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Neue Mittelstandsanleihe? Strenesse kämpft

Strenesse-CEO Luca Strehle macht gute Stimmung. Das muss er auch, denn die Modefirma braucht dringend Geld. Close Brothers Seydler und Conpair arbeiten bereits an einer Mittelstandsanleihe.
Strenesse

Das Modeunternehmen Strenesse arbeitet FINANCE-Informationen zufolge fieberhaft am Emissionsprospekt für eine Mittelstandsanleihe, die schon bald nach der Sommerpause begeben werden könnte. Beraten wird Strenesse dabei von Conpair und Close Brothers Seydler. Parallel dazu prüft das Unternehmen auch die Begebung eines Schuldscheindarlehens und die Partnerschaft mit einem PE-Investor.

Der Handlungsdruck, der auf CEO Luca Strehle und CFO Erich Sauter lastet, ist erheblich, denn das Familienunternehmen benötigt dringend eine Refinanzierung. Im kommenden Frühjahr läuft eine Anleihe über 12 Millionen Euro aus, die Strehle erst vor wenigen Monaten bei Privatinvestoren platzierte, um die finanzierenden Banken abzulösen und wieder Zugriff auf die dafür hinterlegten Sicherheiten zu bekommen, allen voran die Immobilien und die Markenrechte. Obwohl die Laufzeit der Anleihe nur 12 Monate beträgt, musste Strehle den Investoren trotz einer Eigenkapitalquote von rund 30 Prozent einen Zinssatz von 9 Prozent bieten.

Anhaltende Restrukturierung quält Strenesse

Strehle trommelt lautstark für die Turnaround-Story Strenesse. Gleich in mehreren Zeitungsinterviews pries er in den vergangenen Wochen den Neuanfang an, der das Unternehmen angeblich beflügelt, seitdem der bittere Familienzwist mit dem Abgang von Chefdesignerin Gabriele Strehle beendet wurde. Ende Juli ließ Strehle eine euphorische Mitteilung folgen, in der der Unternehmer die starke Nachfrage nach der Frühjahrs-/Sommerkollektion bejubelt. Doch auch auf Nachfrage bleibt Strenesse beim Thema Zahlen diffus und verweist darauf, dass nach dem Auslaufen der Herrenmodekollektion „Strenesse Blue“ in diesem Jahr nur noch eine Kollektion vertrieben wird: „Der reine Stückzahlenvergleich wäre wenig aussagekräftig.“ Das deutet darauf hin, dass die mit den Vororders verbundenen Umsätze tatsächlich noch niedriger liegen als im schon schwachen Vorjahr.  

Nicht nur auf Finanzierungsseite, auch operativ befindet sich Strenesse in einer ernsten Lage. Die Bilanz per Ende Mai 2013, mit der das Management auf Roadshow gehen muss, liegt noch nicht offiziell vor. FINANCE-Informationen zufolge wird Strenesse aber einen Millionenverlust ausweisen – das Unternehmen wollte dies weder bestätigen noch dementieren.

Auch im laufenden Geschäftsjahr 2013/14 wird sich der von Strehle so vehement herbeigeredete Turnaround im besten Fall andeuten, aber noch nicht in den Zahlen niederschlagen. „Der Umsatz ist in diesem Geschäftsjahr planvoll und gezielt zurückgefahren worden, weil wir uns auf eine Marke konzentrieren“, gab Strenesse auf FINANCE-Anfrage zu Protokoll. „Zusammen mit dem damit einhergehenden Restrukturierungsaufwand werden wir einen Verlust verbuchen.“

Mittelstandsanleihen werden zum Ladenhüter

„Ich bin zuversichtlich, dass wir die Anschlussfinanzierung geräuschlos über die Bühne bekommen werden“, gab sich Luca Strehle im Frühjahr noch hoffnungsfroh. Doch der Markt für Mittelstandsanleihen schwächelt bedenklich, die Investoren sind satt. Auch Emittenten mit deutlich besseren Kennzahlen als Strenesse, zum Beispiel der Heimtierbedarfhändler Karlie und der Maschinenbauer Rena, konnten in den vergangenen Wochen nur einen Bruchteil des angepeilten Volumens ihrer Mittelstandsanleihen platzieren. Der Windparkbetreiber Wallenborn Adria Wind  musste seine geplante Bondemission sogar absagen. Nach mehrwöchiger Zeichnungsphase soll das Orderbuch nur zu rund einem Sechstel des ursprünglich avisierten Emissionsvolumens gefüllt gewesen sein.

Mit Blick auf die Marktentwicklung und die eklatanten Schwächen in der Debt Story von Strenesse wirkt Strehles Hoffnung auf eine geräuschlose Anschlussfinanzierung mittlerweile recht ambitioniert.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Was bei der Begebung einer Mittelstandsanleihe auf die Finanzabteilung und ihre Berater zukommt, ist Thema eines FINANCE-Webinars am Freitag, den 27. September, von 10:00h bis 11:00h. Thomas Gutschlag, CFO der Deutschen Rohstoff AG, wird von seinen Erfahrungen bei der Emission einer Mittelstandsanleihe berichten und sich anschließend der Diskussion mit den Webinar-Teilnehmern stellen – für alle bequem und zeiteffizient vom Schreibtisch aus. Hier können Sie sich für das FINANCE-Webinar mit CFO Thomas Gutschlag anmelden.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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