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MS Deutschland: Ratingagentur Feri bewertet Mittelstandsanleihe

Die Ratingagentur Feri soll die Mittelstandsanleihe von MS Deutschland neu bewerten. Vor allem der Wert des „Traumschiffs“ ist dabei spannend.
Peter Deilmann

Nachdem die Ratingagentur Scope ihr Rating für die Anleihe von MS Deutschland zurückgezogen hat, soll nun Feri ein neues Rating erstellen. Für das Folgerating soll Feri so bald wie möglich das neue Wertgutachten für das „Traumschiff“ zur Bezifferung der MS Deutschland unter die Lupe nehmen. Älteren Schätzungen zufolge soll die MS Deutschland 100 Millionen US-Dollar (73 Millionen Euro) wert sein – eine Angabe, der der Markt mit großer Skepsis begegnet.

Das Traumschiff dient als erstrangige Sicherheit für die 50 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe des Reiseunternehmens. Die fünfjährige Anleihe mit einem Kupon von 6,875 Prozent notiert derzeit bei 63 Prozent, was das Ausmaß der Skepsis zeigt, die bezüglich der Werthaltigkeit der Sicherheit herrscht. Das Folgerating ist die Voraussetzung dafür, dass die Anleihe weiterhin im Entry Standard der Deutschen Börse gelistet werden darf.

Feri Eurorating ist ein neuer Player auf dem Ratingmarkt für Mittelstandsanleihen, den sich bislang die Agenturen Scope, Euler Hermes sowie der klare Marktführer Creditreform teilen. Seit August 2013 bewertet Feri Eurorating, die zur Unternehmensgruppe Feri gehört, auch Unternehmensanleihen. Zuletzt bewertete Feri den als Privatplatzierung emittierten Mifa-Bond mit BBB-.

Laut eigenen Angaben unterscheidet sich Feri von anderen Ratingagenturen durch ihren Top-Down-Ansatz, wonach die Ratings der jeweiligen Branche die Basis für die Bewertung der Anleihe bilden. Damit versucht Feri, sich auch von Scope abzugrenzen. Das Rating dieser Agentur für MS Deutschland gilt als fragwürdig, spätestens seitdem Scope das Rating im Herbst gleich um 4 Notches von A- auf BBB- herabgestuft hatte.  

Scope: Fragwürdiges Emissionsrating der Mittelstandsanleihe

Im Dezember vergangenen Jahres hatte Scope schließlich völlig überraschend sowohl sein Anleiherating von BBB- , als auch sein Emittentenrating von CCC+  komplett zurückgezogen und dies mit einem nicht ausreichenden Informationsstand begründet. Daraufhin war die Mittelstandsanleihe von 60 auf 45 Prozent eingebrochen.

Schlecht aufgenommen wurde auch, dass Scope bei der Platzierung der Mittelstandsanleihe im Dezember 2012 das Papier mit einem A-Rating versehen hatte, während sie das Unternehmen MS Deutschland elf Stufen niedriger mit CCC+ bewertete. Die Ratingagentur begründete ihre Entscheidung damals mit einer stabilen Marktentwicklung und einer hohen Markenbekanntheit, zudem stelle die Schiffshypothek eine gute Besicherung dar.

Auch die Sicherung der Zinszahlungen durch den ehemaligen Mehrheitsbeteiliger Aurelius hatte Scope damals offenbar überzeugt. Zuletzt musste der PE-Investor sein Portfoliounternehmen MS Deutschland mit einer Finanzspritze von 10 Millionen stärken, um die Zinszahlung abzusichern und damit dringend notwendige Renovierungsarbeiten am Schiff finanziert werden konnten.

Im Januar dieses Jahres übernahm der Münchener PE-Investor Callista die Mehrheit am Unternehmen und hat ebenfalls Finanzspritzen angekündigt. Für 2013 erwartet das Unternehmen MS Deutschland nach einer Gewinnwarnung  statt der geplanten 54 bis 57 Millionen Euro nur noch einen Umsatz von 52 bis 54 Millionen Euro. Auch das erwartete Ebitda soll mit 1 bis 2 Millionen Euro am Ende weit unter den ursprünglichen Prognosen von 5 bis 7,5 Millionen Euro herauskommen.

julia.becker[at]finance-magazin.de
 

Info

Weitere Artikel, Hintergründe und Interviews zu Mittelstandsanleihen finden Sie auf unserer Themenseite Mittelstandsanleihen.

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