Ware abgenommen haben. Die überzähligen Bestände musste Laurèl dann mit hohen Rabatten in anderen Sales-Kanälen abverkaufen. Die aktuellen Vororders sollen noch einmal 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen, aber diesmal dürfte Laurèl kaum in so großem Ausmaß vorproduzieren wie im vergangenen Geschäftsjahr.  

Auf  die schwache Geschäftsentwicklung hat auch die Ratingagentur Creditreform reagiert. Sie hat das Unternehmensrating von B auf C zurückgestuft und setzt das Rating sogar auf die Watchlist für eine weitere Herabstufung.

Laurèl hat Investorensuche begonnen

Die 20 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe ist das zentrale Finanzierungsinstrument des Unternehmens. Die Bilanzsumme von Laurèl betrug zum Halbjahresende 27,5 Millionen Euro, die Endjahresbilanz liegt noch nicht vor. Die Bilanz hat merklich Schlagseite: Zum Geschäftsjahresende belief sich der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag auf 0,8 Millionen Euro.
Deshalb wird Laurèl neben der Bondrestrukturierung auch eine Eigenkapitalspritze benötigen. FINANCE-Informationen zufolge läuft bereits ein Investorenprozess. Ein Firmensprecher bestätigte dies: „Das Management ist offen für die Beteiligung externer Investoren an Laurèl“, sagte er gegenüber FINANCE.

Die anstehende Bondrestrukturierung von Laurèl droht, nicht die letzte aus dem Modesektor zu sein. Auch die Anleihen von weiteren Modefirmen wackeln bedenklich. So bangen die Gläubiger um die Modekette René Lezard, die ebenfalls schwere Verluste erwirtschaftet. Auch der Mini-Bond des Modehauses More & More ist angezählt.

Besser läuft es bei dem größeren Bekleidungshersteller Steilmann-Boecker. Das Unternehmen, das in seiner Holding über 700 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, hat erst gestern eine seiner drei Mittelstandsanleihen um 5 Millionen Euro aufgestockt.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Wie es um die anderen kriselnden Mini-Bonds steht, lesen Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.