FINANCE hat die Mittelstandsanleihen unter die Lupe genommen. Die Sorgenkinder kommen vor allem aus der Modebranche.

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06.08.15
Finanzierungen

Die neuen Wackelkandidaten der Mittelstandsanleihen

Die Pleitewelle am Markt für Mittelstandsanleihen ebbt langsam ab. Mancher Wackelkandidat aus dem vergangenen Jahr hat inzwischen die Kurve bekommen – dafür sind aber einige neue Emittenten von Mini-Bonds in Bedrängnis geraten. FINANCE gibt den Überblick.

Der mit großen Hoffnungen gestartete Markt für Mittelstandsanleihen wurde vergangenes Jahr durch eine unerwartet hohe Anzahl von Ausfällen und Pleiten erschüttert. Wie damals am Neuen Markt begannen Listen mit pleitegefährdeten Unternehmen zu kursieren, viele Marktbeobachter befürchteten eine groß angelegte Pleitewelle, die im Lauf von 2015 den Markt treffen sollte. Zahlreiche dieser Wackelkandidaten hat FINANCE im September vergangenen Jahres genauer unter die Lupe genommen.

Einige der damaligen Wackelkandidaten mussten in der Folge Insolvenz anmelden, wie beispielsweise der Münchner Immobilienentwickler Golden Gate oder der Kupferkabelhändler Penell infolge eines Bilanzskandals. Andere mussten ihren Bond restrukturieren, wie auch der deutsch-russische Landmaschinenhändler Ekotechnika, der seine Schulden nicht mehr bezahlen konnte und sich mit seinen Gläubigern auf einen Debt-to-Equity-Swap einigen musste.

Mittelstandsanleihen der Modeunternehmen wackeln

Vor allem der Modesektor geriet vergangenes Jahr stark unter Druck. Die Insolvenz von Strenesse zog auch die Kurse vieler Branchenkollegen in die Tiefe. Laurèl galt bei den Investoren bereits im September als Wackelkandidat, wie der damalige Kurs von 46 Prozent verdeutlicht. Erholt hat sich das Modehaus seitdem nicht, im Gegenteil: Die Zweifel der Investoren scheinen angesichts eines aktuellen Anleihekurses von rund 30 Prozent größer denn je (mehr dazu in unserer Bildergalerie).

Einem ähnlichen Kursrutsch sieht sich auch der Damenmodehersteller More & More ausgesetzt: Seit September ging es für den Bond von 50 Prozent um weitere 8 Prozent nach unten. Die Creditreform macht in ihrem Rating-Report zu den vorläufigen Jahresabschlusszahlen 2014 dafür in erster Linie die Liquiditätssituation des Unternehmens verantwortlich.

Herbawi ändert Anleihebedingungen

Dieser Negativtrend in der Modebranche scheint sich auch 2015 fortzusetzen. Mit Herbawi, Rene Lezard und Peine (siehe Bildergalerie) wackeln – verlässt man sich auf die Signale der Bondkurse – derzeit drei weitere Modeunternehmen. Die Anleihe des Berliner Modehändlers Herbawi notiert aktuell bei 60 Prozent. Die Investoren des mit 7,75 Prozent verzinsten Bonds scheinen von Beginn an skeptisch gewesen zu sein: Laut des zum Emissionszeitpunkt erschienenen Ratingberichts der Ratingagentur Feri wollte Herbawi insgesamt 10 Millionen Euro einsammeln, um Bankschulden abzulösen und in das Geschäft zu investieren.

Laut Herbawi-Angaben konnten jedoch nur rund 500.000 Euro bei Investoren platziert werden. Mit dieser Summe scheint das geplante Vorhaben schwer umsetzbar. Anstatt Bankverbindlichkeiten abzulösen, dürften nun beide Finanzierungen parallel laufen, was erhebliche Zusatzkosten verursachen dürfte. Herbawi reagierte auf Anfrage von FINANCE darauf nicht.

Nach schwachen Jahreszahlen hat das Management im Mai reagiert und auf einer Gläubigerversammlung mehrheitlich die ursprünglichen Anleihebedingungen ändern lassen. So wurde beispielsweise das Kündigungsrecht der Gläubiger bei einem möglichen Kontrollwechsel gestrichen, um die Tür für weitere Investoren aufzustoßen, die frisches Eigenkapital zuschießen könnten. Aus Kostengründen wurde zudem auf ein weiterführendes Rating durch Feri verzichtet.

René Lezard zittert

Noch kritischer sehen Investoren den 15 Millionen Euro schweren Mini-Bond von René Lezard. Wie das Unternehmen mitteilte, wird für das abgelaufene Geschäftsjahr ein Konzernverlust von rund 3,5 Millionen Euro erwartet. Laut vorläufigen Berechnungen ist der Umsatz um mehr als 10 Prozent geschrumpft und liegt nur noch bei 47,2 Millionen Euro.

René Lezard begründet den Rückgang mit weniger Verkaufsflächen, dem milden Winter und der Ukrainekrise. Laut CEO Heinz Hackl sei die im November anstehende Kuponzahlung aber gesichert. Auch würden die finanzierenden Banken den Weg der Neuausrichtung mitgehen und ihre Finanzierungszusagen bis März 2017 weiterhin aufrechterhalten. Die Beruhigungsversuche des Managements scheinen jedoch bei den Investoren ins Leere zu laufen – der Kurs ist mittlerweile auf 23 Prozent abgerutscht.

Die neuen Wackelkandidaten: Singulus, Sympatex, Travel24

Neue Wackelkandidaten gibt es aber auch außerhalb der Modebranche. So notieren die Kurse des Maschinenbauers Singulus, des Spezialtextilherstellers Sympatex und des Reiseanbieters Travel24 (siehe Bildergalerie) aktuell deutlich unter Par. Der mit 60 Millionen Euro valutierte Mini-Bond von Singulus steht derzeit bei 42 Prozent und kratzt damit wieder am historischen Tiefstand von 36 Prozent, auf den die Anleihe nach einem schwachen 3. Quartal 2014 abgerutscht war.

Nach der Ankündigung von CFO Markus Ehret im April 2015, Singulus über einen Debt-to-Equity-Swap bis zum Jahresende komplett entschulden zu wollen, erholte sich der Bond zeitweise - aber nur, um anschließend wieder abzusacken. Die Kapitalmaßnahme wurde von den Singulus-Aktionären bereits durchgewunken, gleiches gilt für die mögliche Ausgabe einer Pflichtwandelanleihe sowie der von Ehret geplanten Kapitalherabsetzung. Doch die auch im ersten Halbjahr 2015 wieder schwach ausgefallenen Geschäftszahlen lassen erwarten, dass eine Bilanzrestrukturierung wohl nicht nur den Aktionären, sondern auch den Bondholdern erhebliche Verluste bescheren wird.

Ähnliche, wenn auch nicht so deutliche Bedenken haben die Gläubiger der 11 Millionen Euro schweren Sympatex-Anleihe, die im vergangenen Jahr eine wahre Achterbahnfahrt erlebte. Zum 4. Quartal 2014 brach die bis dahin konstant knapp unter Par notierende Anleihe auf 40 Prozent ein, nachdem Sympatex vor einem Jahresfehlbetrag warnte. In der Folge stufte die Ratingagentur Creditreform das Unternehmen von BB- auf B- herab.

Der laut Unternehmensangaben gute Start ins Jahr 2015 beruhigte die Investoren und ließ den Bond wieder an der 100-Prozent-Marke schnuppern. Doch nachdem das Management unlängst ankündigte, auch 2015 wieder mit einem Jahresfehlbetrag zu rechnen, fiel das Rating auf CCC und der Bondkurs auf aktuell 75 Prozent.

Diese Unternehmen haben die Wackelkandidaten-Liste verlassen

Bei all den Problemen am Mini-Bond-Markt übersieht man leicht die positiven Entwicklungen. Einige Bonds, die im September vergangenen Jahrs noch als Wackelkandidat galten, sind inzwischen auf dem Weg der Besserung. Dazu gehören beispielsweise der Online-Fotodienstleister PosterXXL und der Küchenbauer Alno.

Wie diese beiden Wackelkandidaten Turnaround geschafft haben und welche weiteren angeschlagen Mini-Bonds auf dem Weg der Genesung sind, erfahren Sie hier.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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